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2005 wurde Bradl in der 125-Klasse deutscher Motorradmeister © getty

Im zweiten Teil des Interviews spricht Bradl über potenzielle Vorbilder, Tipps vom Vater und die Zukunft des Motorradsports.

Im zweiten Teil des Interviews spricht Stefan Bradl über potenzielle Vorbilder und die Zukunft des Motorradsports.

Sport1: Ist der Motorrad-Sport auf dem richtigen Weg, wieder so erfolgreich zu werden, wie er vor 20 Jahren war?

Bradl: Ja, warum nicht, ich glaube schon. Damals gab es deutsche Heros. Das ist natürlich das Wichtigste, sonst kommt man gar nicht weiter. Wenn es so weiter läuft, und wenn wieder deutscher Nachwuchs nachkommt, und nicht nur ich oder ein oder zwei andere vorne mitmischen, sondern dass mal wieder was los ist in drei verschiedenen Klassen, dann ist das sicher machbar.

Sport1: Jetzt ist Sommerpause. Was steht da auf dem Programm?

Bradl: Erstmal eine Woche nichts tun, einfach abschalten. Dann werde ich schon wieder mit dem Training anfangen, mich auf die nächste Saison-Hälfte vorbereiten. Die Rennen werden dann auch stressig in Übersee.

Sport1: Was sind Ihre Ziele für die zweite Saison-Hälfte? Wollen Sie noch einmal angreifen?

Bradl: Ich schaue von Rennen zu Rennen. Für mich ist in Brünn das Ziel, wieder auf das Podium zu fahren. Das Gleiche gilt dann für Misano.

Sport1: Was kann man noch verbessern, im fahrerischen und auch im technischen Bereich?

Bradl: So ein Motorrad ist nie ausgereift. Es kommen immer wieder neue Teile von Aprilia, die erprobt werden. Dann zeigt sich, ob sie besser sind oder nicht. Die Entwicklungen bleiben nie stehen, sowohl in der Technik als auch im Fahrstil. Man findet immer wieder was, wenn man Fotos oder Videoanalysen macht und die Telemetrie-Aufzeichnungen am Computer ansieht, wo man sich verbessern kann. Aber wenn man mal eine gute Basis hat, sind es nur noch Kleinigkeiten.

Sport1: Haben Sie ein Vorbild?

Bradl: Vorbild fällt mir spontan keines ein. Früher war ich von Valentino Rossi fasziniert oder den Klitschko-Brüdern oder auch Magdalena Neuner.

Sport1: Also auch außerhalb des Motorrad-Sports?

Bradl: Ja, ich meine vom Menschen her, vom Sportler her. Ich sage nicht, dass es meine Idole sind, aber es sind schon Menschen, die mich ein bisschen faszinieren. Das sind herausragende Sportler, von denen man sich menschlich etwas abschauen kann.

Sport1: Ihren Vater haben Sie nicht genannt. Der hat Ihnen den Tipp mit den Reifen gegeben. Gibt er Ihnen noch mehr Tipps?

Bradl: Es werden immer weniger. Ich werde selber besser und lerne dazu. Aber in solchen Situationen, wie mit dem Regen, muss man einfach Risiko gehen. Er hat mir den Tipp gegeben, dass wir einen harten, aber angefahrenen Reifen nehmen. Das war ein dickes Plus, weil ich von Anfang an gleich Vertrauen hatte. Solche Details lass ich mir von meinem Vater sagen.

Sport1: Sind Sie immer einer Meinung mit Ihrem Vater?

Bradl: Nein, es gibt auch Momente, in denen ich meinen Kopf durchsetze. Es stellt sich im Nachhinein heraus, wer Recht hat. Aber ich muss zugeben, dass er ganz selten Unrecht hat.

Sport1: Dann haben Sie also häufiger unrecht?

Bradl: Es gab Situationen dieses Jahr, nicht nur im Rennen, sondern auch im Training, wo ich einen Griff daneben gemacht habe. Aber Gott sei Dank hat sich das nicht auf das Rennen ausgewirkt. Im Laufe der Saison hat sich herausgestellt, dass meistens mein Vater Recht hat. Aber es kommt selten vor, dass wir verschiedener Meinung sind.

Das Gespräch führte Benjamin Bauer

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