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Hans-Joachim Stuck gewann 1986 und 1987 das 24-Stunden-Rennen von Le Mans © getty

Durch eine Notoperation am Kopf entgeht der 59-Jährige dem Tod ganz knapp. Seine Zukunft im Rennsport ist danach offen.

Nürburg - Nur wenige Stunden nachdem er dem Tod von der Schippe gesprungen war, war Hans-Joachim Stuck schon wieder zum Scherzen zumute.

"Das war eine Sekunde vör Zwölf", sagte der 59-Jährige und ergänzte mit Blick auf die Drainage: "Ich habe jetzt zwei Löcher im Kopf. Das sind offenbar gute Antennen nach oben."

Die Notoperation nach dem großen Schock war gut verlaufen, das letzte Ziel in der großen Rennfahrer-Karriere Stucks ist aber in weite Ferne gerückt.

Der frühere Formel-1-Pilot hatte sich am Samstag in Neuwied einer OP unterziehen müssen, da die Ärzte ein Hämatom am Kopf festgestellt hatten.

Renn-Zukunft fraglich

Den Eingriff hat "Strietzel" gut überstanden. Stuck wurde am Sonntag von der Intensiv- auf eine Normalstation verlegt.

Ob er weiter Rennen fahren wird, erscheint nun fraglich. Dabei hatte er ein Karriere-Ende nach dem Unfall bei der deutschen Langstrecken-Meisterschaft am 3. Juli, dessen Spätfolge das Hämatom gewesen sein könnte, noch ausgeschlossen.

"Das ist überhaupt kein Thema. Mein großes Ziel ist es, einmal mit meinen beiden Söhnen Ferdinand und Johannes ein 24-Stunden-Rennen zu fahren", hatte der VW-Motorsportberater gesagt.

Ob es zur großen Familien-Zusammenführung auf der Strecke noch kommen wird, ist nun offen, am Sonntag atmete die Familie Stuck aber erstmal auf.

Sohn Johannes verzichtet auf Start

Auch für Sohn Johannes (23), der wie der Vater am Wochenende im VW-Scirocco-Cup im Rahmenprogramm der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft fahren wollte, war der Rennsport zunächst zweitrangig; er verzichtete auf den Start und fuhr stattdessen zu seinem Vater ins Krankenhaus.

Weil er laut seiner Ehefrau Sylvia seit ein paar Tagen über Kopfschmerzen und am Freitag nach dem Training zudem über Übelkeit und Schwindelgefühle geklagt hatte, war Stuck im Medical-Center an der Rennstrecke untersucht worden.

Dort riet ihm ein Arzt zu weiteren medizinischen Checks in Neuwied, wo die Ärzte nach seinem Crash bereits eine schwere Gehirnerschütterung und Rippenprellung diagnostiziert hatten.

"Wir haben Strietzel nach dem Training geraten, einen Arzt zu konsultieren, denn er klagte plötzlich über Gleichgewichtsstörungen", sagte VW-Motorsportdirektor Kris Nissen.

Heftiger Unfall

Bei dem Crash vor fünf Wochen war Stuck in einem Audi R8 LMS bei plötzlich einsetzendem Regen rückwärts und mit hoher Geschwindigkeit in einen Reifenstapel geprallt.

Dass er weiter Rennen fahren würde, stand für Stuck ("Als ich angefangen habe, waren Rennen tödlich und Sex gesund. Heute sind Rennen gesund und Sex gefährlich.") zu diesem Zeitpunkt aber außer Frage.

Schnelles Comeback

Schon 14 Tage nach dem Unfall startete er in der deutschen Langstrecken-Meisterschaft auf dem Nürburgring und belegte in einem Audi R8 LMS den zweiten Gesamtrang unter insgesamt 148 Teilnehmern.

Dabei war der Crash am 3. Juli bereits Stucks dritter schwerer Unfall auf seiner geliebten Nordschleife innerhalb von fünf Jahren.

"Erstmals dem Tod in die Augen gesehen"

Beim 24-Stunden-Rennen 2006 war er in einen Massenunfall verwickelt, nachdem mehrere Fahrzeuge auf einer Ölspur ins Schleudern gekommen und zusammengeprallt waren.

"Ich habe erstmals in meiner 37-jährigen Rennfahrer-Karriere dem Tod wahrhaftig in die Augen gesehen", hatte Stuck damals gesagt. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt.

Ein knappes Jahr später am 28. April 2007 erwischte es "Striezel" dagegen bei einem Rennen der Langstreckenmeisterschaft ganz böse.

Nach einem heftigen Unfall musste er mit einem Hubschrauber in die Klinik geflogen werden, wo ein Bruch des zweiten Lendenwirbels, zahlreiche schwere Prellungen, unter anderem des Brustbeins, sowie eine Herzquetschung festgestellt wurden.

Beim schwersten Unfall seiner Karriere habe er großes Glück gehabt, räumte er später ein.

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