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Stefan Bellof war 1984 und 1985 bei Tyrrell in der Formel 1 aktiv © imago

1985 verunglückt Stefan Bellof nach einem Risiko-Manöver in Spa - der nächste Tote in einem tragischen deutschen Sommer.

München - Er war schnell, hochtalentiert, aber leider auch zu leichtsinnig.

Stefan Bellof hatte eigentlich alles, um schon vor Michael Schumacher die Formel 1 aufzumischen. Doch seine vielversprechende Karriere endete am 1. September 1985 viel zu früh genau dort, wo sechs Jahre später Schumachers Stern aufging: in Spa.

Ein waghalsiger Überholversuch in der berüchtigten Eau-Rouge-Kurve riss den damals 27-Jährigen in den Tod, 21 Tage nachdem bereits Manfred Winkelhock im tragischen deutschen Sommer im kanadischen Mosport ums Leben gekommen war. 273438(Bilder: Die Karriere von Manfred Winkelhock)

"Jeder Rennwagen ein Risiko"

Beide verunglückten bei Sportwagen-Rennen in einem Porsche 962, den damals als Bellofs Teamkollege im Porsche-Werksteam auch der frühere Formel-1-Pilot Jochen Mass fuhr.

"Jeder Rennwagen zu dieser Zeit war ein Risiko. Im Vergleich zu den heutigen Fahrzeugen boten die damaligen Konstruktionen deutlich weniger Sicherheit. Die Materialien waren damals nicht besser. Damit musste man auch umgehen und die Risiken für sich einschätzen", sagte Mass.

Alle Türen offen

Damals war Mass selbst in Spa dabei, als Bellof starb. Er überbrachte dessen Freundin die Todesnachricht. "Ich dachte, das kann doch nicht sein, schon wieder ein Deutscher. Nach Winkelhock jetzt er. Es hat mich zutiefst berührt, wie da ein Junge so unglücklich verunglückte", sagt Mass.

Bellof standen seinerzeit alle Türen offen.

Ein Jahr zuvor hatte er in der Sportwagen-Klasse als erster Deutscher einen WM-Titel auf der Rundstrecke gewonnen. Er fuhr in seinem Porsche die bis heute schnellste Runde auf der Nürburgring-Nordschleife.

Angeblich Vertrag mit Ferrari

Und in der Formel 1 hatte er keine drei Monate zuvor im Regen von Monaco im unterlegenen Tyrrell die komplette Königsklasse begeistert und ohne vorzeitigen Rennabbruch das Rennen wahrscheinlich sogar gewonnen. Einen Vertrag mit Ferrari hatte er angeblich schon in der Tasche.

"Das Zeug zum Weltmeister hatte er, ganz klar. Voraussetzung wäre gewesen, dass er in ein gutes Team kommt", sagte Mass, der später auch den jungen Schumacher als Teamkollegen erlebte und die beiden daher gut vergleichen kann. "Ob er ein Schumacher geworden wäre? Auf jeden Fall war er ein Bellof, der seinen eigenen Weg gegangen ist."

Beide seien schnell gewesen, erinnert sich Mass. "Michael nahm aber Risiken ernst, die Stefan ausblendete", sagte er.

"Gewisse jugendliche Arroganz"

Wie beim verhängnisvollen Unfall in Spa, als der in Gießen geborene Bellof seinen erfahrenen Teamkollegen Jacky Ickx, den er im Jahr zuvor als Weltmeister entthront hatte, ausgerechnet in einer der gefährlichsten Kurven der Welt überholen wollte.

"Stefan war durchaus beseelt von einer gewissen jugendlichen Arroganz. Aber die brauchen junge Rennfahrer auch", sagte Mass. Bellof hatte angeblich gesagt, um Altstar Ickx könne man schon Kreise fahren.

Ickx: Glatter Selbstmord

Und anscheinend wollte er ihm dies genau in der Eau Rouge beweisen. "Es war ein viel zu optimistisches Manöver und an dieser Stelle auch riskant. Jacky Ickx kann man keinen Vorwurf machen. Der Unfall ging schon auf Stefans Kappe, leider", sagt Mass.

Man müsse die wilden Jahre auch überleben, sagte der frühere Formel-1-Pilot Mass: "Dazu gehört es, den Umgang mit dem Risiko zu lernen. Wer das nicht einsieht, läuft Gefahr, für den Rennsport den größtmöglichen Preis zu bezahlen, wie es dann beim Stefan war."

Ickx bezeichnete das Manöver später als glatten Selbstmord. "Er hätte mich 20 Meter weiter locker überholen können", sagte der sechsmalige Le-Mans-Sieger aus Belgien, der den Unfall mit Nackenschmerzen und einem gequetschten Finger überstand.

"Da kann man nicht überholen"

Der dreimalige Formel-1-Weltmeister Niki Lauda hielt Bellof damals für das "größte Talent im deutschen Rennsport". Und der Schotte Jackie Stewart, ebenfalls dreimal Champion in der Königsklasse, sah in ihm den "kommenden Weltmeister".

Als Lauda davon hörte, dass Bellof versucht habe, Ickx in der Eau Rouge zu überholen, sei er tief schockiert gewesen: "Das war ein fataler Fehler, denn da kann man nicht überholen."

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