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Der komplett zerstörte Audi von Mike Rockenfeller wird abtransportiert © getty

Fässlers Crew holt den zehnten Le-Mans-Sieg für die Ingolstädter, doch Horror-Crashs hinterlassen Spuren. Stuck schüttelt sich.

Le Mans - Große Freude, vor allem aber riesige Erleichterung nach zwei Horror-Unfällen:

Der zehnte Sieg von Audi beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans wurde angesichts der schweren Crashs von Titelverteidiger Mike Rockenfeller und des Schotten Allan McNish fast zur Nebensache.

Da die beiden Piloten die fürchterlichen Unfälle nahezu unverletzt überlebten, kam nach dem Erfolg des R18 TDI bei der 79. Auflage des Langstreckenklassikers doch auch Freude über den Erfolg auf.

Das Trio Marcel Fässler, Andre Lotterer und Benoit Treluyer (Schweiz/Duisburg/Frankreich) sicherte letztlich mit 13,8 Sekunden Vorsprung den zehnten Gesamtsieg der Ingolstädter in Frankreich.

Struck und Todt erleichtert

Die Ränge zwei bis vier belegte Erzrivale Peugeot. In der ewigen Siegerliste ist Audi damit Zweiter hinter Rekordgewinner Porsche (16 Siege). Auf Platz drei rangiert Ferrari mit neun Titeln.

In einem an Spannung kaum zu überbietenden Rennen war den 270..000 Zuschauern rund um den 13,629 km langen Circuit de la Sarthe bei den Unfällen von McNish und Rockenfeller am Samstag gleich zweimal gehörig der Schock in die Glieder gefahren.

"Es ist ein Wunder, früher wäre da niemand lebend ausgestiegen", sagte der ehemalige Formel-1-Pilot, DTM-Champion und Le-Mans-Sieger Hans-Joachim "Strietzel" Stuck und ergänzte: "Kohlefaser sei Dank".

Auch Jean Todt, Präsident des Automobil-Weltverbandes FIA, war gleichermaßen geschockt und erleichtert: "Wir sind sehr froh, dass die Sicherheit der Fahrzeuge so gut ist".

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Unfall mit 300 km/h

Um 22.41 Uhr, rund sieben Stunden nachdem McNish in die Reifenstapel gekracht war und die Teile seines Autos Streckenposten und Fotografen nur knapp verfehlt hatten, versetzte Rockenfeller die Motorsport-Fans in einen Schockzustand.

Bei der Anfahrt zur Indianapolis-Kurve kollidierte "Rocky" mit dem Ferrari des Italieners Robert Kauffman, der die Lichtsignale des heranfliegenden Rockenfeller offensichtlich übersehen hatte und unplanmäßig die Spur wechselte.

Mit mehr als 300 km/h krachte Vorjahressieger Rockenfeller anschließend in die seitliche Streckenbegrenzung, sein R18 zerschellte in tausend Teile und wurde bis auf das Monocoque komplett zerstört.

An gleicher Stelle hatte sich 1999 auch der Brite Peter Dumbreck mit seinem Mercedes CLR spektakulär überschlagen.

Einsatz beim Eurospeedway fraglich

Wie zuvor McNish konnte auch Rockenfeller aus eigener Kraft aus dem Wrack steigen. Der 27-Jährige wurde zunächst im Medical-Center behandelt und anschließend für weitere Untersuchungen nach Le Mans ins Krankenhaus gebracht.

Wie Audi am Sonntagmorgen mitteilte, befand sich Rockenfeller, der noch in der Nacht von seinen Eltern im Krankenhaus besucht wurde, gegen Rennende bereits auf dem Weg der Besserung.

Sein Start beim vierten Lauf zur Deutschen Tourenwagen Meisterschaft am Sonntag (19. Juni) auf dem Eurospeedway in der Lausitz ist allerdings fraglich.

Wie durch ein Wunder: Keine Verletze

Der Schotte McNish hatte bereits 50 Minuten nach Rennstart für die erste Schrecksekunde gesorgt: Beim Versuch, seinen in Führung liegenden Teamkollegen Timo Bernhard (Dittweiler) zu überholen, fuhr der zweimalige Le-Mans-Sieger in den Ferrari des Franzosen Anthony Beltoise, sein R18 TDI schoss durch das Kiesbett und überschlug sich.

"Das war ein ordentlicher Einschlag. Plötzlich haben alle zu schreien angefangen", sagte der französische Audi-Pilot Romain Dumas.

Dabei wäre McNishs Audi beinahe über die Reifenstapel geflogen, hinter dem zahlreiche Streckenposten und Fotografen standen.

Wie durch ein Wunder kam es zu keinen Personenschäden. Der 41-Jährige klagte lediglich über leichte Rückenschmerzen und ein geschwollenes Knie.

"Ich danke den Audi-Designern. Sie haben dieses Auto gebaut und offensichtlich einen sehr guten Job gemacht", sagte McNish: "Glücklicherweise sind die Personen am Streckenrand unverletzt geblieben."

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