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Hans-Joachim Stuck gewann 1986 und 1987 das 24-Stunden-Rennen von Le Mans © imago

Im Interview der Woche spricht Hans-Joachim Stuck über seine Karriere, Verletzungen, sein letztes Rennen und die Zeit danach.

Von Jakob Gajdzik

München - Eine Bilderbuch-Karriere neigt sich dem Ende zu.

Hans-Joachim Stuck wird beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring (Fr., ab 11.35 Uhr im TV auf SPORT1) nach 43 Jahren aktiven Rennsports seinen Helm an den Nagel hängen.

Der selbsternannte "Automane" kann dabei auf Erfolge in allen Klassen zurückblicken.

Er startete in der Formel 1 und Formel 2, feierte Siege bei der Langstrecken-WM, beim legendären 24-Stunden-Rennen in Le Mans sowie in der DTM.

Kaum einer hat im Rennsport so viele Spuren hinterlassen wie "Strietzel".

Nun reicht Stuck, Sohn des bekannten Rennfahrers Hans Stuck, das Zepter an seine beiden Söhne Ferdinand und Johannes weiter, mit denen er zusammen beim Nürburgring-Marathon startet.

Vor dem Rennen blickt der 60-Jährige im SPORT1-Interview der Woche (Hier geht's zum zweiten Teil des Interviews mit Hans-Joachim Stuck) auf seine bewegte Karriere zurück, erklärt die Entstehung seines Spitznamen "Strietzel" und spricht über sein soziales Engagement.

SPORT1: Herr Stuck, jeder kennt Sie unter dem Namen "Strietzel", allerdings wissen die Wenigsten, wie es zu diesem Namen kam. Klären Sie uns auf.

Hans-Joachim Stuck: Den Namen habe ich seit meiner Taufe von meiner Taufpatin Tante Emmy. Sie hat mich im Arm gehalten und gesagt, der sieht aus wie ein Strietzel, was in Schlesien ein Hefezopf ist. Der ist dann bis heute geblieben.

SPORT1: Sie beenden Ihre Karriere beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. Dort starten Sie erstmals gemeinsam in einem Team mit Ihren beiden Söhnen Ferdinand und Johannes. Ein großer Moment für Sie?

Stuck: Das ist ein ganz großer Moment für mich, zumal meine Karriere 1969 auch dort begonnen hat. Und dann so ein Abschluss mit den beiden Söhnen, bedeutet mir schon sehr viel. Da schließt sich der Kreis.

SPORT1: Ist das der krönende Abschluss Ihrer großen Karriere?

Stuck: Natürlich. Wenn man es zum Abschluss hinbekommt, mit seinen Söhnen zu fahren und dann zu sagen: 'Herrschaften, jetzt könnt ihr das mal machen', ist das eine schöne Sache.

SPORT1: Was hat Sie dazu bewogen, Ihre Karriere zu beenden?

Stuck: Ich bin 60 Jahre alt und hatte eine erfolgreiche Karriere, da kann man schon an Rücktritt denken. Ohne überheblich sein zu wollen, aber ich denke, ich habe Einiges erreicht. Nach 43 Jahren kann man es dann gut sein lassen. Außerdem will ich nicht mit 70 Jahren als Renn-Trottel dastehen, da ist der jetzige Zeitpunkt perfekt, um auf der Höhe aufzuhören.

SPORT1: Sie haben das Rennen bereits drei Mal gewonnen. Könnte es mit einem vierten Sieg klappen?

Stuck: Theoretisch ist alles möglich. Mit dem Lamborghini Gallardo fahren wir auch in einem konkurrenzfähigen Auto, mit dem wir ohne Frage vorne mitfahren können. Allerdings sind im Fahrerfeld auch viele Werks-Einsätze dabei, da wären wir auch mit einer Platzierung in den Top Ten sehr zufrieden. Es gewinnt jedoch nicht immer der Schnellste das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring, sondern der Cleverste.

SPORT1: Da kann man von einem Mann wie Ihnen ja nur profitieren

Stuck: Man darf nicht vergessen, dass wir mit Ferdinand, Johannes und Dennis Rostek noch drei junge Burschen mit dabei haben. Aber wir werden sie entsprechend darauf einstellen. Einfach wird es jedoch nicht.

SPORT1: Sie sind lange von schweren Unfällen und Verletzungen verschont geblieben. In den letzten Jahren wurde Ihnen dann aber jeweils die Nordschleife zum Verhängnis...

Stuck: In dem Fall war es auch nicht so schlimm. Es war dann Pech, ich bin dann drei Wochen später erneut mit dem Helm aufgeprallt, woraus sich ein Blutgerinnsel gebildet hat und operiert werden musste. Aber so etwas hatte jeder Mal. Wenn Leuten ein Arm oder ein Bein amputiert werden muss, so etwas ist ein schwerer Unfall. Ein Blutgerinnsel oder eine Gehirnerschütterung ist nichts lebensgefährliches.

SPORT1: Sie haben im Februar die "Strietzel Stuck Stiftung für Menschen in Not" gegründet. Wie läuft es?

Stuck: Es läuft hervorragend. Zusammen mit meinem Vorstand Frau Uschi Schnitzer haben wir die Stiftung ins Leben gerufen. Nach 43 Jahren auf der Sonnenseite, war es an der Zeit auch etwas zurückzugeben. Es ist eine schöne Aufgabe. Es kommen täglich Anträge von vielen Leute, die Hilfe benötigen. Die müssen zunächst sehr genau geprüft und strengen Kontrollen unterzogen werden. Wenn man sich zu einer Hilfe entschlossen hat, ist es dann schön, den Dank zu empfangen. Es ist eine interessante und spannende Geschichte.

SPORT1: Sie fahren fast ihr gesamtes Leben Rennen. Keine Angst, dass ihnen nun langweilig wird?

Stuck (lacht): Ganz sicher nicht. Ich habe spannende Aufgaben im Volkswagen-Konzern, wo ich voll eingebunden bin. Ich war ja auch schon als TV-Experte bei "Sky" und bei anderen Sendern. Das werde ich bestimmt gelegentlich mal wieder machen, aber nicht als Full-Time-Job. Hier geht's zum zweiten Teil des SPORT1-Interviews

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