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Hans-Joachim Stuck gewann 1986 und 1987 das 24-Stunden-Rennen von Le Mans © imago

In Teil 2 des SPORT1-Interviews spricht Hans-Joachim Stuck über den größten Fahrer aller Zeiten und eine private "Peep-Show".

Von Jakob Gajdzik

München - SPORT1: Sie haben im Motorsport fast alles erlebt: Sie sind in der Formel 1 gefahren, in der Formel 2, haben zwei Mal in Le Mans triumphiert, drei Mal beim Marathon auf dem Nürburgring, und Sie haben die DTM gewonnen. Welcher Augenblick bleibt Ihnen in Erinnerung? (Hier geht's zum ersten Teil des Interviews mit Hans-Joachim Stuck)

Stuck: Mit Sicherheit der Gewinn der Langstrecken-WM 1985, das war ein ganz wichtiger Meilenstein in meiner Karriere. Doch abseits dessen war der größte Augenblick in meinem Leben die Geburt meiner Kinder.

SPORT1: Gibt es eine Anekdote, die Ihnen spontan zu Ihrer Karriere einfällt?

Stuck: Ich war 1975 mit meinem österreichischen Kollegen Dieter Quester und meiner damaligen Freundin Mucki in den USA unterwegs. Sie war bekannt wegen ihrer großen Oberweite und der Dieter wollte diese immer mal hüllenlos sehen. Als Mucki und ich dann in Riverside das Training beobachtet haben und der Dieter einmal vorbeigefahren ist, habe ich ihr das T-Shirt hochgezogen und er ist mit dem BMW in die Mauer gefahren. Anschließend mussten wir uns beide erklären. Als Strafe von BMW mussten wir die Spesen selber zahlen, doch Dieter sagte danach zu mir: 'Die Peep-Show war es mir wert'.

SPORT1: Von Ihnen war folgendes Zitat zu hören: 'Man könnte mir keinen größeren Gefallen tun, als mich nachts um drei Uhr zu wecken und zu sagen: Da steht ein RS6 vor der Tür, fahr damit nach Monaco'. Gilt das immer noch?

Stuck: Na klar, das gilt immer noch.

SPORT1: Würden Sie sich als motorsportverrückt bezeichnen? Was macht für Sie die Faszination des Rennsports aus?

Stuck: Als motorsportverrückt nicht, eher als Automane. Die Faszination ist, das Auto so zu beherrschen, wie man es haben will. Das beinhaltet alles. Das Team, die Reifen, die Bremsen, die Elektronik. Der andere Punkt ist natürlich auch der Konkurrenzkampf auf der Strecke.

SPORT1: Sebastian Vettel dominiert momentan die Formel 1 scheinbar nach Belieben. Trauen Sie ihm ähnliche Erfolge zu wie Michael Schumacher?

Stuck: Davon ist er ja nicht weit weg. Aber das hängt immer davon ab, wie gut sein Auto ist. Wenn man Fernando Alonso in den Red Bull setzen würde, der würde auch vorneweg fahren. Natürlich soll das Vettels Leistung nicht schmälern, aber momentan stimmt dort einfach das Konzept. Wenn auch Ferrari oder McLaren es schaffen, auf dieses Niveau zu kommen, dann ist Vettels Siegeszug auch vorbei. Das muss man richtig einordnen. Die Leistung von Vettel ist außergewöhnlich gut, aber das können andere auch.

SPORT1: Also ist so eine Dominanz, wie sie Michael Schumacher mit sieben Meisterschaften hatte, nicht zu erwarten?

Stuck: Ich glaube nicht, dass das möglich ist. Es wird in den nächsten 30 Jahren keinen geben, der sieben Mal Weltmeister wird. Das liegt aber daran, dass sich einfach die Regularien und Bedingungen geändert haben. Vieles wird zu sehr eingeschränkt und zu einem gleichen Brei, so dass es eine solche Dominanz eines Fahrers nicht mehr geben wird. Für eine Saison kann das passieren, aber nicht über mehrere Jahre in Folge. Man muss das immer relativieren. Es gab eine Schumacher-Zeit, dann eine Phase wo Lewis Hamilton ganz stark war und jetzt ist Vettel an der Reihe.

SPORT1: Wie hat sich die Formel 1 seit Ihrer Zeit verändert? Haben es die Fahrer schwerer oder leichter?

Stuck: Auf der einen Seite haben es die Fahrer wesentlich leichter, weil sie sich viel mehr auf das eigentliche Fahren konzentrieren können. Wir mussten früher in Monaco über tausend Mal schalten und sind mit einer Hand gefahren. Die heutige Technik am Lenkrand ist wesentlich einfacher. Auch die ganzen Möglichkeiten im Fahrzeug, sei es zur Überwachung oder zur Abstimmung, machen es den Fahrern leichter. Aber im Umkehrschluss sind die Anforderungen der Fahrer an das Auto gestiegen. Zudem ist der Konkurrenzkampf viel härter geworden. Früher hatten wir Runden-Unterschiede von Sekunden, heute geht es um Hundertstel.

SPORT1: In Ihrer langen Karriere haben Sie viele kommen und gehen sehen. Wer ist für Sie der größte Rennfahrer aller Zeiten?

Stuck: Eine pauschale Antwort ist nicht möglich. Es gibt immer Fahrer, die in einer bestimmten Zeit dominiert haben. Zum Beispiel ist ein Schumacher jahrelang vorneweg gefahren, jetzt ist ein Vettel dran. Davor gab es Fahrer wie Ayrton Senna, Niki Lauda oder Stirling Moss. Zu der Frage, wer der größte Rennfahrer aller Zeiten ist, fallen mir mehrere Namen ein. Wenn ich muss, dann würde ich aber ab der Zeit, wo ich Formel 1 gefahren bin (1974, d. Red.) bis heute Ayrton Senna als den Größten bezeichnen.

SPORT1: Und wenn Sie chronologisch vorgehen?

Stuck: Dann würde ich anfangen mit meinem Vater Hans Stuck, Juan Manuel Fangio, Moss, Lauda, Senna, Michael Schumacher und Vettel. Hier geht's zum ersten Teil des Interviews mit Hans-Joachim Stuck

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