vergrößernverkleinern
PS-starke Boliden und spektakuläre Crashs sind das Markenzeichen der NASCAR © getty

Die großen US-Autohersteller stehen kurz vor dem Kollaps und brauchen Staatshilfen. Davon wird auch die NASCAR erschüttert.

Von Peter Schmieder

München - "Win on Sunday, sell on Monday", ist seit jeher das Motto im amerikanischen Motorsport.

Was über 60 Jahre gegolten hat, ist nun nicht mehr wahr:

Montags werden zurzeit keine Autos verkauft und auch das Wettrennen der Konzerne um die Aufmerksamkeit der Rennsport-Zuschauer in der beliebten Rennserie NASCAR am Sonntag ist in Gefahr.

"Der Hauptgrund, warum wir uns in der NASCAR engagieren, ist das Marketing, das uns hilft, unsere Autos und Trucks zu verkaufen", erklärt Ford-Racing Chef Brian Wolf das lange gültige Prinzip.

Das steht durch die Talfahrt von Ford und seinen Konkurrenten auf wackligen Beinen. Im Oktober dümpelte die Ford-Aktie bei 1,88 Dollar, dem tiefsten Kurs seit April 1983.

Trotz der sich andeuteten wirtschaftlichen Schwierigkeiten ballerten aber auch diese Saison über 40 der V8-NASCAR-Ungetüme mit bis zu 850 PS über die Ovale der Vereinigten Staaten. Über 30 Veranstaltungen zählt eine Saison, doppelt so viele wie in der Formel 1.

GM, Chrysler und Ford: alle drei in der NASCAR

Sollten die Prognosen von Professor Paul Krugman zutreffen, dann nützt der NASCAR auch die Arbeitswut ihrer Fahrer nichts, denn der diesjährige Wirtschaftnobelpreisträger befürchtet ein komplettes "verschwinden" der amerikanischen Autoriesen.

Mit den Marken Dodge, Ford und Chevrolet sind alle drei aus der Krisen-geschüttelten "Motor City" Detroit in der populären Tourenwagenserie engagiert.

Dodge, immerhin mit elf Wagen im Feld vertreten, hat bereits angekündigt sein Engagement ab 2010 zu überdenken. Glaubt man den Gerüchten, dass es doch noch zu einer Fusion von GM und Chrysler kommt, macht es wenig Sinn, die Dodges gegen die Chevrolets` antreten zu lassen.

Nur ein ausländischer Vertreter

Dass nur Toyota als einziger ausländischer Hersteller in der NASCAR aktiv ist, macht die Lage umso schwieriger.

Das sich die amerikanischste aller Rennserie zu einem japanischen Markenpokal entwickelt, ist unvorstellbar.

Der "besorgte Amerikaner"

NASCAR-Chef Brian France, wohl im Bewusstsein dieser Gefahren, klinkte sich dann auch nahtlos in die Lobbyarbeit der US-Autokonzerne ein. In einen persönlichen Brief an den US-Kongress rief er zur Unterstützung der Hersteller auf: ?Ich schreibe ihnen als besorgter Amerikaner, der nur das Beste für unsere Nation will."

Besorgt ist der mächtige NASCAR-Macher, denn bereits Mitte November hatten er ein striktes Testverbot ausgesprochen, um die Kosten radikal zu senken. In der Saison 2009 sind sämtliche Testfahrten, auf den Strecken die zur Meisterschaft gehören, untersagt.

Bis vor wenigen Tagen stand der 700 Millionen Dollar teure Ausbau des Kansas Speedway ganz weit oben in der Prioritätenliste. Diese Investition wurde nun erst einmal verschoben.

Superstars wollen helfen

NASCAR-Superstar Dale Earnhartd jun., kündigte nun an, er werde alles in seiner Macht stehende tun, um die NASCAR zu unterstützen.

Jeff Gordon, viermal mal NASCAR?Champ, geht sogar so weit, dass er auf einen Teil seines Gehalts verzichtet, wenn er damit wichtige Leute halten könne.

Gordon kann sich das durchaus leisten Nach Angaben des Magazins "Forbes" 25,5 Millionen Euro im Jahr. Er liegt im Ranking der bestbezahlten Sportler auf Rang neun, dich gefolgt von Kollege Earnhardt jun. auf Rang zehn.

Beide wissen, dass ihnen ohne eigene finanzielle Opfer ihre Einnahmequelle komplett wegfallen könnte.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel