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In der Saison 2002 debütierte Alex Hofmann in der Moto-GP © getty

Im Sport1.de-Interview spricht Ex-MotoGP-Pilot Alex Hofmann über die Saison 2009 und seine neue Aufgabe als DSF-Kommentator.

Von Manuel Krons

München - Der Motorrad-Profi Alex Hofmann hat eine turbulente Karriere in der Moto-GP-Klasse hinter sich.

Der gebürtige Mindelheimer debütierte 2002 im Red-Bull-Yamaha-Team in der höchsten Rennklasse. 2007 gelang ihm mit Platz fünf beim Großen Preis von Frankreich sein bestes Resultat in der Motorrad-WM.

Ein Horror-Szenario erlebte Hofmann im Juli 2007 beim Training zum Frankreich-GP. Er wurde vom Franzosen Guintoli gerammt, zog sich einen offenen Handbruch zu und musste drei Stunden lang operiert werden.

Erbittertes Duell

Im September 2007 entließ ihn sein D'Antin-Team wegen Arbeitsverweigerung, nachdem Hofmanns sein defektes Motorrad frühzeitig abgestellt hatte.

Für 2009 bekam Hofmann keinen Startplatz in der MotoGP, er arbeitet als Testfahrer für Aprilia und kommentiert für das DSF (Fr., ab 19.15 Uhr live) die MotoGP-Saison (Qualifying, Samstag, ab 22.05 LIVE), die am Karfreitag mit dem Freien Training in Katar beginnt.

Der Experte erwartet im Interview mit Sport1.de einen erbitterten Zweikampf zwischen dem italienischen Rekord-Weltmeister Valentino Rossi und dem Australier Casey Stoner. Einen Favoriten hat er in dem Duell. Seiner TV-Premiere sieht der 28-Jährige gelassen entgegen.

Sport1.de: Herr Hofmann, am Wochenende startet die MotoGP-Saison in Katar. Freuen Sie sich, dass es endlich losgeht?

Alex Hofmann: Ja, klar. Abgesehen davon, dass ich nicht vor Ort bin, um selber zu fahren. Das ist anders und auch ein bisschen komisch. Aber ich freue mich sehr auf meine neue Aufgabe und bin schon gespannt, was uns dort erwartet.

Sport1.de: Wie sehr wird es schmerzen, die ehemaligen Kollegen um den Kurs rasen zu sehen und selber nicht als Aktiver dabei zu sein?

Hofmann: Ich glaube, das wird nicht ganz so schlimm werden, weil ich jetzt auch schon ein Jahr Abstand hatte. Da bin ich kaum gefahren und war auch nur ein Mal an der Rennstrecke in Valencia. Ansonsten habe ich das ganze Jahr versucht Rennstrecken zu meiden, was auch gut geklappt hat. Aber natürlich wir es mich ein bisschen in den Fingerspitzen jucken.

Sport1.de: Worauf sind Sie in sportlicher Hinsicht am meisten gespannt?

Hofmann: Man muss ganz klar sagen, dass die Wintertestfahrten das Duell der ganz großen Giganten, Stoner gegen Rossi, hervorgebracht haben. Die zwei Fahren im Moment auf ihrem eigenen Planeten. Ich bin gespannt, wie es losgeht, denn Stoner ist bekanntermaßen in Katar absolute Spitze und seit 2007 auf seiner Ducati dort ungeschlagen. Es wir für Valentino Rossi zum Saisonstart also gewiss nicht leicht werden. Zwischen den beiden wird ein Zweikampf vom ersten Rennen an entbrennen.

Sport1.de: Wer von beiden ist Ihr persönlicher Favorit auf den Titel?

Hofmann: Das ist ganz schwierig zu sagen. Wenn es gegen die Uhr geht, ist Casey Stoner der Schnellere. Das war er aber auch schon im letzten Jahr so. Und dann hat Rossi den Titel geholt. 88267(DIASHOW: Die besten Bilder der Moto-GP) Aber ich glaube, Casey Stoner hat einiges aus seinen Fehlern gelernt, den würde ich nicht abschreiben. Wenn ich wetten müsste, dann wäre ich nicht sicher, was ich machen würde.

Sport1.de: Und auf wen würden Sie setzen, wenn Sie müssten??

Hofmann: Gegen den Rossi zu setzen ist immer gefährlich. Ich könnte mir vorstellen, dass Casey Stoner ein härterer Konkurrent wird, als er das im letzten Jahr war - würde aber trotzdem aus Vernunft den Herrn Rossi nehmen (lacht). (Auf der Jagd nach "Doctor Rossi")

Sport1.de: Haben Sie das Thema MotoGP als Aktiver für sich abgehakt ? oder haben Sie noch Hoffnung, in Zukunft wieder mitfahren zu können?

Hofmann: Man soll niemals nie sagen. Der Vorteil ist bei mir, dass ich durch meine Testfahrertätigkeit für Asprillia viel zum Fahren komme und viel unterwegs bin. Dadurch sehe ich auch, wo mein Leistungsstand ist und bleibe nah dran am Thema. Aber für die MotoGP, da muss man ganz klar sagen, müssen die Vorraussetzungen passen. Und ob sich das noch mal auftun würde ? ich glaub nicht dran. Aber wer weiß, was alles noch passiert in den nächsten Jahren.

Sport1.de: Sind Sie sehr gespannt auf Ihre neue Aufgabe als DSF-Kommentator ? oder sind Sie gar nervös?

Hofmann: Immer weniger. Einen kleinen Auftakt hatten wir ja schon, in Jerez (bei den Testfahrten, d. Red.). Es war ganz ungewohnt für mich vor der Kamera zu stehen, nachdem ich jahrelang mit Helm herumgefahren bin und das Visier runtergezogen hatte. Aber da gewöhnt man sich dran, von Rennen zu Rennen. Von Nervosität würde ich daher nicht reden.

Sport1.de: Glauben Sie, dass sich die MotoGP ohne einen deutschen Fahrer beim Publikum durchsetzen kann?

Hofmann: Ich hoffe es natürlich. Bis der nächste Deutsche oder Deutschsprachige dort fahren wird, kann es natürlich noch ein bisschen dauern. Die jungen Talente fahren im Moment in der 125ccm-Klasse und der Weg bis zur MotoGP dauert je nach Karriereverlauf zwei bis fünf Jahre. Ich glaube aber trotzdem, dass der Sport an sich überzeugen kann, denn wir haben den spektakulärsten Motorsport. Und wenn die Leute das erkennen, dann werden sie die MotoGP gucken ? auch wenn kein Deutscher mitfährt.

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