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Smudo heißt mit bürgerlichem Namen Michael Bernd Schmidt © getty

Hip-Hop-Star, Rennfahrer, Umweltfreund: Im SPORT1-Interview vor dem Nürburgring-Rennen erklärt Smudo, wie das zusammenpasst.

Von Reinhard Franke

München - Seit 25 Jahren ist er Texter und Rapper bei Deutschlands erfolgreichster Hip-Hop-Band.

Aber die Fantastischen Vier sind nicht die einzige Leidenschaft von Michael Bernd Schmidt, besser bekannt als Smudo.

Der 46-Jährige hat seit 1999 eine Rennsportlizenz und ist am Samstag beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring am Start (ab 16 Uhr LIVESTREAM und LIVE im TV auf SPORT1).

Vorher spricht Smudo im SPORT1-Interview über die "Grüne Hölle", das spezielle Rennanzugsgefühl - und darüber, wie sein Faible für den Motorsport mit seiner Umweltliebe zusammenpasst. (SERVICE: SPORT1 in der Grünen Hölle)

SPORT1: Smudo, im Oktober erscheint die neue CD "Rekord", mit dem die Band ihren Geburtstag feiern wird. Welchen Rekord wollen Sie am Wochenende beim 24-Stunden-Rennen aufstellen?

Smudo: Der Rekord heißt bei mir immer Ankommen auf dem Treppchen. Wir sind ein kleines Team und machen das alles privat, kriegen keine Motor- und Marken-Unterstützung, was den Wagen angeht und wenn wir damit ankommen, dann ist das für uns ein richtig geiles Ding. Da der Wagen eine ganz gute Performance hat, bedeutet Ankommen in der Regel auch eine Top-Drei-Platzierung in unserer Klasse. Das wäre top.

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SPORT1: Was kann man dieses Jahr von Ihnen erwarten mit dem Scirocco?

Smudo: Für die nächste Saison laufen Gespräche für ein neues Auto, aber jetzt fahren wir noch den Scirocco. Das ist ein Vier-Zylinder-/Zwei-Liter-Fahrzeug. Bisschen mehr als eine Tonne, der statt Kohle-Faser Bio-Faser verbaut hat und mit einem 50/50 Pflanzen-Öl und Bio-Diesel fährt.

SPORT1: Dieser umweltfreundliche Aspekt dürfte Sie reizen.

Smudo: Ich bin Quereinsteiger und nicht mit vier Jahren schon im Kart unterwegs gewesen. Ich habe also die Möglichkeit wie viele andere Promis halb gut bis schlecht in einem Sprintfeld mitzufahren - oder ich suche einen Weg den Sport ernsthaft und nachhaltig zu betreiben. Als Musiker einer Band, die dafür bekannt ist, extravagant zu sein, hat uns die Idee, einen Sport, der ja nun alles andere als grün ist, durchaus mit den Prinzipien der Nachhaltigkeit verbinden zu können, fasziniert. Die Vorsilbe "Bio" irritiert, weil es altbacken klingt. Eigentlich ist Bio-Tech Hi-Tech. Gerade, was die Entwicklung von nachwachsenden Rohstoffen und Faserkomponenten in Chassis angeht.

SPORT1: War Ihre Liebe zum Motorsport schon immer da?

Smudo: Nein. Ich bin kein Autoschrauber-Fan, aber wie allen Jungs gefiel mir immer schon die Ästhetik des Motorsports. 1998 gab es eine sehr geiles Computerspiel namens "Grand Prix Legends", eine Simulation der Formel-1-Saison 1967. Die war für die damalige Zeit so schraubengenau, das hat mich total begeistert und wissbegierig gemacht: Was machen Stoßdämpfer, was ist ein Querstabilisator, wie beeinflusst der Reifendruck das Gripniveau?

SPORT1: Und schon hatten Sie Blut geleckt?

Smudo: Ja, das hat mich geflasht und plötzlich wurden nicht nur meine Leistungen an der Simulation besser, sondern auch auf der ganz normalen Kart-Strecke, weil ich das Auto besser begriffen habe und die Software zwischen meinen Ohren wurde dadurch upgegradet. So fing ich an mich für diesen Sport zu entflammen, wollte meine Simulationskenntnisse ins echte Auto übertragen. Ich habe dann einen Formel-Renault-Kurs gemacht, meine ersten Kontakte in der Motorsport-Szene geknüpft und fing an, meine ersten Langstreckenrennen zu fahren. Und inzwischen besteht unser Team seit vielen Jahren.

SPORT1: Und das 24-Stunden-Rennen ist zu einer echten Herzensangelegenheit geworden?

Smudo: Der Langstrecken-Pokal ist mein Zuhause, wenn ich momentan wegen der Arbeit gar nicht so viel fahren kann, aber mir gefällt die Community. Die Nordschleife ist die legendärste Strecke der Welt. Diese ganze Renn-Romantik mit den grünen Auen, baumgesäumt - das ist schon herrlich. Es ist eine Strecke, die den Maschinen und Menschen alles abverlangt. Die Vielfalt dieser Strecke und die Mischung zwischen Professionellen und Amateursportlern sind einmalig und haben eine unfassbare Faszination. Ich persönlich finde das Rennen im positiven die merkwürdigste Form dessen, was man auf der Nordschleife machen kann (lacht). Das ist schon verrückt.

SPORT1: Als Motorsport-Experte wissen Sie sicher auch, was es mit dem Wort "Grüne Hölle" auf sich hat.

Smudo: Das ist ein Begriff, der von Sir Jackie Stewart vor knapp 50 Jahren eingeführt wurde. Aus heutiger Sicht erscheint es unglaublich, dass auf der Strecke in ihrer damaligen Form Formel-1-Rennen ausgetragen wurden. Viele Menschen haben dort den Tod gefunden. Nach Laudas legendärem Unfall 1976, der traurige Schlusspunkt einer jahrzehntelangen Sicherheitsdebatte rund um den Ring, wurde die Nordschleife für den Formel-Verkehr gesperrt. Mit Formel-1-Autos dort zu fahren, war einfach lebensmüde. Es hat lange gedauert, bis das verstanden wurde.

SPORT1: Wenn Sie in den Rennanzug steigen, fühlen Sie sich dann anders?

Smudo: Es gibt tatsächlich ein Anzugs-Feeling. Entweder der Geruch, wenn der Anzug frisch aus der Wäscherei kommt, oder, wenn man am Renntag schon das Qualifying gefahren ist und er in der Nacht getrocknet wurde. Das hat so einen bestimmten klammen Geruch, dann weiß ich immer: Jetzt trete ich in einen anderen Modus.

SPORT1: Was fahren Sie eigentlich privat?

Smudo: Ich bin recht praktisch veranlagt, fahre einen Punto und für die Familie einen älteren Toyotas Landcruiser 100, ein schönes, großes Schiff, wo du alles reinschmeißen kannst - inklusive Stereoanlage fürs Grillen.

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