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Timo Scheider behält im Audi die Nerven © imago

Der Audi-Pilot sichert sich den 8. DTM-Lauf in Brands Hatch vor Mercedes. Zuschauer Hamilton spricht von DTM-Ambitionen.

Brands Hatch - Timo Scheiders Verlobte Jasmin Rubatto strahlt in der Box, sie klatscht begeistert in die Hände. Sie schließt erleichtert die Augen. Die Gesten drücken mehr aus als viele Worte.

Timo Scheider hat auf der Berg- und Talbahn in Brands Hatch einen großen Schritt in Richtung seines ersten Titels in der Deutschen Tourenwagen-Masters gemacht.

Der Audi-Pilot aus Braubach feierte auf dem britischen Traditionskurs beim 8. von 11 DTM-Läufen nicht nur seinen zweiten Saisonsieg, sondern baute auch seine Führung in der Gesamtwertung von vier auf neun Punkte aus.

"Es war ein hartes Stück Arbeit, aber ich bin überglücklich", meinte Scheider, der dem zweitplatzierten Mercedes-Pilot Paul di Resta (Großbritannien) ein "großes Kompliment" machte: "Paul hat auch alles gegeben, ich musste ständig in den Rückspiegel schauen. Vielen Dank für den fairen Kampf."

Kein Gedanke an den Titel

An den Titel denkt er noch nicht, obwohl er seit seinem Premierensieg am 20. April in Oschersleben die Gesamtwertung anführt.

"Ich probiere, jedes Rennen als neues zu sehen. Vielleicht ist das dann am Ende der Schlüssel zum Erfolg."

Scheider, der zum vierten Mal in dieser Saison von der Pole Position gestartet war und zum zweiten Mal nach Oschersleben das auch zum Sieg nutzte, verwies vor den Augen von Formel-1-Star Lewis Hamilton dessen britischen Landsmann di Resta in einem hart umkämpften Rennen auf den zweiten Platz und bekam ein Lob vom Superstar.

"Scheider ist stark gefahren"

"Hier kann man fast nicht überholen, erst recht, wenn der Mann vor dir genauso schnell ist wie du selbst. Scheider ist sehr stark gefahren", sagte Hamilton.

Rang drei holte sich Titelverteidiger Mattias Ekström aus Schweden im Audi vor Lokalmatador Jamie Green in einem weiteren Mercedes.

Diese drei bilden vor den letzten drei Rennen die Verfolgergruppe von Scheider, der auf 54 Punkte kommt. Green und di Resta haben jeweils 45 Zähler auf dem Konto, Ekström 44.

Schumacher nur 15.

Nur Platz 15 belegte dagegen in Brands Hatch der frühere Formel-1-Pilot Ralf Schumacher (Mercedes).

"Ich hatte keine Chance, Timo zu überholen. Ich war dran und hatte immer die vier Ringe seines Autos vor Augen", sagte di Resta. "Es war sehr eng an der Spitze und hätte auch anders ausgehen können", meinte Mercedes-Sportchef Norbert Haug.

Sein Audi-Kollege Wolfgang Ullrich freute sich, im Titelrennen "zwei so gute Eisen im Feuer zu haben wie Timo und Mattias".

Hamiltons DTM-Ambitionen

Für einen deutlichen Zuschauer-Anstieg gegenüber dem Vorjahr auf insgesamt 26.800 am gesamten Wochenende hatte der Gast-Auftritt von Hamilton gesorgt.

Der WM-Spitzenreiter aus Großbritannien begeisterte "seine" Fans mit einigen Demo-Runden in seinem McLaren-Mercedes und schrieb zahlreiche Autogramme.

"Für mich ist es ein bisschen wie nach Hause kommen. Ich erinnere mich gern an meine Zeit in der Formel-3-Euroserie", sagte der 23-Jährige, der das Rennen am HWA-Kommandostand neben Haug verfolgte.

Danach sprach Hamilton auf seine eigenen DTM-Ambitionen an: "Ich habe Norbert Haug schon gesagt, er solle mich mal fahren lassen."

Einsetzender Regen

Am Start hatte Scheider seine Führung gegen di Resta behauptet. Auch nach den ersten Boxenstopps, bei denen die Spitzenfahrer trotz einsetzenden Regens auf profillosen Slicks blieben, änderte sich an der Reihenfolge nichts, obwohl di Resta viel Druck machte.

Ekström setzte auf eine andere Strategie und blieb am längsten von den Top-Piloten auf seinem ersten Reifensatz.

Ekström macht Boden gut

Nur eine Runde nach dem ersten Stopp des Schweden ließ sich di Resta zum zweiten Mal abfertigen. Eine weitere Runde später kam auch Scheider zum zweiten Pflichtreifenwechsel und vor di Resta zurück auf die Strecke.

Ekström nutzte seine freie Fahrt an der Spitze und machte so viel Boden gut, dass er sich 24 Runden vor Schluss auf Rang drei direkt vor Green einreihte. Trotz einiger Rekordrunden in der Schlussphase kam er jedoch an Scheider und di Resta nicht mehr ganz heran.

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