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Gary Paffett (vorne) gewann 2005 die DTM-Meisterschaft © imago

Nach dem Rennen im französischen Dijon beklagt Audi die Reifenschäden. Mercedes feiert hingegen seinen Fünffach-Erfolg.

Von Sebastian Binder

München - Nach der DTM-Premiere im französischen Dijon gab es eigentlich nur ein Thema: Reifen. Zumindest bei Audi.

Bei Mercedes hingegen freute man sich vielmehr über den Fünffach-Triumph auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke.

"Was für ein Rennen und was für ein Sieg", zeigte sich Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug begeistert.

Sein Pendant auf Audi-Seite Wolfgang Ullrich war dagegen restlos bedient: "Das ist ein enttäuschendes Ergebnis für uns."

Timo Scheider, Oliver Jarvis, Tom Kristensen, Martin Tomczyk und Mattias Ekström, so liest sich die "Liste des Schreckens" bei Audi. Alle fünf Piloten hatten im Laufe des Rennens einen Reifenschaden zu beklagen.

Besonders hart traf es Ekström: In Führung liegend löste sich sein linkes Hinterrad in die Einzelteile auf.

Damit waren nicht nur seine Chancen auf einen Sieg in Dijon, sondern auch auf den Gewinn der Meisterschaft dahin.

Zerknirscht sagte der Schwede nach dem Rennen: "Ich hatte ein perfektes Auto und viel Vertrauen. Leider platzte der Reifen und ich sammelte keinen einzigen Punkt." Am Ende blieb ihm nur der neunte Rang.

Glück für Scheider

Glück im Unglück hatte dagegen der Führende in der Gesamtwertung. Auch bei Scheider zerfetzte es den Reifen, allerdings kurz vor der Einfahrt in die Boxengasse.

So bedeutete der Reifenschaden für den Titelverteidiger nur einen geringen Zeitverlust, denn er musste ohnehin in den nächsten Runden zum Tanken. Die eigentlich geplante, aggressive Strategie war dadurch jedoch hinfällig.

"Dieser Boxenstopp war zu diesem Zeitpunkt noch nicht geplant und das hat man auch gesehen", meinte Ullrich.

Am Ende rettete Scheider immerhin noch Platz sechs ins Ziel und holte damit drei wichtige Punkte für die Gesamtwertung.

Nach dem verkorksten Qualifying und Startplatz 16 wertete der 30-Jährige dies als Erfolg: "Aus der schlechten Ausgangsposition ist der sechste Platz fast wie ein kleiner Sieg. Davon hätte ich vor dem Rennen fast nicht zu träumen gewagt."

"Müssen klären, was die Ursachen sind"

Dass die Strecke in Dijon die Reifen stark beansprucht, ist kein Geheimnis. Dass nur Audi-Piloten von Schäden an den Pneus betroffen waren, bleibt dagegen ein Rätsel.

Eigentlich hatte Audi vor dem Rennen die Reifen noch einmal in Longruns getestet.

Es schien keine größeren Probleme zu geben, wie der Motorsportchef bestätigte: "Wir haben die Reifen kontrollieren lassen und hatten eigentlich grünes Licht, dass es auch in Ordnung sein sollte."

Umso ratloser war Ullrich nach dem Rennen: "Die Reifenschäden haben vier unserer schnellsten Autos getroffen. Wir müssen jetzt dringend klären, was die Ursachen sind."

Freude bei Mercedes

Des einen Leid, des anderen Freud. Durch die Pannenserie bei Audi war der Weg für die Mercedes-Piloten frei.

Norbert Haug verriet im Freudentaumel nach dem Sieg sogar das Erfolgsgeheimnis von Mercedes: "Unsere C-Klasse war in Dijon der 'Reifenflüsterer'. Das hat Gary Paffett den Sieg und Mercedes sogar den Fünffach-Triumph gebracht."

In der Tat war Paffett der große Nutznießer der Audi-Misere. Nach dem Qualifying, in dem der Engländer nur Achter wurde, sah es so aus, als würden die Titelhoffnungen dahin sein.

"Es war ein hartes Rennen"

Doch Paffett kämpfte und wurde am Ende mit dem Sieg belohnt: "Ich freue mich riesig und ich danke meinem Team für diese tolle Leistung. Es war ein sehr hartes und langes Rennen."

Auch Ralf Schumacher war nach dem Rennen glücklich. Mit Platz fünf erzielte er sein bisher bestes Resultat bei den Tourenwagen: "Ich freue mich sehr über mein bestes DTM-Ergebnis. Das Auto lief das ganze Wochenende über perfekt."

Der einzig wirklich unzufriedene Mercedes-Fahrer war wohl Bruno Spengler. Er ging vom ersten Startplatz ins Rennen, kam jedoch nur als Dritter ins Ziel.

"Von Pole zu starten und Dritter zu werden, ist nicht optimal. Aber mein Auto übersteuerte etwas und deshalb konnte ich nicht schneller fahren", sagte der Kanadier.

Haug lobt Dijon

Sein Chef war dennoch begeistert ? nicht nur vom Traumergebnis seiner Schützlinge, das von Paul di Resta als Zweitem und Jamie Green als Viertem komplettiert wurde.

"Ich glaube, es war ein sehr unterhaltsames, ein sehr spannendes Rennen. Eine grandiose Premiere in Dijon", lobte Haug die neue Strecke in den höchsten Tönen.

"Es waren irgendwann einmal zehn oder zwölf Autos innerhalb von vier Sekunden, das war ein richtiger D-Zug. So etwas gibt es höchst selten, noch nicht einmal am Norisring."

Spannung in Hockenheim

Nun steht das Finale in Hockenheim an. Durch Paffetts Sieg kommt beim letzten Rennen des Jahres tatsächlich noch einmal Spannung auf. Der Vorsprung von Scheider auf seinen letzten verbliebenen Rivalen Paffett ist auf sieben Punkte zusammengeschmolzen.

"Wir freuen uns jetzt auf ein spannendes Finale in Hockenheim. Dort fällt zum dritten Mal in Folge die Meisterschaftsentscheidung", sagte Haug.

Gleichzeitig schränkte er aber ein: "Bei sieben Punkten Rückstand und zehn Kilo Ballastgewicht nach dem Sieg heute sind die Chancen für Paffett nicht gerade groß."

Scheider gab sich demzufolge auch betont selbstbewusst: "Sieben Punkte Vorsprung auf Gary sind eine anständige Ausgangsposition für das Finale in zwei Wochen. Die Fans in Hockenheim können sich jetzt auf einen echten Saisonhöhepunkt freuen."

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