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David Coulthard hielt bei den Testfahrten in Valencia Ende März gut mit © imago

David Coulthard spricht im Interview über die DTM-Konkurrenz, Probleme mit dem Scheibenwischer und Parallelen zum Kampfsport.

München - Nach Jean Alesi und dem zweimaligen Weltmeister Mika Häkkinen sowie der deutschen Fraktion Heinz-Harald Frentzen und Ralf Schumacher versucht sich jetzt David Coulthard (38) an einer bislang unlösbaren Aufgabe:

Nach Siegen in der Formel 1 auch den Titel in der DTM zu gewinnen.

"Vielleicht bin ich ja der Typ, der Meister wird", meinte der Mercedes-Pilot vor seinem ersten Rennen in Hockenheim am Sonntag (DATENCENTER: Der Rennkalender).

Im Interview spricht der Schotte über seine Ambitionen, Ralf Schumacher und die spezielle Herausforderung DTM.

Frage: Herr Coulthard, was ist - nach einem Jahr Pause vom Motorsport - der Hauptgrund für Ihr Comeback?

David Coulthard: Nach meiner Zeit in der Formel 1 war es gut, meinen Helm an den Nagel zu hängen, aber nicht unbedingt das Ziel, etwas komplett anderes zu machen. Ich bin ja immer noch mit der Formel 1 verbunden, arbeite fürs Fernsehen, bin noch im Marketing eingebunden. Ich wollte mir Zeit nehmen. Zu Beginn hatte ich kein Verlangen, Rennen zu fahren. Ich hatte eine Möglichkeit, in Le Mans zu fahren. Aber es gab keine Leute oder eine Marke, mit denen ich unbedingt arbeiten wollte.

Da war aber meine lange Verbundenheit mit Mercedes. Ich war im letzten Jahr bei ein paar DTM-Rennen. Und wenn ich weiter etwas im Motorsport machen will, macht es Sinn, das mit Mercedes in der DTM zu tun. Das ist eine sehr gute Meisterschaft und passt gut mit meinen übrigen Verpflichtungen zusammen. Eigentlich ist das die einzige und nahe liegende Entscheidung, aber das wusste ich anfangs noch nicht.

Frage: Sie haben mehrere Testfahrten absolviert. Ist die Entscheidung erst gefallen, nachdem Sie einmal im Auto saßen?

Coulthard: Mein erster Test war eigentlich nur aus Spaß. Aber erst nach den zweiten Testfahrten in Valencia habe ich gemerkt, dass ich genug lerne und mich genug verbessere, um eine Chance zu haben, wirklich Rennen zu fahren. Das war sehr spät. Natürlich habe ich nicht genug Testkilometer für einen idealen Einstieg. Aber es ist eine Herausforderung. Ich fahre bei Mücke in einem erfahrenen Team, bekomme viel Unterstützung vom HWA-Werksteam und den anderen Fahrern. Ich werde in Hockenheim sicher nicht an der Spitze fahren, aber hoffentlich auch nicht Letzter sein.

Frage: Es sind viele erfahrene Formel-1-Piloten in die DTM gekommen. Jean Alesi und Mika Häkkinen haben zumindest Rennen gewonnen, Heinz-Harald Frentzen und Ralf Schumacher nicht. Aber keiner hat es geschafft, in der DTM den Titel zu gewinnen. Haben Sie Angst, dass es Ihnen genauso gehen könnte?

Coulthard: Nein, ich habe keine Angst. Es ist ganz einfach: Zeigen Sie mir einen DTM-Fahrer, der Formel-1-Weltmeister geworden ist. Man kann das nicht vergleichen. Nehmen Sie einen Abfahrtsläufer, der auch im Slalom fahren soll. Es gibt nur ganz wenige, die alle Disziplinen gewinnen können.

Normalerweise hat man Spezialisten. Und genauso hat man Formel-1-Spezialisten und Tourenwagen-Spezialisten. Schwierig ist, in beidem gut zu sein. Aber man muss es versuchen. Wenn man es nicht versucht, wird man es nie herausfinden. Ich werde es probieren, und vielleicht bin ich ja der Typ, der einen guten Job macht und Meister wird.

Frage: Sie sprachen von Tourenwagen-Spezialisten: Wen sehen Sie als die Messlatte in der DTM?

Coulthard: Die Jungs von Mercedes. Gary Paffett hat im letzten Jahr mehr Rennen gewonnen, als jeder andere, und war schonmal Meister. Bei Audi ist Timo Scheider zweimaliger Champion. Aber die sind nicht meine Messlatte. Das sind Leute mit der gleichen Erfahrung wie ich, wie CongFu Cheng oder der Spanier Miguel Molina bei Audi.

Frage: Vielleicht in einiger Zeit auch Ralf Schumacher?

Coulthard: Er sitzt in einem anderen Auto. Mit dem hat er einen großen Vorteil. Ich verstehe all diese Vergleiche, ich war 15 Jahre in der Formel 1. Aber die Ergebnisse aus den Testfahrten zählen überhaupt nichts. Ich fange bei null an, in einer neuen Serie mit neuen Verbindungen zu Ingenieuren und Mechanikern. Ich muss mich in einen DTM-Modus schalten und 20 Jahre Erfahrung bei Autorennen aus meinem Gedächtnis streichen.

Ein einfaches Beispiel: Als es bei den Tests anfing zu regnen, musste ich über Funk erst fragen, wo der Schalter für den Scheibenwischer ist. Die Jungs in dieser Welt machen das alles instinktiv. Ich habe immer noch alle Knöpfe von meinem Lenkrädern bei Red Bull oder McLaren-Mercedes im Kopf. In der DTM musste ich erst lernen, hier ist der Funk, da die Handbremse. In Hockenheim sollte ich das möglichst wissen.

Frage: Woran mussten Sie sich im DTM-Auto am meisten gewöhnen?

Coulthard: Geduld zu haben und weich zu fahren, aber trotzdem noch aggressiv genug zu sein. Das ist schwierig zu erreichen. Aber es ist ähnlich wie in einigen Kampfsportarten: manchmal ist dort keine Bewegung, aber dennoch steckt eine Menge Energie darin.

Frage: In der DTM gibt es eine große Nähe zu den Fans. Mögen Sie das?

Coulthard: Fans gehören zum Rennsport. Warum sollte man das nicht mögen? Aber am Ende des Tages habe ich einen Job zu erledigen. Wenn ich im Auto sitzen muss, kann ich keine Autogramme schreiben.

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