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Joachim Winkelhock fuhr 1992 für BMW in der DTM © imago

Nach dem F1-Ausstieg wollen die Münchner nun um die DTM mitmischen - aber nicht vor 2012. Mercedes reibt sich schon die Hände.

München - Raus aus der Formel 1, rein in die DTM: Keine sechs Monate nach der Vollbremsung in der Königsklasse des Motorsports hat der BMW-Vorstand grünes Licht für den Einstieg in die DTM ab 2012 gegeben.

Die Münchner werden im kommenden Jahr zunächst bei einigen ausgewählten Rennen außer Konkurrenz einen Schnupperkurs absolvieren und dann 2012 werksseitig gegen die Erzrivalen Audi und Mercedes die komplette Saison bestreiten.

Noch ist der Vorstandsbeschluss allerdings nur eine Absichtserklärung. Vor der endgültigen Entscheidung, die laut BMW "im Jahresverlauf" fallen soll, müssten bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, an denen der DTM-Dachverband ITR derzeit intensiv arbeitet.

Zu den BMW-Bedingungen gehören dem Vernehmen nach ein stabiles technisches Reglement, ein kostengünstiges Konzept und eine größere Ausrichtung auf die internationalen Märkte wie Asien und Nordamerika. (DATENCENTER: Der Rennkalender)

Mit dem M3 auf Titeljagd

Für BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen ist die geplante Rückkehr schon jetzt eine spannende Aufgabe, wie er selbst sagt: "Wir werden in den kommenden Monaten auf technischer Seite alle nötigen Vorbereitungen treffen, um uns im Falle eines Einstiegs 2012 aus dem Stand konkurrenzfähig präsentieren zu können."

Mit welchem Auto möchte er gegen den Audi A4 und die Mercedes C-Klasse um den DTM-Titel kämpfen? Theissen: "Aufgrund seiner großen Tradition im Produktionswagensport ist der BMW M3 für den Einsatz als Basisfahrzeug prädestiniert."

DTM-Boss glaubt an BMW

DTM-Boss Hans Werner Aufrecht sieht kein Problem darin, die BMW-Forderungen zu erfüllen: "Ich bin überzeugt, dass wir mit dem neuen Reglement auf dem richtigen Weg sind."

Gerade dem Aspekt der Kostenreduzierung stelle sich die DTM mit großer Verantwortung, betont "HWA".

In der Formel 1 hat BMW seinerzeit mehr als 200 Millionen Euro pro Jahr ausgegeben, in der DTM will man mit einem Zehntel über die Runden kommen.

Parallel habe man die Weichen für eine vernünftige Internationalisierung der DTM gestellt. Aufrecht: "Das Finale in diesem Jahr in Shanghai ist ein erster wichtiger Schritt im asiatischen Markt."

1992 letztes Rennen

In der DTM war BMW zuletzt 1992 am Start. Dreimal haben die Münchner den Titel gewonnen, durch Volker Strycek (1984), den Belgier Eric van der Poele (1987) und den Italiener Roberto Ravaglia (1989).

Insgesamt brachte es BMW in dieser Serie auf 50 Siege, 30 Pole Positions und 64 schnellste Rennrunden.

Bis einschließlich 1992 erreichten BMW M3-Piloten international mehr als 1500 Einzelsiege und mehr als 50 internationale Titel.

Wieder drei Hersteller

Durch die Rückkehr von BMW wären in der DTM ab 2012 erstmals seit dem Ausstieg von Opel Ende 2005 wieder drei Hersteller vertreten.

Für BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Draeger ist die DTM-Rückkehr ein logischer Schritt.

"Sport- und Tourenwagen aus dem Hause BMW haben überall auf der Welt Erfolge errungen und das sportliche Profil der Marke von Beginn an maßgeblich geprägt. Für uns ist es deshalb nur konsequent, nach dem Abschied aus der Formel 1 zu unseren Wurzeln zurückzukehren und das Engagement in dieser Disziplin auszuweiten."

Was aus dem BMW-Engagement in der Tourenwagen-WM über die Saison 2010 hinaus wird, steht derzeit in den Sternen und entscheidet sich ebenfalls erst im Jahresverlauf.

Konkurrenz freut sich auf BMW

Die bisherigen Alleinunterhalter Audi und Mercedes heißen den künftigen Konkurrenten bereits willkommen.

"Wir freuen uns über die neue Konkurrenz aus München, die ohne Zweifel sehr stark sein wird. Mit seiner langen und erfolgreichen Tradition im Tourenwagensport und vor allem in der DTM passt die Marke BMW perfekt in die Serie hinein", sagt Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich.

Mercedes-Sportchef Norbert Haug sieht auch das eigene Engagement bestätigt. `Mercedes tat gut daran, über Jahr und Tag an der DTM festzuhalten. Dass BMW jetzt kommen will, unterstreicht das nur und freut uns sehr", sagte Haug.

Rosige Zukunft

Hans Werner Aufrecht träumt bereits von einer rosigen Zukunft.

"BMW in der DTM - darauf warten die DTM-Fans ja seit geraumer Zeit. Wir haben stets versucht, unsere Zukunftsstrategien auf den Einstieg weiterer Hersteller auszurichten. Das scheint jetzt Früchte zu tragen", sagt der "Erfinder" der populärsten Tourenwagenserie Europas.

Danner: "Bin skeptisch"

Es gibt aber auch schon erste kritische Stimmen. "Ich sehe die Ankündigung von BMW sehr skeptisch, denn es ist keine offizielle Zusage, sondern eine an Bedingungen geknüpfte Absichtserklärung", sagte Christian Danner.

Der ehemalige BMW-DTM-Pilot und heutige Formel-1-Experte von "RTL" hat die Befürchtung, dass BMW durchaus nein sagen könnte, wenn die Bedingungen nicht erfüllt würden.

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