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Timo Scheider wurde 2008 und 2009 Meister in der DTM © getty

Auf dem Flugplatz probt Audi für den Norisring. Der Sportchef ahnt, worauf es ankommt, und fordert Geduld mit Scheider ein.

Köln - Nach einem Geheimtraining auf einem Flugplatz will Audi in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) endlich zum Höhenflug ansetzen.

Der Zeitpunkt dafür könnte nicht besser gewählt sein.

Drei Wochen nach dem Dreifach-Triumph von Le Mans steht für die Ingolstädter am Sonntag (14 Uhr) das DTM-Heimspiel auf dem Nürnberger Norisring auf dem Programm.

Für Audi läuft es in der DTM in diesem Jahr noch nicht richtig rund. Rivale Mercedes gewann zwei der bisherigen drei Saisonrennen und feierte zuletzt auf dem EuroSpeedway Lausitz einen überlegenen Dreifach-Erfolg.

Audi unter Druck

"Wir haben aus diesen Rennen aus verschiedenen Gründen nicht so viel herausgeholt, wie wir uns das vorgestellt haben", sagt Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich.

Audi ist auf dem Norisring stark unter Druck. Mehr als 100.000 Zuschauer, viele davon Audi-Mitarbeiter, werden zum DTM-Rennen des Jahres erwartet. Deshalb waren die Vorbereitungen laut Ullrich auch intensiver als sonst.

"Wir waren auf dem Flugplatz in Cochstedt in der Nähe des Lausitzrings und haben dort die Besonderheiten des Norisrings simuliert", sagt der Audi-Sportchef.

Spezielles Rennen

Jede Kleinigkeit wurde geprobt, nichts dem Zufall überlassen.

Für Ullrich ist der Norisring ein ganz spezielles Rennen, nicht nur wegen der unvergleichlichen Atmosphäre. Auf dem gerade mal 2,3 km langen Stadtkurs kommt es auf andere Dinge an als auf den meisten anderen Rennstrecken.

Ullrich: "Es geht in erster Linie um Traktion, Topspeed und die Bremsen. Und aufgrund der kurzen Strecke muss man in der Lage sein, noch schneller strategisch zu reagieren - zum Beispiel bei einem Safety-Car-Einsatz."

Le-Mans-Sieg beflügelt

Ullrich hofft, dass der Le-Mans-Sieg die DTM-Fahrer beflügelt. Der Erfolg in Frankreich sei positiv für die ganze Audi-Mannschaft gewesen.

"Es hat sich wieder einmal gezeigt, was man erreichen kann, wenn man mit höchster Konzentration und perfekter Vorbereitung einen Null-Fehler-Job macht", sagt der Audi-Sportchef.

Genau das sei auch am Wochenende auf dem Norisring gefragt.

Scheider muss sich steigern

Vor allem Meister Timo Scheider muss langsam in die Gänge kommen, wenn er das DTM-Kunststück schaffen will, als erster Fahrer den dritten Titel in Serie zu gewinnen.

Ullrich steht weiter zu seinem Top-Mann: "Jeder, der ihn abschreibt, begeht einen großen Fehler." Der Sportchef verweist darauf, dass Scheider seit diesem Jahr einen neuen Fahrzeugingenieur habe, und fordert Geduld:

"Es braucht etwas Zeit, bis diese neue Kombination so perfekt funktioniert wie die alte."

Statistik spricht für Mercedes

In der DTM-Wertung liegt Scheider mit nur acht Punkten auf dem siebten Platz. Ganz vorne sind gleich drei Mercedes-Piloten: Bruno Spengler (Kanada/26 Punkte), Paul di Resta (Schottland/17) und Gary Paffett (Großbritannien/16).

Bester Audi-Pilot ist auf Rang vier der zweimalige DTM-Champion Mattias Ekström (Schweden/13), der in Valencia den bislang einzigen Audi-Sieg in dieser Saison holte.

Auch die Statistik auf dem Norisring spricht klar für Mercedes. Die Stuttgarter sind seit 2002 im "Audi-Land" ungeschlagen, letzter Audi-Sieger beim Heimspiel war vor acht Jahren der Franzose Laurent Aiello.

DTM ohne Mercedes undenkbar

Am Sonntag soll die lange Durststrecke enden. "Wir sind in den letzten Jahren unserem großen Ziel - dem Heimsieg auf dem Norisring - jedes Mal einen kleinen Schritt näher gekommen. Im vergangenen Jahr hätten wir es fast geschafft", sagt Ullrich.

Vielleicht lässt Audi dem Rivalen aber auch absichtlich etwas die Vorfahrt, da sich hartnäckig Gerüchte halten, dass Mercedes bei weiter ausbleibendem Erfolg das DTM-Engagement beenden und sich ganz auf die Formel 1 konzentrieren könnte.

Derartige Gedankenspiele weist Ullrich entschieden zurück: "Audi steht mit Mercedes in einem harten Wettbewerb - auf der Rennstrecke genauso wie im Markt. Wir haben keine Geschenke zu verteilen."

Ein bisschen Angst vor einem möglichen Mercedes-Rückzug hat der Audi-Sportchef aber doch: "Ich denke, es geht mir wie den Fans: Eine DTM ohne Mercedes wäre nur schwer vorstellbar."

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