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Timo Scheider verteidigte 2009 erfolgreich seinen DTM-Titel © getty

Der DTM-Champion Timo Scheider will sich vor dem Rennen am Nürburgring nicht mit der Rolle als Hinterherfahrer abfinden.

Köln - Zwei Jahre war Timo Scheider das Maß aller Dinge in der DTM.

Doch plötzlich läuft es bei dem Audi-Piloten nicht mehr rund, der Meister fährt dem Feld hinterher.

Die Hoffnung auf den historischen Titel-Hattrick hat der 31-Jährige dennoch nicht aufgegeben.

"Ja, das ist noch möglich. Die letzte Chance ist wirklich erst vergeben, wenn es mathematisch keine Möglichkeit mehr gibt, den Titel zu gewinnen", sagte Scheider vor dem fünften Saisonrennen am Sonntag (14 Uhr) auf dem Nürburgring (DATENCENTER: DTM-Rennkalender).

"Bis zum Schluss probieren"

Scheider braucht jetzt Siege, denn mit nur zwölf Punkten belegt er in der Gesamtwertung gerade mal den siebten Rang, und bei sieben ausstehenden Rennen werden noch maximal 70 Punkte vergeben.

"Ich bin aber Realist genug zu erkennen, wie schwierig das werden wird. Aber ich werde es bis zum Schluss probieren", sagt der Audi-Star.

Hinter Scheider liegen einige turbulente Wochen. Neben privaten Problemen musste er sich auch als Rennfahrer auf eine neue Situation einstellen: "Unsere Saison startete mit einer neuen Kombination aus Reifen, Dateningenieur, Renningenieur und Fahrer."

Respekt vor Mercedes

Als Ausrede will Scheider das aber nicht verstanden wissen, auch wenn er vorrechnet: "Selbst wenn man dadurch nur zwei Zehntel pro Runde einbüßt: Das wirkt sich in der Startaufstellung und im Rennen aus."

20 Punkte liegt Scheider im Titelrennen hinter Spitzenreiter Bruno Spengler (Kanada) zurück. Auf Rang zwei folgt in Jamie Green (Großbritannien) ein weiterer Mercedes-Pilot. Auch Scheider hat im Kampf um die Fahrer-Krone großen Respekt vor den DTM-Silberpfeilen.

Es könne erstmals seit drei Jahren passieren, dass der Meister aus dem Lager von Mercedes kommt, sagt der Titelverteidiger: "Aber wir wollen alles tun, dass es am Ende doch ein Audi-Fahrer wird."

Doppelt motiviert

Gerade auf dem Nürburgring ist Scheider doppelt motiviert. "Es ist meine Heimstrecke, da ich aus Braubach am Rhein stamme. Viele Freunde und Bekannte kommen vorbei. Deshalb ist es immer ein ganz besonders schönes Gefühl, dort zu starten", meint der 31-Jährige.

Der Eifelkurs habe Audi immer gut gelegen, sagt Scheider, der im Vorjahr Platz zwei beim DTM-Rennen auf dem Nürburgring belegte.

Am Scheideweg

Für Wolfgang Ullrich ist die Motivation nach der vierwöchigen DTM-Sommerpause besonders groß. Der Audi-Sportchef weiß, dass sein Team in der Eifel am Scheideweg steht.

Sollte Rivale Mercedes auch auf dem Nürburgring gewinnen, dürfte die Audi-Titelserie in diesem Jahr wohl enden.

Deshalb fordert Ullrich von seinen Fahrern: "Wir müssen unsere Möglichkeiten umsetzen, um maximale Punkte zu erreichen. Daran werden wir alle gemeinsam arbeiten."

"Teamorder nicht zu hundert Prozent kontrollierbar"

Wie in der Formel 1 ist eine Stallregie auch in der DTM strikt verboten, doch im Ernstfall sieht das anders aus.

Sollte Scheider keine eigene Titelchance mehr haben, würde er vermutlich seinen Markenkollegen Mattias Ekström (Schweden) unterstützen, der auf Rang drei bestplatzierter Audi-Pilot ist.

Das schimmert jedenfalls in Aussagen Scheiders zum Thema durch: "Eine Teamorder ist nie zu hundert Prozent kontrollierbar oder beweisbar. Wenn man als Rennfahrer seine Unterschrift unter einen Vertrag gesetzt hat, stellt man sich in den Dienst einer Sache. Man gibt etwas, aber man bekommt dafür auch etwas."

Auch wenn viel auf dem Spiel steht, will Scheider im Kampf um den Titel nicht so brutal fahren wie zuletzt Michael Schumacher in der Formel 1. "Für den Erfolg tue ich alles - solange es fair bleibt. Ich bin auch schon in der Vergangenheit vor unfairen Mitteln zurückgeschreckt", sagt der Audi-Pilot..

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