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Teamchef Hans Jürgen Abt (r.) "tauft" Gesamtsieger Timo Scheider © imago

Die DTM feiert nach Scheiders Triumph eine tolle Saison. Doch Mercedes legt im Streit mit "Rüpel" Ekström nach.

Hockenheim - Spannung bis zum Schluss, frischer Wind durch Ralf Schumacher und in Timo Scheider ein neuer deutscher Champion - die Deutsche Tourenwagen-Masters (DTM) hat sich auf hohem Niveau etabliert.

"Wir sind sehr zufrieden. Es war eine perfekte und tolle Saison, wenn ich sehe, was wir für Highlights hatten", sagte Hans Werner Aufrecht, Chef der DTM-Dachorganisation ITR, räumte allerdings auch ehrlich ein: "Es gab aber auch Downs."

Vor allem bei den Auslandsrennen besteht noch Nachholbedarf, was sich aber zumindest in Frankreich ab 2010 durch einen dritten Hersteller verbessern könnte.

Denn in Citroen steht die erhoffte Ergänzung zu Audi und Mercedes vor dem Einstieg.

Franzosen mit ART-Team in die DTM?

Die Franzosen wollen nach "sid"-Informationen offenbar zunächst mit dem in Formel 3 und GP2 erfolgreichen ART-Team in die DTM kommen und ein Jahr später dann werksseitig einsteigen.

"Ich glaube nicht, dass ein dritter Hersteller den Sport verbessert. Aber es würden mehr Zuschauer angezogen, da jede Marke auch ihre eigenen Fans hat. So ließen sich die Zuschauerzahlen am einfachsten steigern", sagte Aufrecht, der sich zu einem bevorstehenden Citroen-Einstieg nicht äußern wollte.

Allerdings ist bekannt, dass sich Verantwortliche des Konzerns schon selbst vor Ort ein Bild von der DTM gemacht haben.

Schumacher sorgt für Publicity

Im Gegensatz zu negativen Beispielen im Ausland sind zu Hause in Deutschland die Zuschauerzahlen dank "marktgerechter Preise und eines perfekten Produktes mit gutem Gegenwert" (Aufrecht) noch einmal gestiegen - mit dem Besucherrekord von 165.000 Fans beim Finale in Hockenheim als Krönung.

Auch das Medieninteresse wuchs - durch den Einstieg des früheren Formel-1-Piloten Schumacher, von dem allein rund 70 Prozent der Artikel handelten.

Umso wichtiger wäre es, wenn der Kerpener auch im nächsten Jahr dabei wäre. "Für die Serie wäre es eine große Unterstützung, wenn er weiterfährt", sagte Aufrecht: "Wenn wir Jungs haben, die für so ein Echo sorgen, können wir nicht sagen, wir brauchen sie nicht."

Entscheidung steht noch aus

Die Entscheidung, ob der sechsmalige GP-Sieger nach seinem "Lehrjahr" in einem Jahreswagen, in dem er als Achter auf dem Nürburgring und Siebter in Barcelona zweimal in die Punkte fuhr, der DTM treu bleibt, steht aber noch aus.

"Ich kann alleine nicht beurteilen, ob es Sinn macht, weiterzumachen", sagte Schumacher. Da müsse man die Chefs des Mercedes-Werksteams HWA befragen. Ihm habe es allerdings "sehr viel Spaß gemacht". "Man hat hier die Basis des Motorsports nicht verlassen. Das ist das, was ich genieße", meinte "Schumi II".

"Wir hatten uns ausdrücklich vorgenommen, darüber nach Ende der Saison zu sprechen", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug zur Zukunft seines prominentesten Piloten: "Ich gehe aber davon aus, dass er weiterfährt."

Aktuelles Auto als Voraussetzung

Hauptvoraussetzung für ein weiteres Engagement des 33-Jährigen dürfte allerdings sein, dass er eins der vier aktuellen Autos erhält.

Da bekommt Mercedes jedoch durch den Rücktritt von DTM-Rekordchampion Bernd Schneider und den möglichen Wechsel von Vize-Meister Paul di Resta in die GP2-Serie Kapazitäten.

"Heute machen wir erst einmal Party"

Möglicherweise müssen sich die DTM-Fans bei der Suche nach ihrem neuen Liebling nur von einem "n" verabschieden. Audi-Pilot Timo Scheider wollte nach seinem lang ersehnten Triumph aber noch nicht an die Zukunft denken.

"Morgen können wir über alles reden. Heute machen wir erstmal Party", sagte der 29-Jährige und gab bis in die frühen Morgenstunden so viel Gas wie auf der Rennstrecke.

Streit mit Ekström geht weiter

Die Party war den Mercedes-Leuten allerdings nicht nur durch die Niederlage, sondern durch einen speziellen Vorfall gehörig verdorben. Sportchef Norbert Haug wetterte öffentlich gegen Audi-Pilot Mattias Ekström, der Scheider-Verfolger Paul di Resta in die "Karre gefahren war".

Erst hatte di Resta noch vor dem TV-Mikrofon behauptet, er wäre durch den Vorfall im Kampf gegen Scheider nicht benachteiligt gewesen. Doch auf der folgenden Pressekonferenz änderte der Brite seine Meinung und lederte auch gegen Ekström los. War er von Haug gebrieft?

"Haug ist ein schlechter Verlierer"

Di Resta: "Ich habe mir dabei klar das Auto beschädigt." Ekströms Kommentar: "Da hat er wohl mit seinen Kollegen von Mercedes gesprochen und die haben ihn dann zum Schimpfen aufgefordert."

Der Schwede harkte dann gegen Haug nach: "Der ist ein schlechter Verlierer." Haug ließ sich nicht lange bitten und konterte: "Wenn jemand meint, er müsse mich als schlechten Verlierer bezeichnen, dann soll er das tun. Es haben viele Leute gesehen, was los war."

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