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Alexandre Premat war bereits 2007 in einen schweren DTM-Unfall verwickelt © getty

Alexandre Premat bleibt dank seines sicheren Rennwagens fast unversehrt. Mercedes-Sportchef Haug sieht sich als Initiator.

Adria - Mit einer Halskrause und einem Brummschädel saß Bruchpilot Alexandre Premat am Morgen nach seinem Horror-Unfall beim DTM-Rennen in Adria am Frühstückstisch.

Dass der Franzose noch lebt, hat er nicht nur einem Schutzengel zu verdanken, sondern in erster Linie wohl dem stabilen Sicherheitskäfig seines Audi A4.

"Wir legen beim Reglement größten Wert darauf, die maximalen Sicherheitselemente eines Rennwagens im DTM-Auto zu vereinigen", sagte Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich, dem beim Anblick des Unfalls der Atem stockte.

"Das sah schrecklich aus. Ich war heilfroh war, als ich später mit Alexandre sprechen konnte und sicher war, dass ihm nichts Schlimmes passiert ist", so Ullrich.

Nur einen Nachmittag im Krankenhaus

In der Tat: Kaum jemand hätte es bei den Unfallbildern für möglich gehalten, dass sich Premat selbstständig aus dem total zerstörten Phoenix-Audi A4 befreien kann.

Zur Sicherheit wurde Premat anschließend in Adria ins Krankenhaus gebracht und eingehend untersucht. (DATENCENTER: Rennkalender)

Es grenzt an ein Wunder, dass der 28-Jährige das Hospital am Sonntagabend nur mit einer Halskrause "bewaffnet" wieder verlassen konnte.

Prellungen und eine Gehirnerschütterung

Am Montag durfe Premat wieder nach Hause fliegen, mit der Gewissheit, dass er definitiv keine ernsthaften Verletzungen davongetragen hat.

Die Auswertung der Kernspintomographie ergab, dass er lediglich starke Prellungen sowie eine Gehirnerschütterung, aber keine Knochenbrüche erlitten hat.

"Das war schwerste Unfall meiner Karriere. Ich danke Audi für dieses sichere Auto. Vor allem in Sachen Überschlagsicherheit und Seitenaufprallschutz wurde viel verbessert", sagte Premat.

Fahrgastzelle bleibt intakt

Nach einem Einschlag in die Leitplanke war Premats Auto meterhoch in der Luft aufgestiegen, hatte sich danach mehrfach überschlagen und war schließlich an der Streckenbegrenzung förmlich zerschellt.

Der Audi wurde völlig auseinandergerissen, nur die Fahrgastzelle war noch intakt.

Der fürchterlich aussehende Abflug machte deutlich, dass das Sicherheitskonzept der DTM dem der Formel 1 in nichts nachsteht.

Die Außenhaut der DTM-Boliden besteht aus hochfestem, aber extrem leichtem Kohlefaser - dem Allzweck-Werkstoff im professionellen Automobilsport.

Ausstieg in sieben Sekunden

Sicherheitsstrukturen wie ein Formel-1-ähnliches Monocoque und Crash-Boxen aus Carbon sorgen neben dem obligatorischen Sicherheitskäfig, einem speziellen, schwer entflammbarem Rennsitz, Sechs-Punkt-Gurten und dem HANS-System (Kopf- und Nackenschutz) für einen absolut sicheren Arbeitsplatz der DTM-Piloten.

Das Cockpit, die Sicherheitszelle und die Überrollvorrichtung müssen so gestaltet sein, dass der Fahrer aus seiner normalen Sitzposition heraus das Fahrzeug innerhalb von sieben Sekunden durch die Fahrertür und innerhalb von neun Sekunden durch die Beifahrertür verlassen kann.

Haug als Initiator

"Die Tatsache, dass die heutigen DTM-Autos diese Kohlefaser-Sitzkisten haben, ist von uns initiiert worden", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug im Rückblick auf die stetige Entwicklung des Reglements für das Comeback der "neuen" DTM ab der Saison 2000.

Von den rund 800.000 Euro, die ein DTM-Auto kostet, entfällt rund ein Drittel auf die Sicherheitsausstattung.

Übrigens war Premat auch am letzten schweren Unfall in der DTM beteiligt, als er am 22. April 2007 beim Saisonauftakt in Hockenheim in den Abt-Audi A4 des quer über die Strecken schleudernden Markenkollegen Tom Kristensen gerast war.

Neues Auto zum Saisonfinale

Damals hatten die Ärzte bei Premat den Riss eines Lendenwirbels diagnostiziert.

Für Premat, der von der Rennleitung als Unfallverursacher entlarvt, aber lediglich verwarnt wurde, muss nun in Windeseile ein völlig neues Auto aufgebaut werden.

Dafür hat das Audi-Werksteam Phoenix Racing aus Meuspath in der Eifel exakt bis zum 11. November Zeit.

Denn einen Tag später werden die DTM-Boliden per Flugfracht nach Shanghai geschickt, wo am 28. November erstmals das Saisonfinale der DTM über die Bühne geht.

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