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Gary Paffett hat als Drittplatzierter neun Zähler Rückstand auf Spitzenreiter Spengler © imago

Vor dem Showdown werden Nägel und Scherben in Schanghai eiligst beseitigt. Dennoch rast ein Mercedes frontal in die Reifen.

Schanghai - Erst viel Schmutz, dann reichlich Schrott: Die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) wirbelte bei der ersten Ausfahrt vor dem ersten Saisonfinale in Schanghai mächtig Staub auf.

Nur wenige Minuten bevor das erste Auto am Freitag über die Rennstrecke fuhr, glich der Kurs im Herzen der 20-Millionen-Metropole noch einer Baustelle. (Dreikampf der Sterne in Schanghai)

Gleich fünfmal musste der Start verschoben werden. Als es dann endlich losging, schockte ein Unfall die DTM-Bosse und sorgte für den Abbruch des ersten Trainings.

Engel kracht in die Reifen

Mercedes-Pilot Maro Engel hatte nach einer Mauerberührung keine Chance mehr, den Frontalaufprall mit seiner C-Klasse in eine Reifen-Barriere zu verhindern.

Der Münchner kletterte kurz darauf selbst aus seinem Auto und gab Entwarnung: "Mir geht es gut, ich bin froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist."

Das Auto des 25-Jährigen wurde schwer beschädigt. Ob es bis zum Rennen am Sonntag (Start 8.20 Uhr MEZ) repariert werden kann, wird sich erst nach einer Nachtschicht seines Teams zeigen.

Spengler nur Sechstschnellster

Die erste Bestzeit auf dem 2,465 km langen Stadtkurs erzielte Audi-Pilot Martin Tomczyk (Rosenheim). Zweitschnellster war der Brite Paul di Resta, der damit Bester der drei Mercedes-Titelkandidaten war, vor seinem Landsmann und Rivalen Gary Paffett.

DTM-Spitzenreiter Bruno Spengler belegte den sechsten Platz. Der Kanadier, dem ein zweiter Platz zum ersten DTM-Titelgewinn reichen würde, führt die Gesamtwertung mit 66 Punkten vor di Resta (63) und Paffett (57) an.

Noch bis um 8.30 Uhr Ortzeit war der ganz normale Straßenverkehr über die Rennstrecke im Stadtteil Pudong gerollt, erst danach sperrten die Veranstalter mit einem riesigen Polizeiaufgebot die Anlage weiträumig ab. (DATENCENTER: Rennkalender)

Nägel und Glas eiligst beseitigt

Die Startampeln für das sogenannte Roll Out standen lange auf Rot, der geplante Start wurde um 100 Minuten von 11.35 auf 13.15 Uhr verschoben, dann heulten schließlich die Motoren.

In der Not hatten sogar Teammanager und Mechaniker von Audi und Mercedes zu den Besen gegriffen. Mit vereinten Kräften kehrte der DTM-Tross so gut es ging Nägel, Glas und sonstigen Dreck vom Asphalt, der durch die Aufbauarbeiten entstanden war.

Doch die Strecke war in der Kürze der Zeit natürlich nicht vollständig vom Schmutz zu befreien, vor allem bei der Boxeneinfahrt verschwanden die Autos förmlich unter einer Staubwolke.

[kaltura id="0_5qqp0e6j" class="full_size" title="Horror Crash ohne Folgen"]

5500 Arbeiter, 24 Stunden am Tag

Nach nur drei Minuten war das Abenteuer DTM schon wieder vorbei: Nachdem sich Werbebanner rund um die Strecke gelöst hatten, wurde die Session per Roter Flagge gestoppt.

Emsige Helfer machten kurzen Prozess und rissen sämtliche PR-Transparente von den Zäunen. Nach dem Neustart lief zunächst alles glatt - bis Engel vier Minuten vor dem Trainingsende den Abflug machte.

Dass die Chinesen das Projekt DTM überhaupt realisieren konnten, grenzt fast an ein Wunder. Denn die Aufbauarbeiten begannen erst nach dem Ende der EXPO in Schanghai am 31. Oktober. Mehr als 5500 Arbeiter schufteten seitdem in mehreren Schichten rund um die Uhr, um das DTM-Finale zu sichern.

Ein unverzichtbarer Markt

Der Materialaufwand war ebenfalls enorm: So waren 200 Lkw nötig, um die Beton-Barrieren an die Rennstrecke zu transportieren.

Die Automobilhersteller sehen die Zukunft der DTM in China, das belegen die Verkaufszahlen. "China ist für Audi ein ganz besonders wichtiger Markt, es ist inzwischen unser größter Einzelmarkt und einer der am schnellsten wachsenden Märkte", sagt Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich.

Somit sei es ganz wichtig, mit der DTM auch ein Rennen in China zu haben: "Wir haben sehr intensiv daran gearbeitet, dass es stattfindet."

Bald auch rund ums "Vogelnest"?

Und der chinesische Traum ist längst noch nicht vorbei. DTM-Boss Hans Werner Aufrecht will schon bald zwei Rennen im Reich der Mitte austragen; neben Schanghai hofft "HWA" dann auf ein Gastspiel in der Hauptstadt Peking, vielleicht ein Spektakel rund ums "Vogelnest".

Für Mercedes-Star Ralf Schumacher wären zwei DTM-Rennen in China eine gute Idee. "Wir wollen ja eine wachsende DTM. Da sollte man sich dem Ausland nicht verschließen", sagte der frühere Formel-1-Pilot: "Gerade China ist ein extrem wichtiger Markt für die Premiumhersteller."

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