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Lange ist's her: Joachim Winckelhock 1992 im BMW vor zwei Mercedes-Piloten © imago

Der Einstieg eines weiteren Herstellers könnte den Kampf um die Krone spannender machen. Doch der bayerische Automobil-Konzern, 1993 ausgestiegen, winkt ab: "Passt nicht ins Programm".

Von Marc Ellerich

München - Seit drei Jahren ist der Kampf um die DTM-Krone ein einsames Kopf-an-Kopf-Rennen zweier Teams: Mercedes und Audi machen die Meisterschaft unter sich aus.

Eine dritte Kraft, die diesem bisweilen arg monochromen Bild neue Farbe verleihen könnte, ist seit dem Ausstieg von Opel Ende 2005 nicht in Sicht.

Im Vergleich zum direkten Konkurrenten im Tourenwagen-Sport, der WTCC, wirkt die DTM daher wie eine Art Monokultur, selbst wenn sie Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug als "erstklassige Auftrittsbühne" preist.

In der Konkurrenzserie WTCC hingegen tummeln sich mit Alfa Romeo, Seat, BMW und Chevrolet gleich vier große Marken.

Ekströms Appell

Fans und auch Beteiligte registrieren das und sähen in der DTM durchaus lieber einen Dreikampf, wenn nicht sogar ein Quartett am Werk.

Jüngst richtete sogar der aktuelle DTM-Champion Mattias Ekström einen flammenden Appell an mögliche Konkurrenten.

"Ich glaube, dass ich als Fahrer oder auch Audi gern auch gegen andere Hersteller fahren würde", sagte der Schwede im "Bayerischen Fernsehen": "Sie sind herzlich eingeladen, in die DTM zu kommen. Ich würde mich freuen, wenn wir dreißig Autos in der Startaufstellung hätten und die Konkurrenz noch härter wäre."

"Konkurrenz stets willkommen"

Auch Haug sagt: "Konkurrenz ist uns stets willkommen."

Doch nach wie vor gibt es keinen dritten DTM-Starter, dabei gäbe es durchaus interessante Varianten.

Zum einen wird seit Januar immer wieder über den Einstieg der Toyota-Tochter Lexus spekuliert, seit diese auf der Motorshow in Tokio einen DTM-tauglichen Prototypen vorführte.

Für besonders reizvoll halten viele Beobachter allerdings einen Einstieg von BMW.

Theissen sagt ab

Doch der Münchner Konzern, der sich derzeit in der Formel 1 auf der Überholspur befindet, zeigt seit seinem Ausstieg 1993 kein Interesse an einer Rückkehr in die populäre Serie.

Und daran wird sich laut BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen so schnell auch nichts ändern.

"Die DTM ist eine spektakuläre Rennserie mit tollen Autos", sagte der promovierte Ingenieur laut "Motorsport-Total": "Sie passt nur nicht in unser Programm."

BMW mit "anderem Ansatz"

Die DTM sei für den bayerischen Autobauer nicht die richtige Rennserie, "weil wir nach einem anderen Ansatz Tourenwagensport betreiben".

"Wir entwickeln ein Auto, das wir selbst einsetzen, das darüber hinaus aber auch immer ein Kundenauto sein muss", erklärte Theissen die Verweigerung der Weiß-Blauen: "Es muss möglichst weltweit einsetzbar sein und entsprechend breiten Absatz finden."

Deshalb sei das BMW-Projekt in der WTCC rentabel.

"Das Niveau ist so hoch"

Ob es noch andere Gründe als die Vermarktung für die ablehnende Haltung der Bayern gibt, bleibt Spekulation.

Zumindest gilt, was Audis Sportchef Wolfgang Ullrich und auch Mercedes-Sportchef Norbert Haug über die Serie denken.

"Das Niveau ist so hoch, dass man nicht auf Anhieb Rennen gewinnt", sagt Ullrich, und Haug ergänzt: "Unauffällig verlieren kann man dort nicht. Dafür ist die Medienpräsenz zu groß."

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