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Ralf Schumacher hat Lust aufs Fahren, aber auch Bedenken vor dem DTM-Debüt © imago

Bei seinem DTM-Debüt könnte "Schumi II" wie sein Team zur "Mücke" werden. Er hat Respekt vor Rangeleien, Kurven und Damen. Der Arbeitgeber ist noch skeptisch.

Von Conny Konzack

München - Ex-Kollegen wie Heinz-Harald Frentzen oder Mika Häkkinen vertrauen ihm und glauben sogar an spätere Siege.

Doch der eigene Arbeitsgeber ist noch skeptisch ? und vertraut ihm nur einen Gebrauchtwagen von 2007 an:

Wenn Ralf Schumacher am Sonntag beim ersten Lauf zur attraktiven Deutschen Tourenwagen-Masters (DTM) in Hockenheim zu seinem ersten Rennen im AMG-Mercedes der C-Klasse antritt, wird er unter den 21 Piloten wohl erstmal dem Namen seines Berliner Teams alle Ehren machen - das Team heißt "Mücke ".

"Mit harten Bandagen"

Schumacher, im Februar endgültig aus dem illustren Kreis der Formel 1-Piloten ausgeschieden, weil kein Team den sechsmaligen Grand Prix-Sieger mit 15-Mio-Toyota-Gehalt mehr engagieren wollte, gibt selbst zu: "Ich werde wohl erstmals wie ein Lehrling Erfahrungen machen müssen."

In der Tat: Auch andere Ex-Formel-1-Piloten wie Keke Rosberg, Jean Alesi, Frentzen oder gar der zweimalige Weltmeister Häkkinen hatten allesamt erhebliche Probleme, die 470 PS-Boliden zu bändigen.

Auch Ralf Schumacher weiß schon: "Die Jungs in der DTM gehen mit harten Bandagen vor und Berührungen, die in der Formel 1 tödlich enden können, sind da an der Tagesordnung. Daran werde ich mich erstmal gewöhnen müssen."

Gerne weiter auf dem Catwalk

Ungewohnt bescheidene Worte des ewigen Spaßmachers.

Der 32-Jährige geht nach außen hin unverhofft lässig damit um, nicht mehr im großen Grand-Prix-Zirkus zu arbeiten, gibt aber im Freundeskreis zu: "Ich wäre gerne noch in der Formel 1 weitergefahren."

Und seine extroviertierte Ehefrau Cora wäre gerne weiterhin im Fahrerlager auf dem Catwalk Schau gelaufen...

Die Lust aufs Fahren

Was reizt Ralf Schumacher so an der DTM? "Ganz ehrlich: Ein Rennfahrer wird ungemütlich und nervös, wenn er nur zuhause sitzt. Man fühlt sich in seiner eigenen Haut unwohl. Und nach den ersten Tests bei Mercedes, die ich noch als Spaß angesehen hatte, bekam ich auf einmal wieder unheimlich viel Lust aufs Fahren."

Schumacher kennt die Unterschiede zwischen den beiden Rennserien F1 und DTM: "Das Anbremsen ist am schwierigsten, weil man im Tourenwagen ja nicht sieht, ob die Räder blockieren. Außerdem ist die sogenannte Idealline anders: Die schwereren DTM-Autos musst Du runder und präziser als in der Formel 1 fahren."

Respekt vor den Damen

Rennen fahren müsste er eigentlich nicht mehr: Mit einem eigenen Flug-Service (u.a. für Formel 1-Teile), einer Beteiligung am Bootsbau und Engagements in Sachen Immobilien gibt er auch neben der Piste Vollgas.

"Und die Entscheidung für die DTM hatte nie etwas mit Geld zu tun ", versichert der 32jährige, der schon vor dem Saisonstart orakelt: "Ich werde am Anfang wohl auch von einigen Damen verblasen werden."

Daumen drücken für die Silberpfeile

Kann sein, denn sowohl Markenkollegin Susie Stoddart als auch Katherine Legge (Futurecom-Audi) fahren 2008er-Modelle.

Die neue Bescheidenheit des jovialen Rheinländers. Seine einzige Verbindung zur Formel 1: Daumen drücken - jetzt für Mercedes-McLaren.

Aber auch das Team ist in der Formel 1 momentan eher eine "Mücke".

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