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Rahel Frey belegte 2009 Platz sieben im Formel -3-Cup © imago

Rahel Frey ist die einzige Frau im Audi-Team für die Saison 2011. Im Interview schildert sie ihren schwierigen Weg in die DTM.

Von Andreas Kloo

München - Rahel Frey hat es geschafft. Die Schweizerin besetzt in der DTM-Saison 2011 ein Cockpit im Audi-Team.

Zusammen mit dem erfahrenen Martin Tomczyk geht sie im Audi Sport Team Phoenix an den Start.

Damit ist sie neben Mercedes-Fahrerin Susie Stoddart die zweite Frau in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft. (DATENCENTER: Der Rennkalender 2011)

Dass sie durchaus den Männern davonfahren kann, bewies sie bereits 2009 im Formel-3-Cup, als ihr ein Sieg und vier Podiumsplätze glückten.

Vor dem Saisonauftakt auf dem Hockenheimring (Qualifying Sa. im TV auf SPORT1) setzt sie sich dennoch erst einmal kleine Ziele.

In ihrem ersten DTM-Jahr will sie nun vor allem erst einmal Erfahrung sammeln: "Für mich ist es zunächst einmal wichtig, dass ich die Rennen zu Ende fahre. Ich hatte bislang nur zwei Testtage, deshalb ist jeder Kilometer für mich Gold wert", sagt die 25-Jährige bei SPORT1 zu ihren Saisonzielen.

Im Interview der Woche beschreibt die 25 Jahre alte Blondine mit dem offenen Wesen den schwierigen Weg, der hinter ihr liegt.

Sie spricht außerdem über die Bedenken ihrer Mutter, die Hindernisse in der Heimat und die fehlende Frischluft in einem DTM-Auto.

SPORT1: Frau Frey, Frauen im Motorsport sind nichts mehr absolut Ungewöhnliches. Bei Ihnen ist es aber doch eine bemerkenswerte Geschichte. Aus einem kleinen Dorf in der Schweiz in die DTM. Wie kam es denn dazu, dass Sie Rennsportlerin wurden?

Rahel Frey: Die Familie gab den Ausschlag. Ich bin durch meinen Vater zum Kart-Sport gekommen. Er ist selbst Go-Kart gefahren und als Kinder waren wir oft an der Strecke mit dabei. Ich wollte mich dann auch einmal selbst auf der Strecke versuchen. Zum 12. Geburtstag durfte ich dann erstmals Indoor-Kart fahren. Seitdem bin ich im Motorsport aktiv.

SPORT1: Gab es auch Leute, die Ihnen am Anfang den Motorsport ausreden wollten, mit dem Hintergedanken: "Das ist doch nichts für dich."

Frey: Meiner Mutter war immer die Schule und meine Ausbildung wichtiger. Mein Vater dagegen war für den Sport. Letztlich hatte das zur Folge, dass ich in beiden Bereichen gefordert wurde. Dafür bin ich heute sehr dankbar. Ich habe das Abitur gemacht - wenn auch mit über 70 Absenzen - aber ich habe es durchgezogen. Heute bedeutet es mir etwas, dass ich auch über eine gewisse Grundausbildung verfüge.

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SPORT1: In der Schweiz gilt bis heute ein Verbot für Rundstreckenrennen. Wie sehr hat Sie dieses Verbot in den Anfängen Ihrer Karriere behindert?

Frey: Wir Schweizer Motorsportler sind gezwungen uns früh ins Ausland zu orientieren. Dafür braucht es einen enormen Durchhaltewillen. Auch die Unterstützung von Sponsoren ist wichtig. Und die investieren dann sozusagen ins Ausland.

SPORT1: Andererseits haben Sie so früh gelernt, Durchhaltevermögen zu beweisen. Profitieren Sie heute davon?

Frey: Ganz klar. Wenn man mal die erste Stufe erfolgreich nimmt, weiß man, was es braucht, um vorwärts zu kommen. Das hat mir auf jeden Fall geholfen, und hilft auch den anderen Schweizer Motorsportlern.

SPORT1: Was haben Sie sich denn vorgenommen für Ihr erstes Jahr in der DTM?

Frey: Für mich ist es zunächst einmal wichtig, dass ich die Rennen zu Ende fahre. Ich hatte bislang nur zwei Testtage, deshalb ist jeder Kilometer für mich Gold wert. Erfahrung sammeln hat für mich Priorität.

SPORT1: Helfen Ihnen denn die erfahreneren Kollegen bei Audi? Können Sie sich bei denen was abschauen?

Frey: Ich kann von allen sehr viel lernen. Sie helfen mir und geben mir Tipps, speziell mein Teamkollege Martin (Martin Tomczyk, Anm. d. Red.). Seine Erfahrung ist für mich unbezahlbar.

SPORT1: Was ist denn vom Fahrerischen her in der DTM neu für Sie im Vergleich zu den bisherigen Rennserien, in denen Sie aktiv waren?

Frey: Die Karbon-Bremsen sind etwas komplett Neues für mich, sie gibt es im Formelsport nur in den höheren Serien. Das ist etwas, worauf man sich als Fahrer erst einmal einstellen muss, ebenso der enorme Downforce eines DTM-Autos. Aber grundsätzlich war die Formel 3 sehr hilfreich für mich. Ein DTM-Auto kommt dem Formel-Wagen schon sehr nahe, auch vom Fahrverhalten her. Was mir allerdings fehlt, ist die Frischluft. Ich habe erstmals ein Dach über dem Kopf, die Autos haben andere Dimensionen. Das muss man erst einmal lernen, abzuschätzen. Aber bei den Tests ist mir das schon ganz gut gelungen. Die Eingewöhnung geht ganz schnell.

SPORT1: Weibliche Sportlerinnen, erst recht in männerdominierten Sportarten, versuchen oft, die Aufmerksamkeit durch Fotoshootings und Auftritten in der High Society zu erhöhen. Kommt so etwas für Sie auch in Frage?

Frey:Grundsätzlich steht für mich der Motorsport klar an erster Stelle. Das ist meine Leidenschaft. Aber das andere gehört natürlich auch dazu. Medienauftritte und Pressekonferenzen sind für mich eine spannende Sache. Das bringt einen vorwärts. Man wird sehr schnell erwachsen dadurch. Das ist doch toll, wenn man sich auch auf diesem Weg etwas weiterentwickeln kann.

SPORT1: Haben Sie denn auch schon Ziele für die weitere Zukunft, die über die DTM hinausgehen? Haben Sie den Traum von der Formel 1 im Hinterkopf?

Frey: Nein, absolut nicht. Ich habe jetzt endlich die Chance in der DTM bekommen. Und die will ich hundertprozentig nutzen. Ich werde alles dafür tun, um in der DTM erfolgreich zu sein. Darauf setze ich meine volle Konzentration. Was danach kommt, davon lasse ich mich überraschen. Ich bin offen für alles. Aber zunächst bin sich sehr dankbar für diese Möglichkeit.

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