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Autorennen bleiben aber seine große Leidenschaft. Nach seiner Formel-1-Karriere wechselt er in die DTM zu Mercedes
Ralf Schumacher geht in seine vierte Saison für Mercedes. 2010 fuhr er drei Punkte ein © imago

Ralf Schumacher geht in sein viertes DTM-Jahr. Auch 2011 jagt er seinem großen Ziel nach. Mercedes macht ihm keinen Druck.

Von Marc Ellerich

München - Am kommenden Sonntag beginnt Ralf Schumacher in Hockenheim seine vierte Saison in der DTM (Qualifying, Sa., 23.15 Uhr im TV auf SPORT1).

Hinter ihm liegen drei Jahre, in denen der ehemalige Formel-1-Star in der Deutschen Tourenwagen Meisterschaft ordentlich zu kämpfen hatte. Schumacher räumt das auf einer Telefonkonferenz mit Journalisten auf SPORT1-Nachfrage unumwunden ein: "So schwer hab ich's mir beim besten Willen nicht vorgestellt." (DATENCENTER: Der DTM-Rennkalender)

Immer noch fehlt Schumacher, der in der Eliteklasse Formel 1 sechs Grands Prix gewann, in der vermeintlich unbedeutenderen DTM der erste Achtungserfolg, eine Platzierung unter den ersten drei Fahrern oder - besser noch - der erste Rennsieg. (DTM-Vorschau: Schumacher will endlich aufs Podest)

Seine besten Resultate sind ein fünfter Platz und eine Pole Position, die er im vergangenen Jahr auf dem Norisring einfuhr.

Schumacher gelassen

Schumacher ist schon oft danach gefragt worden, warum es einfach nicht klappen will mit dem ersten Sieg. Eigentlich müsste ihm die ewige Fragerei nach dem S-Thema längst gehörig auf den Geist gehen, aber der 35-jährige Rheinländer nimmt's mit Gleichmut.

"Ich hätte mir einen Erfolg früher gewünscht", antwortet er auch diesmal: "Ich habe aber sehr schnell lernen müssen, dass es in der DTM ganz eng zugeht."

Das wird es auch in der neuen Saison kaum anders sein, in der Mercedes und Audi ein letztes Mal um die Vormacht in der Rennserie streiten werden, ehe 2012 mit BMW ein dritter Hersteller dazustößt.

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Keine großen Töne

Schumacher hat in seinen drei Jahren hinter dem Steuer des Mercedes-Boliden gelernt, "dass man im Motorsport nicht planen kann". Für dieses Jahr gilt das im Besonderen, weil der Reifenhersteller Hancock die Serie erstmals mit seinen Pneus beliefert.

Schumacher backt auch deshalb für die zehn bevorstehenden Rennen keine allzu großen Brötchen.

Er wolle vorab keine konkrete Platzierungen nennen, sagt Schumacher, im Vorjahr Vierzehnter des Sechzehnter-Feldes. Es ist eine Lehre aus der Vorsaison: "Das habe ich im vergangengen Jahr gemacht und musste immer wieder erklären, warum das noch nicht geklappt hat, und ob ich zufrieden oder unzufrieden bin."

Sein Ziel müsse es sein, "mit meinen direkten Teamkollegen vergleichbar zu sein und immer irgendwo auf deren Niveau mitzufahren".

Kein leichter Plan, das weiß Schumacher natürlich, selbst wenn man wie er nunmehr im dritten Jahr einen neuen C-Klasse-Mercedes lenken darf.

"Fühle mich wesentlich wohler"

Das Ziel, endlich einmal auf dem Siegerpodest zu stehen hat er natürlich nicht aufgegeben. Zunächst aber will Schumacher, trotz fehlender Ergebnisse weiterhin ein Star der Branche, den positiven Trend fortsetzen, der sich ab Mitte der vergangenen Saison andeutete.

"Da ging das in eine wirklich gute Richtung. Ob das die Pole war, Platzierungen im Qualifying. Ich war auch in England auf einem guten Punkterkurs."

Er fühle sich "wesentlich wohler, noch mehr zuhause" im Mercedes-Renner, berichtet Schumacher von seinen Testerfahrungen: "Und ich denke, dass ich jetzt noch besser das abrufen kann, was man braucht, um noch ein Stück weiter vorn mitzufahren."

Kein Druck seitens Mercedes

Sein Arbeitgeber lässt ihn gewähren. "Ralf hat seinen Platz bei uns verdient", sagt Motorsportchef Norbert Haug: "Ich habe in 20 Jahren noch nie zu einem Fahrer gesagt: 'Jetzt gib mal Gas!' Wenn ich einem Rennpferd ins Ohr flüstern muss: 'Jetzt renn mal schön", dann ist etwas falsch. Den positiven Druck macht Ralf sich selbst, so wie jeder andere auch."

Für den Kampf gegen Audi um die Meisterschaft sieht sich Schumacher trotz Haugs warmer Worte nicht zuständig. "Ich glaube nicht, dass das angepeilt werden muss", sagt er: "Es wäre auch sicherlich nicht realistisch."

"Ganz enges Match"

Fürs Siegen bleiben bei den Stuttgartern auch 2011 andere zuständig. Schumacher geht davon aus, dass der Titelkampf mit dem Ingolstädter Konkurrenten "ein ganz enges Match wird".

Obwohl Mercedes 2010 "teilweise doch sehr dominant" gewesen sei, ablesbar am DTM-Titelgewinn des mittlerweile in die Formel 1 abgewanderten Paul di Resta, dem zweiten und dritten Platz von Gary Paffet und Bruno Spengler sowie dem Gewinn der Teamwertung.

"Allerdings wird Audi über den Winter einges getan haben, um das zu verändern", vermutet der Pilot, die Konkurrenz strahle nach den Tests "eine sehr große Selbstsicherheit aus". Schumachers Urteil: "Das wird eine ganz harte Nuss sein, die man erstmal knacken muss."

Haug bleibt vorsichtig

Auch sein Vorgesetzter Haug hält sich auf SPORT1-Nachfrage lieber etwas zurück.

Die triumphale Vorsaison sei "unter all den Jubeljahren, die wir hatten, sicher noch einmal ganz besonders" gewesen, meint der Motorsport-Verantwortliche: "Ich glaube nicht, dass man mit dem realistischen Ziel, so etwas zu wiederholen oder zu toppen, in die Saison gehen kann."

Mercedes wolle sich "so gut und so kompetent wie irgend möglich präsentieren", sagt Haug, bleibt ansonsten aber vage. "Ich glaube, wir müssen aufpassen, dass wir nicht immer in die Zukunft schauen wollen", meint er: "Das ist sehr schwierig - generell und in der Rennerei ganz besonders. Die Dinge ändern sich sehr schnell."

Behält er Recht? Ralf Schumacher hätte für seinen speziellen Fall wohl kaum etwas dagegen.

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