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Martin Tomczyk hat sieben seiner 112 DTM-Rennen gewonnen © getty

Der DTM-Champion nimmt die Arbeit bei BMW auf und gräbt einen alten "Propeller" aus. Trotz Konkurrenz spielt er den Druck herunter.

München - Es fällt kaum auf, dass Martin Tomczyk in den vergangenen elf Jahren für den Konkurrenten gefahren ist.

Als der DTM-Champion zu seinem ersten Arbeitstag für den neuen Dienstherren in der vierzylindrigen Konzernzentrale am Petuelring in München erscheint, trägt er eine Anstecknadel von BMW am Revers - den weiß-blauen Propeller. (Bericht: Perfekt! Tomczyk wechselt zu BMW).

Es ist freilich ein altes Exemplar, "vor 15 Jahren", als er für BMW noch Formel Junior gefahren sei, "habe ich die bekommen", sagt Tomczyk, "das Weiß ist schon ein wenig vergilbt. "

Es lässt sich dennoch nicht abstreiten, dass eine gewisse Verbundenheit schon bestanden hat.

Tomczyk hat Audi-Zeit "genossen"

Elf Jahre ist Tomczyk für Audi gefahren, elf Jahre. Im Oktober wurde er erstmals DTM-Champion.

Am Samstag, kurz nachdem er seinen neuen Dienstwagen abgeholt hat, einen BMW 3er Diesel, versichert er: "Ich habe diese elf Jahre genossen."

Er sagt freilich auch, dass er mit 29 Jahren nun in einem Alter sei, wo er "noch mehr sehen möchte als nur einen Hersteller", dass dieser "Reiz der Herausforderung" so groß gewesen sei, "dass ich mich dafür entschieden habe".

Stunde Null mit BMW

Entschieden dafür, mit BMW einen Neuanfang in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft zu wagen. "Es ist interessant, jetzt wieder bei null zu beginnen", behauptet Tomczyk.

Die Entscheidung, versichert Tomczyk, sei "wohlüberlegt", gefallen sei sie erst nach dem Rennen am 3. Oktober im spanischen Valencia, wo er vorzeitig zum Meistertitel fuhr.

In der kommenden Saison wird deshalb die "1" auf sein Auto geklebt werden. (DATENCENTER: Die DTM-Fahrerwertung).

Ziel: Titelverteidigung

Nur, dass es nun eben ein BMW ist, kein Audi mehr. Druck aber, behauptet der Rosenheimer, verspüre er deswegen nicht.

"Die Eins ist noch der wenigste Druck, den wir haben", sagt er. Obwohl: Aus dieser "1" leitet Tomczyk aber auch einen Anspruch ab, sie soll nicht nur schmückendes Beiwerk sein:

"Wenn man die Eins auf dem Auto hat, will man sie natürlich auch behalten."

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Auch Spengler im BMW-Team

Was Tomczyk ein wenig verklausuliert formuliert, dürfte auch das Ziel von BMW sein.

Die Ambitionen der Münchner lassen sich schon daran ablesen, wen sie als Fahrer bislang geholt haben: Tomczyk, amtierender Meister, von Konkurrent Audi losgeeist;

den Kanadier Bruno Spengler, zweimaliger Vize-Meister und 2011 Gesamt-Dritter, weggelockt von Mercedes; dazu aus den eigenen Reihen zunächst Andy Priaulx (Großbritannien), mit BMW dreimal Tourenwagen-Weltmeister, und Augusto Farfus (Brasilien).

"Alphatier"-Quartett

"Das sind vier Alphatiere", sagt Sportdirektor Jens Marquardt, aber das sei "ja auch ganz gut so". Alphatiere wollten ja Rennen gewinnen.

Heißt: BMW will Rennen gewinnen, auch im ersten Jahr schon.

BMW, sagt Marquardt, habe nach seinen 20 Jahren Abstinenz "definitiv einen Erfahrungsrückstand". (Bericht: DTM 2012: Beginn einer neuen Ära).

Alle auf Augenhöhe

Tomczyk und Spengler haben den nicht. Priaulx und Farfus, sagt wiederum Tomczyk, "werden kein Problem haben, sich in die DTM einzufügen, wir werden alle auf einer Augenhöhe sein."

Und die beiden Plätze, die noch zu vergeben sind? Marquardt grinst dazu wie einer, der noch große Überraschungen auf Lager hat.

Er betont auch: "Einen Fahrerkader aufzubauen nach dem Motto: Alle haben sich lieb, da kommt am Ende nichts bei raus." Der Unterton ist auch da deutlich zu vernehmen: BMW will und wird gleich Vollgas geben.

Frotzelei mit Scheider

Tomczyk jedenfalls ist an seinem ersten Arbeitstag guten Mutes und voller Zuversicht.

Dass Timo Scheider, bislang Kollege bei Audi, ihm schon aus Spaß angedroht hat, er könne ihm nun endlich mal "ordentlich in den Koffer fahren", veranlasst den DTM-Champion zu einem Lächeln - und einem trockenen Konter:

"Wenn er mir in den Koffer fahren will, heißt das ja, dass er hinter mir fährt."

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