Erster Sieg seit neun Jahren: "Ein großartiges Gefühl"
München - Ralf Schumacher hatte sich ein bisschen unbeliebt gemacht in den vergangenen Wochen.
Auf der Rennstrecke fiel er mit einer unkontrollierten Fahrweise auf und tat hinterher, als jucke ihn das nicht weiter.
Nicht weniger emotionslos bezeichnete er darüber hinaus das Gastspiel der DTM in München als eine Showveranstaltung ohne sportlichen Wert.
Seine Äußerungen sorgten für Kopfschütteln bis Fassungslosigkeit: Da biss jemand in die Hand, die ihn füttert.
Erster Sieg seit neun Jahren
Spätestens am Samstagnachmittag hatte aber auch Schumacher begriffen.
Der Mercedes-Pilot gewann mit Markenkollege Jamie Green den Team-Wettbewerb unter dem Zeltdach des Olympiastadions.
"Toll, endlich mal wieder oben zu stehen. Es ist ein großartiges Gefühl", sagte der 37-Jährige, nachdem er von der obersten Stufe des Siegertreppchens hinuntergestiegen war.
Fast auf den Tag genau neun Jahre zuvor hatte er zum letzten Mal ein Rennen gewonnen, in der Formel 1, in Magny-Cours. Nun dachte er wohl: Ein Sieg ist ein Sieg.
"Man sieht viele Familien"
Bei Schuchmachers Arbeitgeber Mercedes und den beiden DTM-Konkurrenten Audi und BMW herrscht ohnehin Einigkeit, was das Spektakel im Olympiastadion angeht: Die Veranstaltung ist den Herstellern wichtig für die Außenwirkung ihrer Serie - und ihrer Produkte.
"Das Besondere ist, dass nicht nur reine Motorsportfans herkommen, man sieht viele Familien, die ihren Tag im Olympiapark verbringen", sagte Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich.
Beim zweiten Gastspiel nach 2011 kamen allerdings weniger Zuschauer - 54.000 waren es im vergangenen Jahr gewesen.
Gute Angebote außerhalb des Stadions
Die Rennen auf den gespiegelten, jeweils 614 Meter langen Asphaltkursen im Innenraum des Olympiastadions riefen zeitweise weniger Interesse hervor als die Angebote außerhalb des Stadions.
Auf dem angrenzenden Coubertinplatz drängelten sich die Besucher um die palastähnlichen Konstruktionen, die Mercedes und Audi aufgestellt hatten, um Rennwagen und Alltagsfahrzeuge zu präsentieren.
In der nahe gelegenen BMW-Welt, ohnehin Münchens größte Touristenattraktion, ging es zeitweise zu, als würden Autos verschenkt.
Haug: "Ein Meilenstein"
"Hier mit der DTM zu sein ist ein Meilenstein", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug (DIASHOW: Die Favoriten auf den DTM-Titel 2012).
Er lobte darüber hinaus den "kollektiven Wagemut" unter anderem des Münchner Olympiaparks, die Veranstaltung auf die Beine zu stellen.
Er hoffe, ergänzte Haug, "es gibt sie noch ein paar Jahre". Der Vertrag mit München gilt noch für das kommende Jahr, doch was danach geschieht, ist ungewiss.
Im nahen Stadtteil Milbertshofen-Hart regt sich Widerstand aus der Bevölkerung und der Politik gegen die Krachmacher im Olympiastadion.
Gibt es bald Punkte?
Was das gesunkene Interesse des Publikums angeht, würde vielleicht eine Aufwertung durch die Vergabe von Meisterschaftspunkten helfen.
Die Diskussion läuft wohl schon, auch wenn BMW-Motorsport-Direktor Jens Marquardt abwiegelte: "Wir werden dieses Wochenende durchlaufen lassen und uns dann zusammensetzen."
Kollege Haug betonte gleich mehrmals, dass die Veranstaltung sportlichen Wert habe. "Es ist ein ernsthaftes Rennen", sagte er, schränkte aber ein: "Es wird schwierig, ein Rezept für Punkte zu finden."
Ein Grinsen als Antwort
Es gibt auch Menschen, die fänden das mit den Punkten gar nicht gut.
Am Samstagnachmittag saßen neben Schumacher und Green auch deren drittplatzierte Mercedes-Markenkollegen Gary Paffett (Großbritannien) und Christian Vietoris sowie die zweitplatzierten Audi-Fahrer Timo Scheider und Adrien Tambay (Frankreich).
Erst versicherten alle treuherzig, dass die Leute ruhig sagen könnten, es sei ja nur ein Showevent - "wenn wir den Helm aufsetzen, wollen wir gewinnen", betonte Paffett.
Dann kam die Frage, ob es denn künftig auch Punkte geben solle. Die Antwort der sechs auf dem Podium war ein breites Grinsen. Und ein synchrones, ziemlich heftiges Kopfschütteln.


