"Bereit für die maximale Attacke"
Von Rainer Nachtwey
München - Spannung ist vor dem Saisonfinale der DTM am Hockenheimring (Zsfg. Qualifying Sa., ab 21 Uhr im TV auf SPORT1) garantiert.
Nur drei Punkte trennen Spitzenreiter Gary Paffett von BMW-Pilot Bruno Spengler ( DATENCENTER: Alle DTM-Ergebnisse).
Nach zwei Vize-Titeln in den Jahren 2005 und 2006, sowie den dritten Plätzen 2010 und 2011, brennt der Kanadier darauf, sich endlich die DTM-Krone aufzusetzen.
Auch für BMW wäre der Titel gleich im ersten Jahr der Rückkehr in die DTM sensationell.
Bruno Spengler spricht im SPORT1-Interview über die Bedeutung des ersten DTM-Titels, mögliche Vorteile in Hockenheim und sein Verhältnis zu Konkurrent Paffett.
SPORT1: Herr Spengler, Sie liegen drei Punkte hinter Gary Paffett in der Gesamtwertung. Warum werden Sie sich am Wochenende zum DTM-Champion krönen?
Bruno Spengler: Ich weiß ja gar nicht, ob ich den Titel holen werde. Was ich aber weiß, ist, dass wir uns gut vorbereitet haben und ich bereit bin für das Wochenende. Ich freue mich sehr. Es ist alles möglich, denn mit drei Punkten bin ich sehr nah dran. Wir haben eine sensationelle Saison hinter uns und gehen mit vollem Engagement und voller Motivation nach Hockenheim, wo wird das Bestmögliche rausholen wollen. Wenn das den Titel bringt, wäre das sensationell.
SPORT1: Sie sind vor der Saison zu Neuling BMW gewechselt. Hatten Sie vor der Saison damit gerechnet, so gut da zustehen, im letzten Rennen es selbst in der Hand zu haben, Champion zu werden?
Spengler: Nein, wir haben am Anfang des Jahres damit überhaupt nicht gerechnet. Unser Ziel war es, auf das Podest zu fahren und vielleicht den ein oder anderen Sieg zu holen. Ich habe drei Siege geholt und drei Pole Positions. Dazu kommt noch ein vierter Sieg von Augusto Farfus. Die Saison ist wirklich sensationell gelaufen - besser als wir gedacht haben, weil wir so wenig Erfahrung hatten. Die Erwartungen waren nicht so groß und Schwierigkeiten wären normal gewesen. Aber das war nicht der Fall. Mein Team und die Mechaniker haben einen unglaublichen Job gemacht. Boxenstopps sind sehr wichtig und das Team hat sich im Laufe des Jahres pro Stopp um eine Sekunde verbessert. Das ist eine riesige Teamleistung und wir sind froh, jetzt nach Hockenheim zu gehen und eine Chance auf den Titel zu haben.
SPORT1: Sie haben 2010 den Titel im letzten Rennen mit Mercedes verpasst. Was können Sie aus dieser Erfahrung in die jetzige Situation mitnehmen?
Spengler: Eigentlich habe ich 2006, 2007, 2010 und 2011 den Titel verpasst. 2011 hatte ich viel Pech, als ein technischer Defekt den Titel kostete. Ebenso 2006 und 2007, als ich zu Saisonbeginn viel Pech mit technischen Defekten hatte. Ich habe zum fünften Mal die Chance auf die Meisterschaft. Aus den knapp verpassten Titeln nehme ich das Positive mit ins letzte Rennwochenende. Ich bin bereit für die maximale Attacke.
SPORT1: Hilft Ihnen auch, zu wissen, wie Mercedes arbeitet?
Spengler: Das bringt nicht viel. Mercedes wird schnell sein und uns das Leben schwer machen. Auf der Strecke in Hockenheim ist Mercedes stark. Das haben sie bereits zu Beginn der Saison mit Platz eins und zwei gezeigt. Man muss auch ein bisschen Glück haben. Wenn man das nicht hat, kann es schwierig werden. Ein Defekt oder ein Unfall kann immer passieren. Das Beste, das man machen kann, ist, sich so gut wie möglich vorzubereiten.
SPORT1: Sie sind beim ersten Rennen am Hockenheimring nur drei Runden weitgekommen, Paffett hat hingegen gewonnen. Ist das ein Nachteil für Sie?
Spengler: Nein, das denke ich nicht. Ich bin zwar durch einen unverschuldeten Unfall früh ausgeschieden, aber ich sehe es eher positiv, dass wir durch das erste Rennen schon Erfahrungen auf dieser Strecke sammeln konnten. Das hilft uns. Man muss natürlich schauen wie die Bedingungen sind. Das erste Rennen war im April, jetzt ist es Oktober. Das ist natürlich schon ein Unterschied, vor allem aufgrund der Temperatur. Es ist jetzt viel kälter.
SPORT1: Neben Ihnen, Paffett und Jamie Green, der auch noch theoretische Chancen auf den Titel hat, starten auch noch 19 andere Fahrer. Haben Sie Angst, dass einer dieser Fahrer durch eine unbedachte Aktion das Titelrennen entscheidet?
Spengler: Angst habe ich keine, aber ich weiß natürlich, dass sowas passieren kann. Angst zu haben, bringt aber nichts. Ich muss versuchen, möglichst weit vorne zu fahren und wie zuletzt, mein Rennen zu fahren. Ich kann es eh nicht beeinflussen. Es liegt nicht nur an mir.
SPORT1: In Valencia gab es von Audi Kritik an Ihnen und Priaulx aufgrund von Stallorder und der Überholmanöver. Glauben Sie, dass nun extra gegen Sie gefahren wird?
Spengler: Ich habe diese Geschichte natürlich auch mitbekommen, aber es gibt keine Stallorder. Ich hatte einfach sehr frische Reifen, da ich sehr spät an der Box war. Dadurch war ich viel schneller als Andy Priaulx, der viel früher gestoppt hatte als ich. Ich war durch diese Strategie etwa eine Sekunde schneller pro Runde als er. Deshalb konnte ich ihn überholen. Das war einfaches Racing. Ich glaube, Rahel Frey hat dies auch zugeben. Daher war das keine Stallorder.
SPORT1: Beeinrächtigen solche Geschichten das Verhältnis zu den Kollegen. WIe verstehen Sie sich mit Paffett?
Spengler: Von meiner Seite gibt es überhaupt keine Probleme. Ich hab zwar gehört, dass er sich über mich geäußert hat. Das stört mich aber nicht wirklich. Wir waren lange Teamkollegen und ich schätze ihn. Wir waren zwar nie zusammen im Urlaub, aber wir hatten in der Vergangenheit auch nie Probleme miteinander.
SPORT1: Nach den Misserfolgen mit Mercedes: Wäre es eine besondere Genugtuung für Sie, nach dem Wechsel zu BMW Champion zu werden?
Spengler: In erster Linie wäre es sensationell gleich im ersten Jahr der Rückkehr den Titel zu gewinnen. Das hätte niemand gedacht, auch wir selber nicht. Natürlich wollen wir den Titel gewinnen. Wir müssen versuchen weit vorne zu sein und unser Beste geben. Wenn uns das den Titel bringt, wäre das sensationell, aber unsere jetzige Leistung ist schon überragend. Lassen wir uns überraschen was in Hockenheim passiert.


