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Alex Zanardi holte bei den Paralympics in London zweimal Gold und einmal Silber © imago

Der doppelte Paralympics-Sieger geht mit einem eigens umgebauten BMW auf den Nürburgring und träumt von einem festen Cockpit.

Adenau - Mit einem kräftigen Armzug hievt sich Alex Zanardi aus seinem goldenen Rennwagen.

Die Strapazen stehen unverkennbar in seinem Gesicht, die Haare schweißnass, durchpusten, Luft holen. Der Italiener ist platt.

Doch das warme Lächeln auf seinem Gesicht, die blauen Augen, die funkeln wie die eines Kindes an Weihnachten, zeugen von Zanardis wahrer Gemütslage. "Es fühlt sich für mich wie zu Hause an", sagt der 46-Jährige.

Auf dem Nürburgring absolvierte er als erster beidseitig beinamputierter Fahrer eine Demofahrt in einem DTM-Auto. Und hegt nach dem ersten Einsatz als Rennfahrer seit drei Jahren nun zumindest den kleinen Traum von einer Zukunft in der Deutschen Tourenwagen Masters.

"Wann immer ich eine weitere Möglichkeit bekommen sollte, würde ich sie liebend gerne und ohne Zögern annehmen."

Doppel-Gold bei Paralympics

Den unverkennbaren Geruch von Benzin und Reifengummi, das Dröhnen der PS-Monster, Geschwindigkeit und Fliehkräfte: auf all dies hatte Zanardi in den vergangenen Jahren verzichtet.

Seine volle Konzentration galt den Paralympics. In London gewann er vor zwei Monaten mit dem Handbike zweimal Gold und einmal Silber.

Doch die Leidenschaft zum Rennfahren hatte der frühere Formel-1-Pilot nie ablegen können, trotz des schrecklichen Unfalls auf dem Lausitzring, der ihn vor elf Jahren beide Beine kostete und sein Leben innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde völlig veränderte.

Demofahrt nach Handbike-Runde

Vor dem DTM-Finale auf dem Hockenheimring hatte ihm BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt das Angebot gemacht, mit dem Handbike über die Strecke zu fahren. (DATENCENTER: Alle DTM-Ergebnisse)

Höflich bedankte sich Zanardi, machte aber aus seinem Herzen keine Mördergrube: "Naja, ich habe schon etwas mehr erwartet, zum Beispiel ein schönes Rennauto zu fahren", sagte er mit einem Lachen im Gesicht - und erhielt die Zusage für die Demofahrt.

Personalisierter Wagen rührt Zanardi

Für Marquardt sei es eine "echte Herzensangelegenheit gewesen, Alex dieses Geschenk zu machen." In der Tourenwagen-WM (WTCC) hatte Zanardi von 2005 bis 2009 als BMW-Werksfahrer vier Siege gefeiert.

Die Verbundenheit zum Team blieb. Als er den DTM-Wagen sah, den die Bayern in den vergangenen drei Wochen auf seine speziellen Bedürfnisse umgerüstet hatten, war er überwältigt: "Ich dachte nur: Wow. Ich war bis tief ins Herz gerührt."

Besonders der Look des M3 DTM hatte es Zanardi angetan. Golden lackiert, auf der Motorhaube sein Konterfei, auf dem Dach Aufdrucke seiner drei gewonnen Paralympics-Medaillen.

32 unvergessliche Runden

Um 14.22 Uhr hatte ihn der Auto-Rennsport am Donnerstag schließlich zurück. Nach einem kurzen Aufheulen des Motors verließ Zanardi bei frischen elf Grad Außen- und fünf Grad Asphalttemperatur die Boxengasse.

Die Bremse bediente er mit der Prothese am rechten Bein. Für Gas und Kupplung mussten die Hände herhalten.

Insgesamt 32-mal ging es um den traditionsreichen Rundkurs in der Eifel. "Dies ist ein ganz besonderer Tag für mich. Ich hatte viel Spaß und werde die Erinnerung immer in meinem Herzen tragen."

Zanardi hofft auf festes DTM-Cockpit

Gerne würde er die Fahrt wiederholen, gerne auch ein festes Cockpit in der DTM bekommen.

"In einem kleinen Teil des Herzens hoffe ich, dass wir es fortsetzen können und man soll niemals nie sagen. Aber ich glaube es nicht, da das Level in der DTM für einen alten Mann wie mich zu hoch ist und es zudem ein Testlimit gibt", sagte Zanardi.

Marquardt: Frage der Technik

Auch Marquardt wollte sich zu Zukunftsplänen nicht konkret äußern.

"Vom Reglement her haben wir uns das noch gar nicht angeschaut", sagte der BMW-Motorsportdirektor, "aber von dem, was wir heute lernen konnten, können wir sicher gemeinsam mit Alex schauen, wie weit wir gehen können. Es ist keine Frage des Willens, sondern eine der Technik."

Eine Demofahrt und ein Rennen seien "zwei Paar Stiefel".

Pläne für Sotschi und Rio

Langeweile jedenfalls wird es in Zanardis Leben aber auch künftig nicht geben - ob mit oder ohne DTM.

An den Paralympics 2014 in Sotschi würde er gerne als Skifahrer teilnehmen. Vielleicht auch 2016 in Rio noch einmal das Handbike fahren.

"Ich war immer neugierig und habe mich nach neuen Möglichkeiten umgesehen", sagt er. Aber: "Ich kann auch ohne konkrete Pläne sehr gut leben."