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Timo Glock fuhr in der Formel 1 bisher für Jordan, Toyota, Virgin und Marussia © getty

Nach seinem Wechsel aus der Formel 1 steht der Neuling als neues Gesicht der DTM im Fokus, kämpft mit einem kuriosen Problem.

Hockenheim - Im Blitzlichtgewitter am Hockenheimring wird es deutlich: Der Lehrling kämpft an allen Fronten.

Keine vier Wochen sind es bis zum Saisonstart der DTM, und Timo Glock, der neue Mann aus der Formel 1, ist angekommen in der Rolle des Werbeträgers.

Neben Champion Bruno Spengler steht vor allem der BMW-Pilot vor den letzten offiziellen Testfahrten im Rampenlicht. (DATENCENTER: Der DTM-Kalender 2013)

"Ich habe noch nie so viele Fragen beantwortet wie in den letzten Wochen", sagt der 31-Jährige. In den letzten Jahren beim kleinen Formel-1-Team Marussia "war diese zeitliche Belastung eine ganz andere".

Glock ist nicht einfach der Neue, er ist gleich auch das Gesicht der Serie.

DTM braucht und will bekannte Fahrer

Das ist so gewollt, erklärt DTM-Chef Hans-Werner Aufrecht. "Ich unterstütze solche großen Transfers seit langem. Die Öffentlichkeit will diese bekannten Fahrer, wir brauchen sie", sagt der 74-Jährige.

Ralf Schumacher war ein solcher, auch David Coulthard. Die beiden Mercedes-Piloten gehörten bis in die letzte Saison zu den beliebtesten Gesprächspartnern vor den Fernsehkameras.

Zu ihren Leistungen auf der Strecke wollte diese Rolle nie so recht passen, der Sprung von der Formel 1 in die DTM brachte nur selten sportliche Erfolge.

"Musste fragen, wie ich ins Auto komme"

Und auch Glock fühlt sich auf der Strecke noch nicht wie ein Star.

"Ich musste am Anfang erst mal fragen, wie ich in das Auto komme", sagt der langjährige Formel-Pilot: "Ich muss sicher noch viel lernen, um die DTM zu verstehen. Es macht Spaß, aber es ist eine Riesenherausforderung."

Vor allem auf der Suche nach den letzten Zehntelsekunden erfordert die Umstellung auf den Tourenwagen jede Menge Zeit und Arbeit.

Die tonnenschweren DTM-Boliden bringen ein deutlich höheres Gewicht auf die Waage als die Formel-Autos, die Sicht im Cockpit ist eingeschränkt.

Häkkinen vermisst Motivation

Einer, der es geschafft hat, sieht viel einfachere Gründe.

Frühere Formel-1-Piloten, so der zweimalige Weltmeister Mika Häkkinen, seien "in Sachen Motivation anders aufgestellt. Ich teile nicht die Ansicht, dass das viel mit den Eigenheiten der Autos zu tun hat", sagte der Finne "Motorsport-Total".

Er erklärte: "Man muss sich das vor Augen halten: Die erleben gerade ihr Karriereende in der Königsklasse, in der größten Serie der Welt. Die legen dann eine andere Grundhaltung an den Tag."

Glock: "Nicht aus Langeweile gekommen"

Häkkinen selbst hatte diese Probleme anscheinend nicht. Der Finne gewann 2005 gleich sein drittes Rennen in der DTM, und auch Glock will von Motivationsproblemen nichts wissen.

"Das spielt bei mir sicherlich keine Rolle. Ich bin nicht aus Langeweile in die DTM gekommen, ich will hier erfolgreich sein", sagt er. Die Voraussetzungen sind in der Tat andere.

Viele seiner Vorgänger kamen häufig im Spätherbst ihrer Karriere in die DTM, der Tourenwagen war der letzte Ausritt vor dem PS-Ruhestand.

Top-Voraussetzungen bei BMW

Für Glock steht mehr auf dem Spiel. Mit 31 ist der Hesse ein Mann im besten Rennfahreralter - der durchaus noch etwas zu beweisen hat.

Sein vorläufiges Aus in der Formel 1 war vor allem Folge finanzieller Probleme bei Marussia, jahrelang fuhr er dort in einem unterlegen Auto hinterher.

In der DTM, bei Titelträger BMW, findet Glock andere Voraussetzungen.

Formel-1-Rückkehr nicht ausgeschlossen

Auch eine Rückkehr in die Formel 1 scheint nicht ausgeschlossen, nach 91 Grand-Prix-Starts genießt er dort einen guten Ruf.

Jetzt, sagt Glock, hat er erstmal nur die DTM und den Saisonstart am 5. Mai im Kopf: "Aber man soll ja niemals nie sagen."

Erfolge im Tourenwagen wären nicht die schlechteste Bewerbung.

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