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Mike Rockenfeller gewann 2010 das 24-Stunden-Rennen von Le Mans © getty

Mike Rockenfeller ist nach Platz zwei in Oschersleben seinem ersten Titel ganz nah. Die Verfolger schießen sich gegenseitig ab.

Oschersleben - Der Applaus schwoll an, als Mike Rockenfeller das Siegerpodest in Oschersleben betrat.

Platz zwei hinter BMW-Fahrer Augusto Farfus war ein gefühlter Sieg für den souveränen DTM-Spitzenreiter im Audi - denn zwei Rennen vor Schluss ist ihm der erste Titel in der Tourenwagenserie kaum noch zu nehmen. (DATENCENTER: Der DTM-Kalender 2013)

"Das ist ein zweiter Platz, der mich sehr freut", sagte Rockenfeller in der "ARD" und ließ sich zumindest ein wenig aus der Reserve locken: "Ist doch logisch, dass ich das Ding jetzt gewinnen will. Die Wahrscheinlichkeit ist nicht mehr gering."

Nur noch Farfus Jäger

Mit nun 124 Punkten hat Rockenfeller 33 Zähler Vorsprung auf Farfus (91). Der Brasilianer ist nun der Einzige, der Rockenfeller die Meisterschaft noch streitig machen kann.

"Ich hatte ein super Auto, es waren super Stopps - ich bin überglücklich", sagte Farfus, dem bei der Nationalhymne die Tränen kamen. Dritter in der Motorsport Arena wurde Audi-Pilot Jamie Green (England).

In Zandvoort (29. September) und Hockenheim (20. Oktober) sind noch maximal 50 Punkte zu gewinnen, ein zweiter Platz in den Niederlanden würde Rockenfeller bereits zum Titel reichen. Doch "Rocky" blieb auf dem Boden. "Es kann noch Vieles passieren, wir sollten uns nicht zu früh freuen", sagte der 29-Jährige.

Was alles passieren kann, zeigten seine Konkurrenten. Bis auf Farfus patzten alle verbliebenen Titelanwärter und verabschiedeten sich so aus dem Rennen um die Meisterschaft.

Spengler nach Crash bestraft

Titelverteidiger Bruno Spengler (BMW) und Robert Wickens (Mercedes/beide Kanada) schossen sich in einem engen Duell in der Schlussphase gegenseitig aus dem Rennen - und gingen auch vor der Kamera auf Konfrontationskurs.

"Ich weiß nicht, was Spengler sich dabei gedacht hat, das war kindisch", sagte Wickens nach dem Aus, sein Landsmann hielt dagegen: "Er hat doch einen Fehler gemacht, er war einfach zu langsam und sollte sich an die eigene Nase fassen."

Strafe für Spengler

Die Schuld sahen die Rennkommissare allerdings bei Spengler: Der entthronte Champion wird in der Startaufstellung in Zandvoort um zwei Plätze zurückversetzt.

Vietoris fährt hinterher

Christian Vietoris (Mercedes/Gönnersdorf), zuvor noch Gesamtzweiter, fuhr nach einem schwachen Qualifying im Rennen nur auf Rang 18. Der frühere Formel-1-Pilot Timo Glock (Wersau/BMW) kam zudem als 15. ins Ziel.

Insgesamt landeten acht Audis unter den ersten zehn. Bester Mercedes-Pilot im 150. Rennen der Schwaben seit dem Neustart der Serie im Jahr 2000 war noch Vizemeister Gary Paffett (England), der in seinem 100. DTM-Rennen Sechster wurde.

Guter Start von Farfus und Spengler

Sieger des Starts auf dem 3,696 km langen Kurs waren Farfus und Spengler gewesen. Der Brasilianer zog an Green vorbei und sicherte sich die Führung, dahinter machte Spengler gleich drei Plätze gut: Der eigentliche Pole-Setter, wegen falscher Reifenwahl im Qualifying nachträglich auf Rang sechs versetzt, sprang zum Start von Position sechs auf vier und schob sich wenig später auch an Rockenfeller vorbei.

Früher Stopp

Bereits nach fünf Runden holte sich Rockenfeller jedoch die weichen Reifen, und die Taktik des frühen Stopps ging auf. Er drehte die schnellsten Runden im Feld und schlüpfte wenig später wieder an Spengler vorbei, als dieser seinen ersten Pflichtstopp einlegte.

Auch Farfus kam er in der Folge noch einmal nahe, doch der Brasilianer und seine Boxencrew lieferten ein fehlerfreies Rennen ab und hielten die Spitzenposition souverän. "Augusto war heute in einer anderen Liga, Hut ab", sagte Rockenfeller und richtete den Blick auf Zandvoort - eine Strecke, die Audi laut Rockenfellers Teamchef Enst Moser "bestens liegt".