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In der WRC kommen künftig 1,6-Liter-Turbomotoren zum Einsatz © Ford

Mit dem Saisonstart nächste Woche bricht in der WRC eine neue Ära an - Alle wichtigen Fragen und Antworten zum neuen Reglement noch einmal im Überblick

Kommende Woche startet die Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) mit der Rallye Schweden in die Saison 2011. Und damit wird auch ein neues Kapitel aufgeschlagen. Nach über einem Jahrzehnt mit World Rally Cars mit Zwei-Liter-Turbomotoren gilt nun ein neues Reglement. Ab sofort wird mit 1,6-Liter-Turbomotoren und neuen Autos gefahren. Zum Saisonstart hier noch einmal die Antworten auf die wichtigsten Fragen im Überblick.

Frage: Warum der Wechsel zu den kleineren Motoren?

Antwort: Dafür gibt es mehrere Gründe. Zwar war auch die alte Motorenformel erfolgreich, insgesamt sieben Hersteller ließen Zwei-Liter-WRCs homologieren. Doch der Automobilweltverband FIA sah die Zeit für Änderungen gekommen. 1,6-Liter-Produktionswagen sind der Weg, den die Hersteller bevorzugen, da sie eine bessere Energie-Effizienz haben. Die FIA sieht die Notwendigkeit, Motorsport mit kommerziellen und umwelttechnischen Überlegungen zu verbinden.

Zudem war es nötig, die Kosten für eine Teilnahme an der WRC erheblich zu senken. Nicht nur, um sie für die bereits engagierten Hersteller erschwinglicher zu machen, sondern auch um die Serie für neue Marken und Teams attraktiver zu machen. Dieses bemühen trägt erste Früchte: Citroen und Ford engagieren sich weiter in der WRC, MINI kehrt zurück. Weitere Hersteller könnten folgen.

Frage: Was ist die Spezifikation des neuen World Rally Car?

Antwort: Das Auto basiert auf dem Super-2000-Konzept. Das ist die gleiche Formel wie in der Tourenwagen-Weltmeisterschaft WTCC. Ein Hersteller kann also in beiden Kategorien antreten, ohne dabei zusätzliche Entwicklungskosten zu haben. Das neue World Rally Car hat einen 1,6-Liter-Turbomotor mit Direkteinspritzung und ist insgesamt mit weniger Elektronik auch weniger komplex. Auch die Haltbarkeit ist wichtig, und bestimmte Teile müssen für eine längere Lebensdauer homologiert werden.

Frage: Wie unterscheidet sich das World Rally Car von einem S2000?

Antwort: Das Innen leben ist mit dem eines S2000-Fahrzeugs des Jahrgangs 2011 weitestgehend identisch. Den größten Unterschied macht das Aerodynamikpaket aus, zu dem eine andere vordere Stoßstange und ein größerer Heckflügel gehören, an denen man das World Rally Car auch optisch erkennen kann.

Frage: Wie läuft der Homologationsprozess für dieses World Rally Car ab?

Antwort: Zunächst muss die Basis, das S2000-Auto des Herstellers homologiert werden. Danach kann ein Hersteller oder ein WRC-Team, der oder das in die Weltmeisterschaft eingeschrieben ist, dieses Auto mit dem Aerokit und weiteren speziellen, aber Restriktionen unterliegenden Teilen, in ein WRC umbauen.

Frage: Müssen die Piloten ihren Fahrstil an diese Autos anpassen?

Antwort: Das neue Auto ist sicherlich nicht einfacher zu fahren. Im alten WRC-Fahrzeug gab es eine Menge elektronischer Hilfsmittel, darunter die Gangschaltung und die Launch-Kontrolle. Bisher war auch die ECU-Software frei, die Geschwindigkeiten von Rädern und Getriebe konnten überwacht werden. All diese elektronisch gesteuerten Elemente sind nun verboten.

So hat das neue World Rally Car zum Beispiel kein Mitteldifferenzial und keine Schaltwippen am Lenkrad. Die Kostenreduktion hat bei der Konzeptionierung der neuen Autos eine wesentliche Rolle gespielt, aber auch die "Show". Die FIA betont, dass die neuen Autos spektakulärer aussehen, fahren und klingen und für mehr Unterhaltung sorgen.

Frage: Wie ist der Performance-Unterschied zwischen den alten und den neuen Autos?

Antwort: Das neue World Rally Car wird marginal langsamer durch die Prüfungen fahren, aber die Drehzahlen sind im 1,6-Liter-Motor höher. Das soll in Kombination damit, dass nun weniger Fahrhilfen erlaubt sind, dafür sorgen, dass die Autos auf der Rallyepiste beeindruckender wirken. Es gehe, so die FIA, auch darum, für mehr Spektakel zu sorgen, und zwar nicht nur über das Tempo.

Frage: Wie hat das neue Reglement MINI dazu ermutigt, in die WRC einzusteigen?

Antwort: Die Entscheidung von MINI, in die WRC zu kommen, wurde nicht nur vom Kostenfaktor beeinflusst, sondern auch von den Erfolgschancen. Das Ziel ist, Weltmeister zu werden. Und man ist sich sicher, dass dieses Ziel mit dem neuen Reglement erreichbar ist. MINI ist aber auch bewusst, dass dies nur mit harter Arbeit möglich ist.

Der 1,6-Liter-Motor, der auf dem MINI-Serienmodell basiert, wurde von BMW Motorsport für den Einsatz in zahlreichen verschiedenen Rennserien entwickelt. Damit konnte die Kosten der eigentlich teuren Motorenentwicklung enorm reduziert werden. Und der Motor kann zum ersten Mal überhaupt in zwei verschiedenen Weltmeisterschaften (WRC und WTCC) eingesetzt werden.

Frage: Wie wurden durch die Einführung des neuen World Rally Car die Kosten für die Hersteller gesenkt?

Antwort: Die Basiskosten für das Auto sind niedriger, es gibt weniger elektronische Fahrhilfen, und einige Komponenten müssen nach dem neuen Reglement länger halten. In naher Zukunft wird die Laufzeit vor allem von Motor und Getriebe weiter verlängert, was zu weiteren Einsparungen führt. Die FIA geht davon aus, dass die Kosten für die Teilnahme an einer kompletten Saison um mindestens 30 Prozent reduziert werden.

Frage: In der neuen Generation der World Rally Cars werden mehr Materialien aus den Serienfahrzeugen verwendet. Was bringt das?

Antwort: Um die Ausgaben zu reduzieren, wurde bei verschiedenen Komponenten das Verhältnis zwischen Lebensdauer und Kosten analysiert. Wenn es möglich war, Teile aus dem Serienfahrzeug einzusetzen, wurde dies gemacht. Laut FIA gibt es aber immer noch Teile, die vom Material her verstärkt werden müssen. Nicht nur für den Rennsport, sondern auch aus Sicherheitsgründen.

Frage: Die Autos sind nun kleiner. Hatte das einen Einfluss auf die Sicherheitseinrichtungen, die eingebaut werden können?

Antwort: 2008 hat die FIA - mit Hilfe des FIA-Instituts - beim Seitenaufprallschutz, zu dessen System auch ein spezieller neuer Sitz gehört, große Fortschritte gemacht. Diese Systeme wurden entwickelt, um Fahre r und Beifahrer vor ernsthaften Verletzungen zu schützen, wenn es an der Seite oder hinten mit hoher Geschwindigkeit zu einem Aufprall kommt. Bei der Einführung von kleineren und kompakteren Autos mussten diese Sicherheitsstandards beibehalten werden.

Gemeinsam mit den Herstellern hat die FIA ein neueres Paket entwickelt, mit dem die Teams diese Standards beim Entwurf der Autos einfacher mit einbinden konnten. Ebenso wichtig ist der FIA, dass diese Elemente auch in den niedrigeren Fahrzeugkategorien übernommen werden können, um so die Sicherheit im Sport allgemein zu verbessern.

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