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Sebastien Loeb holte sich nach einem dramatischen Wochenende den Sieg © xpb.cc

Nach dem Aus von Teamkollege Sebastien Ogier fuhr Sebastien Loeb seinen fünften Mexiko-Sieg ein - Mikko Hirvonen und Jari-Matti Latvala auch auf dem Podium

Nach 22 aufreibenden Wertungsprüfungen ist mit der Rallye Mexiko ein echter Härtetest für die neuen WRC-Boliden zu Ende gegangen. Die Höhe und die Hitze brachten Menschen und Material an ihre Grenzen, zahlreiche Defekte und weitere Dramen prägten diesen zweiten Saisonlauf. Am Ende fuhr Topfavorit Sebastien Loeb seinen fünften Mexiko-Sieg in Folge ein.

Die beiden Ford-Piloten Mikko Hirvonen und Jari-Matti Latvala stehen als Zweiter und Dritter ebenfalls auf dem Podium. Hirvonen verteidigte damit die Führung in der Fahrer-Weltmeisterschaft. Damit endete die Rallye für Ford erfolgreicher, als es zunächst den Anschein hatte. Denn Rivale Citroen gab in Mexiko ganz deutlich das Tempo vor. Die Extrapunkte für die drei ersten Plätze in der abschließenden 8,28 Kilometer langen Power Stage sicherten sich Hirvonen als Schnellster vor Loeb und Petter Solberg.

Citroen-Privatier Solberg beendete die Rallye nach einem herben Rückschlag am Freitag noch auf dem vierten Platz vor den Stobart-Piloten Mads Östberg und Henning Solberg. Auf den Plätzen sieben bis neun reihten sich die drei besten Piloten der S-WRC ein, der Sieg in dieser Wertung ging an Nasser Al-Attiyah vor Martin Prokop (beide Ford Fiesta S2000) und Juho Hänninen (Skoda Fabia S2000), der in der vorletzten Prüfung noch einen Überschlag hinlegte.

Munchi's-Pilot Federico Villagra komplettiert die Top 10 der Gesamtwertung, US-Star Ken Block (Monster) landete auf Rang 13. Am Ende sahen nur 18 Crews die Zielrampe.

Das harte Duell Loebs gegen seinen Citroen-Teamkollegen Sebastien Ogier fiel aus, nachdem Ogier in der ersten Prüfung am Morgen knapp in Führung liegend abflog und ausfiel. Ogier warf damit nach einer starken Rallye alle Chancen weg. Der 28-Jährige lag ab dem Freitagmorgen an der Spitze und musste die Führung am Samstag nur kurzfristig an Loeb abgeben. Ogier war mit einem Vorsprung von 10,5 Sekunden in den Sonntag gestartet - nach 14 Kilometern hatte er dann seinen verhängnisvollen Crash.

Nur wenige Stunden zuvor war noch eine andere Bürde von seinen Schultern genommen worden: Die Rallyeleitung entschied am Samstagabend endgültig, dass er für sein falsches Abbiegen am Freitagmittag im Servicepark nicht bestraft wird, auch wenn das Reglement dabei nicht ganz beachtet wurde.

Durch Ogiers Aus wurde Loeb der Sieg auf dem Silbertablett präsentiert. Zuvor hatte der siebenmalige Weltmeister seine eigenen Mexiko-Dramen erlebt. Zunächst verlief die Rallye für ihn ganz nach Plan. Als WM-Sechster hatte er am Freitag eine gute Startposition und reihte sich am Freitagabend mit minimalen 2,3 Sekunden Rückstand hinter Spitzenreiter Ogier. Damit hatte er die optimale Ausgangslage, um seine gewohnte Taktik umzusetzen, nämlich sich am Samstagmorgen an die Spitze zu setzen und dann den Vorsprung kontinuierlich auszubauen.

Das gelang Loeb zunächst auch. Am Samstagmorgen übernahm er die Führung, bis zum Samstagmittag hatte er fast 20 Sekunden Vorsprung auf Ogier. Doch dann erlebte der Weltmeister einen herben Rückschlag. Am Start zur 15. Wertungsprüfung blieb sein DS3 WRC im dritten Gang hängen, weil ein Verbindungsstück zwischen Schaltknüppel und Getriebe verloren gegangen war. Loeb baute als Provisorium ein Teil der hinteren Stoßstange ein, doch die Reparatur kostete Zeit. Er konnte erst mit fünf Minuten Verspätung in die Prüfung starten und kassierte deshalb 50 Strafminuten.

Damit fiel Loeb mit rund 25 Sekunden Rückstand wieder auf den zweiten Platz hinter Ogier zurück. Er musste eine neue Aufholjagd starten. Bis zum Samstagabend war er wieder bis auf 10.5 Sekunden an seinen Teamkollegen herangerückt. Citroen entschied sich, den Fahrern auch am Sonntag freie Fahrt zu geben, statt sich zurückzuhalten und so den sicheren Doppelsieg nicht zu riskieren. Denn von hinten drohte schon lange keine Gefahr mehr. Ogier riskierte im Duell um den Sieg zu viel, flog ab und Loeb konnte am Ende doch ungefährdet seinem Erfolg entgegen fahren.

Im Ziel hatte er 1:38.4 Minuten Vorsprung auf Ford-Pilot Hirvonen. Der Finne führte die Weltmeisterschaft nach seinem Sieg in Schweden an und musste am Freitag als Erster auf die Schotterpisten. Das machte sich bemerkbar. Hirvonen verlor in jeder Prüfung Zeit und lag am ersten Tag zunächst nur auf dem fünften Platz. Durch Probleme bei Latvala und Solberg war Hirvonen bis zum Freitagabend auf den dritten Platz vorgerückt.

Für den Samstag hatte sich der Ford-Pilot vorgenommen, seinen Rückstand von über einer Minute auf das führende Citroen-Duo zu reduzieren. Doch Ogier und Loeb waren für Hirvonen weiter zu schnell, obwohl sie die Straße fegen mussten. Hirvonen verlor weiter an Boden und konzentrierte sich ab dem Samstagmittag darauf, den dritten Platz zu sichern und auf Fehler der Citroen-Piloten zu warten. So ein Fehler kam, durch Ogiers Aus ging es für ihn im Endspurt noch einen Rang weiter nach vorn.

Teamkollege Latvala am Freitag zunächst der besser platzierte Ford-Pilot. Er lag auf dem vierten Rang, als er durch einen Reifenschaden zweieinhalb Minuten verlor und bis auf den zehnten Platz zurück rutschte. Von dort aus arbeitete sich der junge Finne wieder nach vorn, am Freitagabend war er schon wieder Vierter. Auf dieser Position hielt er sich, obwohl er am Samstagmorgen einen weiteren Reifenschaden zu verzeichnen hatte. Seine Abstände nach vorn und hinten waren so groß, dass er seinen eigenen Rhythmus fahren konnte. Nachdem Ogier am Morgen abgeflogen war, konnte Latvala dann doch noch den letzten Podiumsplatz übernehmen.

Der Solbergsche Kampfgeist

Citroen-Privatier Solberg ging in Mexiko ebenfalls durch Höhen und Tiefen. Er gewann die erste Zuschauerprüfung am Donnerstagabend und lag am Freitag als Dritter in Schlagdistanz auf die beiden Werkspiloten an der Spitze. Doch in der sechsten Wertungsprüfung am Freitagnachmittag zerplatzten Solbergs Siegträume. Weil ein Kabel defekt war, hatte der Motor in seinem DS3 WRC massive Zündaussetzer. Er konnte nur noch ins Ziel der Prüfung schleichen, verlor über sieben Minuten und fiel aussichtslos auf den 14. Platz zurück.

Aber Solberg stellte einmal mehr seinen Kampfgeist unter Beweis und startete eine beeindruckende Aufholjagd. Am Samstag holte er vier Bestzeiten und arbeitete sich Position um Position wieder nach vorn. Da er wusste, dass alles passieren kann, steckte er sich die Top 5 oder vielleicht sogar einen Podiumsplatz als Ziel. Die Top 5 hatte er schon am Samstagnachmittag wieder erreicht. Er ging er als Fünfter in den letzten Tag und rutschte durch Ogiers Aus noch auf den vierten Platz nach vorn.

Stobart-Neuzugang Östberg war nach seinem zweiten Platz in Schweden von Anfang an mit der Taktik in die Rallye gegangen, nichts zu riskieren, sondern seinen eigenen Rhythmus zu finden. Trotzdem erlebte auch er am Freitagvormittag schon einen Rückschlag. Durch einen Reifenschaden verlor er vier Minuten und fiel bis auf den 17. Platz zurück. Im weiteren Rallyeverlauf konnte Östberg eine solide Performance zeigen und wurde durch die vielen Dramen immer weiter nach vorn gespült, so dass er am Ende mit Platz fünf eine Menge weiterer Punkte einsammeln kann.

Sein Teamkollege Henning Solberg war am Samstagnachmittag kurz davor, aufzugeben. Der Norweger hatte ebenfalls eine Menge Probleme, das größte war, das seine Servolenkung den ganzen Samstag über streikte. Solberg hatte schon eine große Blase am Handballen vom angestrengten Lenken und war am Samstagnachmittag so am Ende seiner Kräfte. Er wollte nicht mehr weiterfahren, denn er sah keine Chance, heil durch die kurvenreiche 16. Prüfung zu kommen. Schließlich biss er die Zähne zusammen, kämpfte später noch mit einer gerissenen Bremsleitung und wurde mit dem sechsten Platz für sich und seine Beifahrerin Ilka Minor belohnt.

Munchi's-Pilot Villagra konnte als Zehnter ebenfalls noch einen Punkt holen, nachdem er am Freitag vorzeitig nach einem Unfall ausschied und am Samstag von Bremsdefekten geplagt war. Am Ende kam er ins Ziel geschlichen, weil die Antriebswelle kaputt war. Aber der Argentinier war froh, die Rallye beendet zu haben.

Für US-Star Block nahm ein extrem schwieriges Wochenende mit dem 13. Platz fast noch ein versöhnliches Ende. Zumindest konnte er für die Herstellerwertung punkten. Der Monster-Pilot gehörte zu den großen Pechvögeln dieser Rallye. Er hatte sich für den Lauf auf seinem Heimatkontinent so viel vorgenommen, erlebte aber den ersten Rückschlag schon vor der ersten Prüfung. Die verpasste er wegen eines Elektrikdefekts.

Block startete mit zehn Strafminuten auf seinem Konto in den Freitag, schied dann aber erneut wegen streikender Elektrik vorzeitig aus. Am Samstag ging er mit weiteren Strafminuten erneut unter SupeRally-Bedingungen an den Start, nur um am späten Nachmittag nach einem Unfall erneut auszuscheiden. Heute Morgen erfolgte sein dritter Restart an diesem Wochenende. Und bis zur vorletzten Prüfung lag er sogar auf dem zehnten Platz. Es sah so aus, als ob er für sein Durchhaltevermögen sogar noch mit einem Fahrerpunkt belohnt wird. Doch in der vorletzten Prüfung verlor der US-Star noch einmal über 20 Minuten, weil die Elektrik erneut aussetzte und fiel zurück.

Immerhin kam Block ins Ziel. Weniger Glück hatten andere WRC-Piloten, die nicht mehr bis zum letzten Tag durchkamen. Stobart-Pilot Matthew Wilson musste bereits am Samstagmorgen endgültig aufgeben. Er war zwischenzeitlich auf dem vierten Platz gelegen - so weit vorn wie noch nie. Doch am Freitagabend wurde Wilson ebenfalls durch einen Elektrikdefekt gestoppt. Das Team legte eine Nachtschicht ein, um den Defekt zu beheben, doch Wilsons Ford blieb auf dem Weg zur ersten Samstagsprüfung erneut stehen - das endgültige Aus für den Briten.

Für seinen Teamkollegen Ewgeni Nowikow war die erste Rallye als Stobart-Pilot ebenfalls am Samstag beendet. Der 20-jährige Russe, früher als Heißsporn bekannt, hat sich bei seinem WRC-Comeback gereift präsentiert. Er fuhr umsichtig und riskierte nicht zu viel. Damit lag er auf dem fünften Platz. Doch am Samstagvormittag beschädigte er sich bei einem leichten Einschlag die Kühlung, der Motor überhitzte und Nowikow musste aufgeben, um weitere Schäden am Motor zu vermeiden.

Am Samstagvormittag war die Rallye auch für Dennis Kuipers beendet. Der Niederländer lag auf dem siebten Platz, als er sich mit seinem Ferm-Ford überschlug.

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