vergrößernverkleinern
Petter Solberg schlägt vor, dass die Top 15 ihre Startnummern ziehen © Pettersolberg.com/ Tony Welam

Bremsen statt Vollgas: Bei Schotterrallyes wird um die beste Startposition gepokert - Citroen fordert Änderungen, Petter Solberg schlägt Lossystem vor

Die FIA beschäftigt sich einmal mehr mit dem Thema Startreihenfolge in der Rallye-Weltmeisterschaft (WRC). Das aktuelle System, nach dem am ersten Tag der WM-Führende und dann der Spitzenreiter vom Vorabend als Erster auf die Piste geht, gilt seit 2008. Es führt aber immer wieder zu Diskussionen - vor allem bei Schotterrallyes.

Hier wird in den Nachmittagsprüfungen oft genug mehr gebremst als Gas gegeben. Taktieren ist bei den Spitzenpiloten an der Tagesordung. Wer mit knappem Vorsprung führt, lässt sich gern zurückfallen, um am nächsten Tag nicht den Straßenkehrer spielen zu müssen. Citroen-Teamchef Olivier Quesnel sieht aber noch ein anderes Problem: Die Fahrer, die in der Weltmeisterschaft weit vorn liegen, sind auf der ersten Etappe automatisch im Nachteil.

Deshalb hat Quesnel nun auch eine neuerliche Diskussion zu diesem Thema angestoßen. "In Jordanien wussten wir von Anfang an, dass Mikko Hirvonen und Sebastien Loeb keine Chance auf den Sieg haben werden", wird Quesnel von 'Autosport' zitiert. "Es kam wie vorhergesehen: Latvala und Ogier kämpften um den Sieg. Wenn wir die Regel nicht ändern, werden wir nicht herausfinden, wer wirklich der schnellste Fahrer ist."

Und es wird gemunkelt, dass die Startreihenfolge vielleicht schon vor der nächsten Rallye am nächsten Wochenende auf Sardinien geändert werden könnte. Denkbar wäre es, zum alten System zurückzukehren, bei dem die Top 15 (zunächst der Fahrer-WM und dann des Tagesklassements) in umgekehrter Reihenfolge auf die Piste gingen.

Eine FIA-nahe Quelle bestätigt: "Wir beschäftigen uns mit dem Thema. Und es könnte schon vor der nächsten WM-Rallye eine Regeländerung geben - aber wir müssen vorsichtig an das Thema herangehen und alle Aspekte berücksichtigen. Bevor wir das ändern, wollen wir die Zustimmung der Teams."

Unter den Teams sind die Meinungen dazu allerdings gespalten. So findet Ford-Teamchef Malcolm Wilson das System gut, so wie es ist. "Schaut euch den engen Kampf in Jordanien an! Schaut euch die vorhergegangenen Rallyes dieser Saison an", betont Wilson. "In Schweden hatten fünf Piloten eine Siegchance und in Jordanien hatten wir das knappste Ergebnis der Geschichte. Das liegt genau an der Regelung mit der Startreihenfolge. Wir sehen dadurch aufregenden Sport - wenn wir wieder zur alten Regelung zurückkehren, haben wir wieder die vorhersehbaren Ergebnisse."

Solbergs Vorschlag: Auslosen

Dieser Meinung ist Petter Solberg nicht. Der Citroen-Privatier fordert auch eine Änderung - und schlägt als Alternative vor, die Startplätze einfach auszulosen. "Jetzt ist es einfach langweilig", sagt der Norweger. "Deshalb fahren wir keine Rallyes. Ich möchte vom Start weg Vollgas geben, ich möchte nicht darüber nachdenken, zu bremsen. Das ist ein Wettbewerb, und wir sollten eigentlich so schnell fahren, wie wir können."

"Meiner Meinung nach ist die Lösung, aus einem Hut Nummern zu ziehen", lautet Solbergs unkonventioneller Vorschlag. "Wir packen 15 Startnummern in einen Hut und die Top-15-Fahrer ziehen eine. Das wäre am fairsten, oder? Klar, kann man mal Pech haben, und die Nummer eins ziehen, aber das wird nicht immer passieren."

Laut Solberg würden alle Piloten so denken. "Wir sollten das am Abend vor jedem Wettkampftag tun. Auf diese Art und Weise geben wir alle Vollgas, und keiner kann sich beschwerden", begründet er. "Wir müssen die Top 15 nicht umkehren, sondern einfach Nummern ziehen. So hören wir mit diesen dummen Spielchen auf und betreiben wieder Sport. Und die Entscheidung muss bald fallen."

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel