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Volkswagen hat die letzten drei Jahre die Rallye Dakar gewonnen © imago

Volkswagen steigt in die Rallye-WM ein. Mit einem Polo soll der Titel eingefahren werden. Das Ende einer Erfolgsgeschichte

Olbia - VW kehrt der Wüste den Rücken und will nach drei Dakar-Siegen jetzt mit galaktischer Hilfe die Rallye-WM erobern:

Der aus der Fernseh-Werbung bekannte Darth-Vader-Knirps ließ am Donnerstagabend in Olbia wie von Geisterhand eine weiße Plane vom neuen VW Polo R hinweggleiten.

Mit diesem will der Wolfsburger Automobilkonzern Volkswagen ab 2013 in der Weltmeisterschaft gegen die Platzhirsche Citroen und Ford sowie Rückkehrer Mini antreten.

"Wir wollen nicht mehr nur im Sand erfolgreich sein", sagte Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg, als er auf Sardinien das schon lange nicht mehr gut gehütete Geheimnis lüftete.

Jean Todt begrüßt VW-Einstieg

Jean Todt, Präsident des Automobil-Weltverbandes FIA und ehemaliger Rallye-Beifahrer, hieß in einer Videobotschaft den neuen Wettbewerber herzlich willkommen und wünschte "viel Glück für das neue Abenteuer".

Die künftigen Konkurrenten saßen bei der Präsentation im Vorfeld des zeremoniellen Starts der Sardinien-Rallye in der ersten Reihe und konnten so den neuen Gegner gleich genau in Augenschein nehmen.

"Der Sieg muss das Ziel sein"

Denn der hat hohe Ziele. "Im Motorsport wie in allen anderen Sportarten kann nur ein Sieg das Ziel sein. Wir wollen sicher in absehbarer Zeit um den Titel mitfahren und ihn auch gewinnen", sagte VW-Motorsportdirektor Kris Nissen.

Bei der Präsentation sprach er auch stolz von einem Fünfjahresprogramm.

In den nächsten 20 Monaten soll der Allrad-Renner, der von einem 300 PS starken 1, 6-Liter-Turbomotor angetrieben wird, zur Rennreife entwickelt werden.

Danach folgen von 2013 bis 2015 mindestens drei Jahre im Wettbewerb.

VW will Fans ansprechen

Dort will VW möglichst von Anfang ganz vorne dabei sein und viele Fans ansprechen.

Vor allem in Deutschland fristet die Rallye-WM seit den erfolgreichen Tagen von Walter Röhrl und Audi Mitte der 80er Jahre ein Schattendasein, die Formel 1 hat den Schotterartisten klar den Rang abgelaufen.

[kaltura id="0_9rcd20mu" class="full_size" title="Carlos Sainz im SPORT1 Interview"]

Auf der Suche nach dem neuen Röhrl

VW will die Rallye wieder interessanter machen und beobachtet auch den Markt der deutschen Fahrer genau, wie Nissen erklärte.

"Es wäre toll, wenn wir einen neuen Walter Röhrl in Deutschland hätten. Grundsätzlich steht für uns aber die fahrerische Qualität über der Nationalität", sagte Nissen.

Der Motorsportdirektor könnte aus dem eigenen Fahrerkader auch auf Dakar-Sieger Nasser Al-Attiyah (Katar) zurückgreifen.

"Einfachsten zehn Sekunden"

Den zweimaligen Rallye-Weltmeister Carlos Sainz (Spanien) macht Nissen zu seiner rechten Hand.

"Ich habe einige Zeit gebraucht, Carlos davon zu überzeugen", sagte Nissen mit einem Lächeln: "Das waren die einfachsten zehn Sekunden meines Lebens."

Tests mit Skoda geplant

Mit der endgültigen Entscheidung über die künftigen VW-Piloten will man sich noch Zeit lassen.

Es bestehe keine Eile, meinte Nissen. "Wir sondieren in Ruhe den Markt", sagte der frühere DTM-Pilot und berichtete von "vielen Anfragen".

Noch in der aktuellen Rallye-Saison will VW mit Autos der Konzerntochter Skoda erste Rennerfahrungen sammeln und das Einsatzteam trainieren, für 2012 sind dann mit dem Polo umfangreiche Tests geplant.

Ausstieg aus der Dakar

Um sich komplett auf das neue Rallye-Programm konzentrieren zu können, zieht sich VW aber von der Dakar zurück.

Nach drei Siegen in Folge in Argentinien und Chile werden die Wolfsburger dort 2012 nicht mehr mit einem Werksteam antreten.

Ein Einsatz der erfolgreichen VW Touareg durch Kundenteams wird allerdings laut Nissen derzeit geprüft.

"Ich kann aber nichts versprechen", sagte der Däne, nach dessen Meinung VW bei der Dakar alle Ziele erreicht hat:

"Die Dakar wird immer in unseren Herzen sein und ein Teil unserer Erfolgsgeschichte bleiben."

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