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Die etablierten Gegner sollen ab 2013 nur das Heck des neuen Polo R sehen © Volkswagen

Motorsportdirektor Kris Nissen gibt Aufschluss über das Rallye-Engagement - Der Polo R wird Ende 2011 fahrbereit sein und 2012 ein Testprogramm absolvieren

Auf Sardinien hat Volkswagen das neue Rallye-Programm vorgestellt. Ab der Saison 2013 wollen die Wolfsburger mit dem Polo R die Elite herausfordern. Bis dahin ist aber noch ein langer Weg und viele Fragen sind offen. Wer am Steuer der Boliden sitzen wird, ist derzeit noch völlig unklar. Auch das erfolgreiche Dakar-Programm wird im kommenden Jahr nicht fortgesetzt werden, doch Motorsportchef Kris Nissen kann sich ein Kundenprogramm vorstellen.

Zur Vorbereitung auf den Einstieg wird die Mannschaft einige Rallyes mit einem Skoda Fabia S2000 bestreiten. Nissen erläutert den Fahrplan der Wolfsburger bis zum Debüt 2013. "Unser Programm ist auf fünf Jahre ausgelegt. Die nächsten zwei Jahre werden wir mit der Entwicklung des Autos, des Motors und des Teams verbringen. 2013, 2014 und 2015 werden wir dann im Wettbewerb antreten."

"Wir werden Ende des Jahres bereits mit dem Auto testen. 2012 absolvieren wir dann ein volles Testprogramm. Es geht aber nicht nur um den Motor und das Auto, sondern auch um das Team. Ich habe eine fantastische Mannschaft um mich herum", lobt Nissen. "Dreimal in Folge die Dakar zu gewinnen, ist eine außergewöhnliche Leistung. Trotzdem muss sich das Team auf die Rallyes einstellen."

"Ich bin sehr glücklich über die gute Zusammenarbeit mit Skoda. Wir werden in diesem Jahr noch einige Rallyes mit einem Skoda S2000 bestreiten, aber auch in der kommenden Saison. Das Team kann trainieren und wird üben, damit wir 2013 auf einem hohen Level einsteigen." Einige Skoda-Boliden sind derzeit im Rahmen der S-WRC unterwegs.

Sainz wird nicht Einsatzpilot

Wer künftig am Steuer des Polo R sitzen wird, steht noch nicht fest. Ein Name ist bereits häufiger gefallen: Carlos Sainz. "El Matador" wurde 1990 und 1992 Rallye-Weltmeister, hat seine Karriere aber im Jahr 2004 beendet. Anschließend war der Spanier erfolgreich für Volkswagen bei der Dakar unterwegs. Im Jahr 2010 gewann der 49-Jährige den Marathon-Klassiker.

"Als Carlos zu uns gestoßen ist, war das Team nicht auf dem Niveau, auf dem es jetzt ist", spricht Nissen die reichhaltige Erfahrung des Spaniers an. "Ich habe etwas Zeit gebraucht, um Carlos zu überzeugen, dass er bei uns bleiben soll. Das waren die einfachsten zehn Sekunden meines Lebens."

"Ich bin glücklich, dass Carlos bei uns bleibt und im Prinzip meine rechte Hand ist. Rennfahrer sind verrückt, also bin ich mir sicher, dass er eines Tages auch im Auto sitzen wird. Er hat mir versprochen, dass er keine Rennen fahren wird, aber wir brauchen ihn für einige Tests." Bei der Entwicklung wird Sainz helfen, aber im Wettkampf werden andere Fahrer die VW-Fahne hochhalten.

"Wir sind ein deutsches Unternehmen und alle wollen einen Fahrer aus Deutschland sehen. Wir werden nach ihm oder ihr Ausschau halten. Wir werden sehen, ob es einen Walter Röhrl Junior gibt. Das Wichtigste ist, dass wir Fahrer und Co-Piloten haben, die sich der Herausforderung stellen und das Auto ans Limit bringen. Eines Tages werden wir auch einen guten, jungen und schnellen Deutschen finden."

Kein Werkseinsatz bei der Dakar

Volkswagen ist auf dem Weg, der größte Automobilhersteller der Welt zu werden. "Motorsport kostet Geld, das wissen alle. Es gab Gerüchte über ein hohes Budget, aber das entspricht nicht der Wahrheit", stellt Nissen klar. "Mit den neuen Regeln können wir ein Rallye-Programm fahren, das genauso viel kostet wie die Dakar."

"Wir müssen vielleicht etwas tiefer in die Tasche greifen, wenn wir für die Händler spezielle Veranstaltungen organisieren. Man darf nicht vergessen, dass wir weltweit über 10.000 Händler haben. Sie wollen natürlich die Rallyes mit ihren Kunden besuchen." Nach drei Siegen in Folge wird sich VW als Werksteam von der Dakar zurückziehen.

"Ja und nein. Wir hatten bei der Dakar eine fantastische Zeit. Wir werden 2012 nicht als Werksteam antreten. Uns haben viele Leute kontaktiert. Es sieht derzeit danach aus, dass wir ein Kundenprogramm auf die Beine stellen können. Wir haben die Race-Touaregs und die Technologie, wir haben die Fahrer und das Team. Ich denke, dieses Auto und die Fahrer können auch 2012 konkurrenzfähig sein. Es ist aber noch keine definitive Entscheidung gefallen. Wir würden es gerne machen, aber ich kann nicht versprechen, ob es zustande kommt."

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