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Jean Todt will die Rallye-WM in Zukunft wieder aufregender gestalten © xpb.cc

FIA-Präsident Jean Todt will den Rallye-Sport zurück an die Basis bringen, aber für das moderne Umfeld weiterentwickeln

Die Rallye-WM hat einige harte Jahre hinter sich gebracht. Es kämpften nur zwei Hersteller gegeneinander, während Sebastien Loeb einen Titel nach dem anderen einfuhr. Die Veranstaltungen selbst wurden vereinheitlicht. Alle gingen praktisch über die gleiche Distanz, es gab kaum Belagwechsel und Nachtprüfungen gehörten komplett der Vergangenheit an. Mit der Wahl von Jean Todt zum FIA-Präsidenten hat sich diesbezüglich schon eine Veränderung angedeutet. Bevor der Franzose Ferrari in der Formel 1 zu einem neuen Höhenflug verhalf, war er in der Rallye-WM ein erfolgreicher Beifahrer und Manager bei Peugeot.

Todt kennt die Rallye-Szene wie seine Westentasche und möchte den Kalender zurück zu den Wurzeln führen. Die Rallyes sollen länger werden und mehr Abwechslung bieten. Ein Lauf soll auch wieder einen eigenständigeren Charakter bekommen. Langsam nutzen auch die Veranstalter die Öffnung der Restriktionen aus und lassen sich neue Ideen einfallen, die aber in einem finanziellen Rahmen sein müssen. MINI ist in die WM zurückgekehrt und Volkswagen hat angekündigt, dass man ab 2013 mit einem Polo R dabei sein wird.

Neue Hersteller bereichern das Feld, aber Todt hat noch weiter Vorstellungen, wie der Rallye-Sport in Zukunft aussehen soll. "Man muss ein paar Schritte zurückgehen. Die Evolution des Rallye-Sports war vermutlich nötig. Ich hasse es wenn man sagt, dass in der Vergangenheit alles besser war, aber im Falle der WRC waren einige Sachen besser", wird der Franzose von 'Autosport' zitiert. "Die Zeiten haben sich geändert, das darf man nicht vergessen."

Was in den 70ern, 80ern und 90ern richtig war, muss nicht zwangsläufig heute auch stimmen. Es wäre auch nicht logisch, wenn jemand zu mir sagt, dass man nichts ändern solle. Dann könnte man mich auch fragen, warum wir einen Turbomotor mit vier Zylindern verwenden und nicht einen mit zwölf. Veränderungen sind oft nötig."

"Ich denke, dass die Veränderungen, die zu der aktuellen Situation geführt haben, zu drastisch waren. Für mich muss eine Rallye eine Ausdauerveranstaltung und ein Abenteuer sein. Das Format muss sich ändern. Mir gefällt es nicht, dass man an einem Tag zwei oder dreimal die gleiche Prüfung fährt."

"Man startet um neun Uhr Vormittags, macht dann eine Mittagspause und fährt dann wieder von zwei bis fünf oder sechs am Abend. Für mich hat das nichts mit Rallye-Sport zu tun. Ich möchte die Meisterschaft und den Kalender genau durchleuchten. Deshalb bin ich glücklich, dass ich einen starken Präsidenten in der WRC-Kommission habe, der mit den Organisatoren der 1.000-Seen-Rallye zusammenarbeitet."

"Und Michelle Mouton natürlich, die eine große Vergangenheit im Rallyesport hat. Es sind noch viele andere Personen involviert, mich eingeschlossen. Ich bevorzuge länderübergreifende Rallyes und bin sehr froh, dass wir im nächsten Jahr die Nordic Rallye zwischen Schweden und Norwegen sehen. Es werden neue Ideen umgesetzt. Das braucht seine Zeit, aber ich denke, in meiner Ersten Amtszeit werden wir eine gute Evolution im Rallye-Sport sehen."

Seit dieser Saison kommt in der WM der 1,6-Liter Motor mit Turboaufladung zum Einsatz. Das entspricht dem angedachten "Weltmotor". Wenn Todt mehr Abenteuer in die Rallye-WM bringen möchte und die Hersteller die unterschiedlichen Terrains als Testgelände nutzen wollen - steht das noch im Einklang mit dem "Weltmotor"? "Ja absolut", findet der FIA-Präsident. "Mehr Ausdauer, mehr Abenteuer und höhere Haltbarkeit. Es geht in die umweltbewusste Richtung und es sollen Kosten gespart werden."

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