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Sebastien Loeb gewann als erster Nicht-Skandinavier zum zweiten Mal in Finnland © Red Bull/GEPA

Sebastien Loeb trotzte allen Widrigkeiten und holte sich seinen zweiten Finnland-Sieg - Jari-Matti Latvala Zweiter vor enttäuschtem Sebastien Ogier

Am Ende trotze Sebastien Loeb alles Widrigkeiten: Der Citroen-Pilot zeigte bei der Rallye erneut eine weltmeisterliche Leistung und sicherte sich den Sieg vor Ford-Pilot Jari-Matti Latvala und Sebastien Ogier im zweiten Werks-Citroen. Damit ist Loeb der erste Nicht-Skandinavier überhaupt, der diesen Klassiker zweimal gewinnen konnte.

Im Ziel nach 22 harten Wertungsprüfungen hatte er 8,1 Sekunden Vorsprung auf Latvala, Ogier folgte 4,7 Sekunden dahinter. In der Weltmeisterschaft konnte Loeb als Führender seinen Vorsprung auf Ford-Pilot Mikko Hirvonen auf 27 Zähler ausbauen (171 zu 144).

Im Ziel kletterte Loeb auf das Dach seines Citroen DS3 WRC und feierte ausgelassen. Denn hinter ihm lagen drei anstrengende und schwierige Tage. An allen drei Tagen musste er auf den berühmt-berüchtigten Schotterpisten den Straßenkehrer spielen.

Zunächst musste er als WM-Spitzenreiter als Erster auf die Strecke, dann führten die Taktikspielchen der Konkurrenz dafür. Er selbst versuchte am Freitagabend zu taktieren, indem er zu spät an der Zeitkontrolle eincheckte und zehn Strafsekunden kassierte. Doch die anderem - unter anderem Teamkollege Ogier - wussten rechtzeitig Bescheid und agierten entsprechend.

Aber anders als von vielen erwartet verlor Loeb am heutigen Abschlusstag nicht an Boden, sondern baute seinen knappen Vorsprung sogar noch aus. Teilweise kamen ihm auch die Bedingungen entgegen, da die Pisten stellenweise noch feucht waren. Dazu kam das Glück des Tüchtigen: Ogier fiel aus dem Rennen um den Sieg, als ihn in der 17. Wertungsprüfung ein Reifenschaden ereilte. Nun hatte es Loeb in der Hand, den Sieg nach Hause zu fahren. Doch sicher konnte er sich erst im Ziel sein.

"Es fühlt sich sehr gut an", gibt Loeb strahlend zu Protokoll. "Es war eine sehr schwierige Rallye. Wir mussten an allen drei Tagen die Straße kehren. Jetzt spüre ich Erleichterung, denn der Druck war groß. Das war vielleicht der größte Sieg meiner Karriere, weil ich so hart dafür kämpfen musste. Für die Weltmeisterschaft war es wichtig, mehr Punkte als Ogier zu holen - oder zumindest keine Punkte auf ihn zu verlieren. Das ist gut für die nächsten Rallyes." Denn Ogier hat nun in der Fahrerwertung 31 Zähler Rückstand - gut möglich, dass Loeb bei teaminternen Entscheidungen damit wieder zur klaren Nummer eins wird.

Ford-Pilot Latvala ist weniger zum Feiern zumute, er kann sich über seinen zweiten Platz nicht wirklich freuen. Das ganze Wochenende über gelang es ihm als Lokalmatador und Siegeskandidat nicht, das Tempo der Citroens mitzugehen. Erst heute Nachmittag platzte der Knoten, und der Finne konnte mehr angreifen. So konnte er die Chance auf den zweiten Platz nutzen, die sich ihm durch Ogiers Reifenschaden bot.

"Es war hart", fasst Latvala seine Heimrallye zusammen. "Wir haben richtig gepusht, und ich habe mein Möglichstes versucht, aber ich bin ein bisschen zu spät aufgewacht. Es ist wirklich eine großartige Rallye, und ich bin enttäuscht. Denn ich wollte sie gewinnen. Und das habe ich nicht geschafft."

Noch größer ist die Enttäuschung bei Ogier. Bis zum Nachmittag hatte er mit um den Sieg gekämpft, doch nach seinem Reifenschaden musste er sich mit Platz drei begnügen. Dazu kommt die Aussicht, dass er im Titelkampf bei Citroen früher oder später die Nummer zwei wird. "Es war ein sehr schwieriges Ende für diese Rallye", gibt er den Tränen nahe und wortkarg von sich. "Für den Titelkampf bedeutet das, dass die Situation nicht so gut ist. Natürlich habe ich noch nicht aufgegeben, aber das hier war nicht so gut."

Auf Platz vier kam der Pilot ins Ziel, den man neben Loeb getrost als "Fahrer der Rallye" bezeichnen kann: Mikko Hirvonen. Der Ford-Finne wurde schon in der ersten Prüfung am Donnerstag aller Siegchancen beraubt, als er einen Baum streifte und mit beschädigtem Fiesta Minuten verlor. Am Donnerstagabend fand er sich auf Platz 36 wieder und startete eine beeindruckende Aufholjagd. Hirvonen holte 13 (!) Bestzeiten und arbeitete sich Platz um Platz wieder nach vorn. Sein erklärtes Ziel, nämlich Platz vier, erreichte er am Ende auch. Dazu sicherte er sich die drei zusätzlichen WM-Punkte für den Sieg in der abschließenden Power Stage, vor Latvala und Ogier.

Citroen-Privatier Petter Solberg lag lange auf diesem vierten Rang, er musste sich aber im Endspurt dem übermächtigen Hirvonen geschlagen geben und wurde am Ende Fünfter. Solberg war das ganze Wochenende über nicht zufrieden mit seiner Pace. "Es war eine wirklich harte Rallye. Manchmal erlebt man Enttäuschungen, und dieses Wochenende war ich einfach nicht schnell genug", sagt der Norweger, der im Vorfeld auch zu den Siegkandidaten zählte. "Es kamen auch noch ein paar Probleme dazu. Okay, es ist Platz fünf, aber damit bin ich nicht zufrieden. Ich hatte offensichtlich nicht die Pace. Wir müssen jetzt noch härter arbeiten und schauen, wie es bei den nächsten Rallyes läuft."

Die drei Stobart-Piloten Mads Östberg, Henning Solberg und Matthew Wilson belegten geschlossen die Plätze sechs bis acht. Östberg war lange Fünfter, musste dann aber auch Hirvonen ziehen lassen. Solberg und Wilson profitierten am Schluss von Ausfällen und machten so noch Positionen gut.

Der frühere Formel-1-Weltmeister Kimi Räikkönen beendete seinen dritten Start bei seiner Heimrallye auf dem neunten Platz und damit in den Punkterängen. Sein Beifahrer Kaj Lindström gibt zu Protokoll: "Ich würde sagen, dass es ein gutes Wochenende war. Okay, wir hatten heute Nachmittag einen unglücklichen Zwischenfall, bei dem wir den Frontspoiler verloren haben. Sonst hätten wir die Chance auf den siebten Platz gehabt. Aber wir sind Neunte und damit bin ich auch noch zufrieden."

Juho Hänninen komplettierte die Top 10 der Gesamtwertung. Der finnische Skoda-Werkspilot sicherte sich in seinem Fabia S2000 zudem den Sieg in der S-WRC-Wertung vor Martin Prokop und Ott Tänak (beide Ford Fiesta S2000). Hermann Gassner jun. wurde mit seinem Skoda Fabia Vierter der S-WRC und belegte im Gesamtklassement den 16. Platz.

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