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Sebastien Loeb hat bereits zum 9. Mal in Folge die Rallye-Weltmeisterschaft gewonnen © getty

Der Rekordweltmeister macht in der Heimat die nächste Meisterschaft perfekt. Jetzt will der Franzose die Rundkurse erobern.

Hagenau - Alle Neune vor der Haustür: Während sein Formel-1-Pendant Michael Schumacher seine Karriere beendet, sammelt Rallye-Rekordweltmeister Sebastien Loeb weiter munter einen Titel nach dem anderen.

Mit seinem Sieg bei der Rallye Frankreich hat sich Loeb zum neunten Mal in Folge zum Champion gekrönt - ausgerechnet in Hagenau, seinem Heimatort im Elsass, vollendete er das nächste Kapitel seiner einmaligen Erfolgsgeschichte.

"Es ist wirklich unglaublich", sagte Loeb nach seiner umjubelten Zielankunft: "All diese Menschen hier sind wundervoll, besser geht es einfach nicht. Eine Steigerung ist nicht möglich."

Finnen ohne Chance

Mit 15,5 Sekunden Vorsprung auf den Ford-Piloten Jari-Matti Latvala sicherte sich "Super-Seb" im Citroen DS3 den achten Saisonsieg. Dritter wurde sein Teamkollege Mikko Hirvonen (beide Finnland) mit 44,1 Sekunden Rückstand.

In der WM-Wertung führt Loeb nach dem elften von 13. Saisonläufen nun uneinholbar mit 244 Punkten vor Hirvonen (173) und Latvala (131). Die erfolgreiche Titelverteidigung war nur eine Frage der Zeit (NEWS: Alles zum Motorsport).

Keine Fehler

Seit Jahren ist Loebs Ausnahmestellung der konstante Faktor in der World Rally Championship (WRC). Schnelligkeit und Vernunft prägen den Stil des 38-Jährigen, auch in Frankreich führte diese Kombination zum Sieg.

Nach einem Fehler Latvalas am Samstag fuhr Loeb seinen Sieg souverän nach Hause. Er weiß, wann er Risiko gehen muss - und wann er besser vom Gas geht. Routine ist der Schlüssel zum Erfolg für den einstigen Spätstarter.

Gemeinsam mit seinem monegassischen Beifahrer Daniel Elena stieg Loeb seit 2004 zum erfolgreichsten Rallye-Fahrer der Welt auf.

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Kein Vergleich mit Schumacher

Erst mit 21 Jahren war der frühere Kunstturner ernsthaft in den Motorsport eingestiegen, entwickelte sich in der Folge vom Asphaltspezialisten zum Allrounder, brach Punkt- und Siegrekorde.

Doch dem Mann, der außerhalb seines Rennwagens stets etwas gelangweilt wirkt, scheint jeder Hype zuwider. Im Gespräch mit der "FAZ" lehnte er unlängst einen Vergleich mit Schumacher strikt ab - dieser sei der beste Rennfahrer der Welt.

"Es geht mir nicht darum, am Ende meiner Karriere neun, zehn oder elf Mal Weltmeister zu sein", sagt Loeb: "Das sind alles nur Zahlen, und die interessieren mich nicht. Ich muss nicht berühmter sein, als ich es derzeit bin." Er fahre, weil er Spaß am Wettbewerb habe.

Kein 10. Titel

Titel, sagt Loeb, zähle er nicht, Ruhm suche er nicht - und so reifte der Entschluss des schrittweisen Ausstiegs aus der WRC wohl schon, bevor der neunte Triumph in Reichweite rückte. 2013 wird Loeb sein Engagement deutlich zurückfahren.

Die Rallye Monte Carlo wird er sich im kommenden Jahr nicht entgehen lassen, auch in Frankreich will er definitiv wieder starten. Insgesamt tritt er aber wohl nur drei- bis viermal an - und macht damit Platz für einen neuen Weltmeister.

Tourenwagen-WM winkt

Der Beginn eines Rücktritts, darauf legt Loeb wert, sei dies aber nicht. "Es ist eine Neuorientierung", sagt er. Den Rallye-König zieht es auf die Rundstrecke.

Wohl ab 2014 will Loeb, 2006 bereits Zweiter bei den 24 Stunden von Le Mans, gemeinsam mit Citroen in der Tourenwagen-Weltmeisterschaft (WTCC) an den Start gehen.

"Ohne eine neue Herausforderung, ohne das Adrenalin des Wettkampfs", sagt er, `kann ich nicht leben."