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Sebastien Ogier hat Volkswagen den ersten Sieg mit dem neuen Polo R WRC beschert © Volkswagen

Mit einer dominanten Leistung gewinnt Sebastien Ogier die Rallye Schweden und beschert Volkswagen den ersten Sieg mit dem brandneuen Polo R WRC

Sebastien Ogier hat Motorsport-Geschichte geschrieben. Nach Platz zwei bei der berühmten Rallye Monte Carlo dominierte der Franzose die Winterrallye in Schweden und eroberte beim erst zweiten Start des brandneuen Volkswagen Polo R WRC den ersten Sieg. Im Mai 2011 verkündete Volkswagen den Einstieg in die Rallye-WM. Eineinhalb Jahre lang wurde der neue Bolide entwickelt. Und von Beginn an war er konkurrenzfähig. Außerdem ist Ogier der zweite Nicht-Skandinavier nach Sebastien Loeb (2004), der in Schweden gewinnen konnte. Für Ogier ist es der erste Sieg seit Frankreich 2011, der insgesamt achte in seiner Karriere und sein erster auf Schnee.

"Es war ein perfektes Wochenende und einfach unglaublich. Natürlich hatte ich das nicht für möglich gehalten. Es ist eine große Überraschung", sagt der Franzose überwältigt im Ziel. "Natürlich haben wir das ganze Jahr über hart gearbeitet. Trotzdem haben wir diese Performance nicht erwartet. Es könnte nicht besser sein. Heute Vormittag hatte ich großen Druck, weil Sebastien sehr schnell war. Ich musste ihm folgen und durfte nicht alles riskieren. Es ist unglaublich auf diese Art zu gewinnen."

Weltmeister Loeb (Citroen) musste sich schließlich um 41,8 Sekunden geschlagen geben. Bis zur vorletzten Prüfung hielt der Franzose den Druck hoch, doch die Niederlage wurde schon am Donnerstag besiegelt. Im Qualifying war Loeb klar zu langsam und musste deshalb am Freitag eine frühe Startposition wählen. Dadurch ging eine knappe halbe Minute verloren, die er am Samstag und Sonntag nicht mehr aufholen konnte. "Wir haben im Qualifying viel verloren."

"Dadurch hatte ich keine gute Startposition. Nach dem Qualifying mussten wir noch die Abstimmung verändern. Es waren zwei Fehler am ersten Tag. Seb Ogier ist eine perfekte Rallye gefahren. Mehr konnte ich nicht tun." Noch zwei weitere Rallyes wird der Ausnahmekönner in seiner beispiellosen Karriere absolvieren. In der abschließenden Power-Stage stellte Ogier die Bestzeit auf und holte sich drei Bonuspunkte. Jari-Matti Latvala (Volkswagen) holte zwei Zähler und Mads Östberg (Ford) einen. Dank der Bonuspunkte hat Ogier die Führung in der WM übernommen.

Östberg komplettiert das Podest

Die Markenvielfalt auf dem Podium machte schließlich Östberg perfekt. Der Norweger büßte am Freitag auch durch eine Zeitstrafe einige Sekunden ein. Schließlich entwickelte sich am Samstag ein Duell gegen Latvala, das Östberg um 6,1 Sekunden für sich entschied. "Mir war schon früh klar, dass wir nicht gewinnen konnten. Es war ein großer Kampf, mich auf den dritten Platz zu kämpfen. Für mich war die Rallye ein ständiges Auf und Ab", lautet sein Fazit.

Für Latvala war es eine interessante Rallye. Der Finne hat deutlich weniger Testkilometer im Polo absolviert als Ogier. Mit jedem Kilometer entdeckte er die Geheimnisse des neuen Boliden und tastete sich an das Limit heran. Seine größte Erkenntnis: Er muss seinen Fahrstil an den Polo anpassen. Mit Platz vier hat Latvala seine ersten WM-Punkte in diesem Jahr gesammelt. "Mein Fahrstil war nicht so toll, aber wichtig ist, dass wir die WM-Punkte geholt haben. Ich habe den Speed noch nicht gefunden und habe mich bei der Abstimmung im Kreis gedreht."

Auch Thierry Neuville (Ford) freute sich über seine ersten Zähler in diesem Jahr. Der Belgier absolvierte eine fehlerfreie Rallye auf für ihn ungewohntem Terrain und wurde am Ende belohnt. "Daran hätte ich nie gedacht. Platz fünf ist unglaublich, ich bin sehr glücklich. Es war ein tolles Wochenende für uns. Wir haben viel gelernt. Freitagnachmittag und Samstag sind wir gute Zeiten gefahren. Heute haben wir gelernt und geschaut, dass wir die Punkte mitnehmen." Gemeinsam mit seinem Co-Piloten Nicolas Gilsoul arbeitete Neuville an einem neuen System für den Aufschrieb.

Hänninen und Nowikow enttäuscht

Auf Platz sechs war der nächste Skandinavier zu finden: Juho Hänninen (Ford) unterlief am Samstag ein Fehler, aber ansonsten meisterte auch er die Herausforderungen. "Natürlich bin ich zufrieden, dass ich viele Kilometer zurückgelegt habe. Trotzdem bin ich enttäuscht, dass ich so weit hinter der Spitze lag. Das hatte ich nicht erwartet. Es war trotzdem eine sehr schöne Rallye mit schönen Prüfungen. Ich habe das Potenzial des Autos nicht ganz ausnutzen können." Noch steht nicht fest, wann Hänninen wieder in der WRC starten wird.

Die ersten sechs Fahrer waren alle mit Michelin bereift. Martin Prokop (Ford) setzte auf DMACK und eroberte genau wie in Monte Carlo Rang sieben. "Für uns war es sehr gut. Wir haben viel auf Schnee gelernt. Diese Erkenntnisse kann ich auch in Zukunft auf Schotter verwenden", sagt der Tscheche. Glück hatte WRC-Rückkehrer Henning Solberg (Ford). Auf dem Weg zur ersten Sonntagsprüfung gab es ein Problem mit der Lichtmaschine. Der Norweger konnte ihn beheben und wurde trotz der Strafe noch Achter.

Pech, aber auch Glück hatte Jewgeni Nowikow. In WP20 war der Russe in einer Kurve zu schnell und überschlug sich. Mit Ausnahme der Windschutzscheibe war das Auto unbeschädigt und Nowikow konnte weiterfahren. Ihm und seiner österreichischen Co-Pilotin Ilka Minor war dabei nichts passiert, doch sie fielen vom fünften auf den neunten Rang zurück. "Es ist enttäuschend. Wir haben einen guten Speed gezeigt und ich denke, dass wir im nächsten Jahr um ein besseres Ergebnis kämpfen können. Wir haben guten Speed gezeigt, aber das Ergebnis gefällt mir nicht."

WRC2: Platz drei für Wiegand

Außerhalb der Punkteränge kam Mikko Hirvonen (Citroen) ins Ziel. Der Vizeweltmeister hatte sein Auto schon auf WP2 im Schnee versenkt und über 25 Minuten verloren. "Es war nicht mein Wochenende", lautet sein Kommentar. In der Power-Stage ging er als Vierter leer aus. Auch Michal Kosciuszko, Jarkko Nikara (beide Mini) und Matthew Wilson (Ford) kamen außerhalb der Top 10 ins Ziel.

In der WRC2 sicherte sich Yazeed Al-Rajhi (Ford) den Sieg und belegte zudem im Gesamtklassement Rang zehn. Über drei Tage lieferte er sich ein enges Duell gegen Anders Gröndal (Subaru), der sich schließlich geschlagen geben musste. Der Deutsche Sepp Wiegand (Skoda) kletterte bei seiner Schweden-Premiere als Dritter auf das WRC2-Podest. "Es war ein toller Saisonstart für mich. Hier gab es keine Chance auf die Plätze eins oder zwei. Ich muss auf Schnee noch mehr Erfahrung sammeln. Die Punkte sind für die WM sehr wichtig", sagt die Nachwuchshoffnung.

Die nächste Rallye findet vom 7. bis 10. März in Mexiko statt.

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