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Walter Röhrl würde Sepp Weigand lieber heute als morgen im WRC-Auto sehen © xpbimages

Walter Röhrl freut sich über den Aufstieg von Sepp Wiegand, fordert aber möglichst bald WRC-Einsätze für den 24-Jährigen

Viele Jahre lang fristete der Rallyesport in Deutschland ein Schattendasein. Deutsche Hersteller waren in der Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) nicht engagiert, und auch deutsche Fahrer suchte man in der WRC viele Jahre lang vergebens. So ist auch 31 Jahre nach dem Gewinn seines letzten WM-Titels immer noch Walter Röhrl der Name, den die meisten Menschen mit dem Rallyesport verbinden. "In Deutschland kam halt nach meiner Zeit nichts mehr", muss der 66-Jährige im Interview mit der 'FAZ' dann auch nachdenklich feststellen.

Zwar erlebte der Motorsport in Deutschland in den 1990er Jahren durch den Aufstieg von Michael Schumacher einen Boom, der Rallyesport konnte davon jedoch nicht profitieren. Im Gegenteil: "Für alle anderen Motorsportarten war er schlecht, weil jeder nur noch Formel-1-Fahrer werden wollte. Jeder hat sich in den Gokart reingesetzt, jeder Sponsor wollte nur noch in die Formel 1", klagt Röhrl.

Doch mittlerweile hat sich die Ausgangslage verändert. Mit Volkswagen ist seit dieser Saison ein deutsches Team in der WRC vertreten, und einige hoffnungsvolle Nachwuchstalente streben in Richtung Rallye-Weltmeisterschaft. Einer davon ist Sepp Wiegand, der schon zum erweiterten Kreis des Volkswagen-Teams gehört und in diesem Jahr für die Konzerntochter Skoda mit einem Fabia in der WRC2 antritt - und das mit Erfolg. Gleich bei der ersten Rallye in Monte Carlo gewann der 24-Jährige die Klassenwertung, in Schweden fuhr er als Dritter ebenfalls aufs Podium.

Nicht zu lange mit WRC-Einsätzen warten

Die Förderung des jungen Sachsen ist für Röhrl ein wichtiges Zeichen pro Rallyesport: "Da ist das Angebot von Skoda natürlich ein Signal. Der Sepp Wiegand hat da jetzt das große Los gezogen", meint der Regensburger. Zudem hat Volkswagen-Motorsportdirektor Jost Capito Wiegend bereits Einsätze im Polo R WRC in Aussicht gestellt. Diese sollte nach Ansicht von Röhrl eher früher als später erfolgen: "Allzu lange sollte man aber nicht warten", mahnt der zweimalige Weltmeister.

Das Argument, dass Wiegand, der erst 2010 mit dem Rallyesport begann, noch zu unerfahren sei, will der 66-Jährige nicht gelten lassen und verweist auf den Karriereverlauf des neunmaligen Weltmeisters Sebastien Loeb: "Der Loeb ist eine Saison Super 1600 gefahren, dann haben sie ihn in ein World Rallye Car gesetzt - und er ist Zweiter bei der Monte geworden", so Röhrl. Seiner Ansicht nach seien in der Vergangenheit viele junge Fahrer zu lange in unterklassigen Serien gefahren. "Wenn ich beispielsweise Matthias Kahle sehe: Was bringt dir das, wenn du fünfmal deutscher Meister wirst? Gar nichts. Also: ruhig mal in ein schnelles Auto."

Wiegand sieht sich (noch nicht) als neuer Röhrl

Nach Meinung von Röhrl würde sich erst in der WRC die Spreu vom Weizen trennen, ein wirkliches Talent setze sich auch dort durch: "Wenn es einer kann, dann hat er das ganz schnell raus. Dann sollte man ihn ruhig einmal bei einem Wettbewerb fahren lassen. Das stärkt dich." Wichtig sei für Wiegand nun: "Er muss jetzt möglichst viel Auto fahren." Durch die kürzeren Rallyes würde jungen Piloten die nötige Erfahrung hinter dem Lenkrad fehlen. So sei Röhrl während seiner aktiven Zeit 300.000 Kilometer im Jahr gefahren: "Das fährt der Sepp in seinem ganzen Leben nicht."

Wiegand selbst fühlt sich zwar von Vergleichen mit dem Altmeister geehrt, sieht sich selbst aber noch ganz am Anfang seiner Karriere: "So schnell geht das nicht. Ich weiß, dass ich noch so viel lernen muss, um schnell und ganz oben an der Spitze zu sein", so Wiegand ebenfalls in der 'FAZ'. Seine Erfahrungen im Polo R WRC beschränken sich auf einige Runden auf dem Platz, reizen würde den 24-Jährigen ein Rallye-Einsatz mit dem WRC-Auto allerdings schon: " Ja, das wäre schon mal interessant. Man muss es einfach mal probieren."

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