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Jari-Matti Latvala fuhr souvern und eroberte die Fhrung © Volkswagen

Trotz Start-Nachteils: Latvala vorn, Ogier Zweiter, Mikkelsen Vierter - Dramen prägen Tag eins auf Sardinien: Rallye Italien fordert Mensch und Material extrem

Clever den Nachteil wettgemacht - Volkswagen hat den ersten Tag der Rallye Italien auf den Plätzen eins, drei und vier beendet. Und das, obwohl ihre gemäß Meisterschaftsstand vorgegebenen Startpositionen einen immensen Nachteil zur Konkurrenz bedeuteten. Nach einem Kraftakt rangieren Jari-Matti Latvala/Miikka Anttila im Polo R WRC an der Spitze - vor ihren Volkswagen-Teamkollegen Sebastien Ogier/Julien Ingrassia, Mads Östberg (Citroen) sowie Andreas Mikkelsen/Ola Flöne .

Die Volkswagen-Duos gingen als WM-Erste, -Zweite und -Dritte am Eröffnungstag der Rallye Italien auch als erste drei Fahrzeuge auf die Wertungsprüfungen. Angesichts einer Schicht losen Sands ein großer Nachteil, da sich die Bedingungen mit jedem weiteren World-Rally-Car verbesserten, das die Pisten freifegte. Die Gefahr, auf den besonders schmalen und verwundenen Prüfungen der Rallye Italien mit einem Fahrfehler auszuscheiden, war besonders für die zu Beginn gestarteten Rallye-Autos groß.

Von den 15 in die Rallye gegangenen World-Rally-Cars erreichten lediglich zwölf das Ziel des Rallye-Freitags, einige fielen weit zurück. Wie immens der Straßenkehrer-Effekt war, zeigte der zweite Durchgang der vier am Freitag absolvierten WPs. Auf "Terranova Nord 2", "Terranova Sud 2", "Coiluna-Crastazza 2" und "Loelle 2" gingen beinahe sämtliche Top-3-Zeiten - elf von zwölf möglichen - an den Volkswagen Polo R WRC. Insgesamt schlagen für das World-Rally-Car aus Wolfsburg seit 2013 504 Top-3-Zeiten bei 335 absolvierten WPs zu Buche. 24 Mal belegte der Polo R WRC alle Top-3-Plätze einer WP.

"Es war ein sehr guter erster Tag für uns und es hat viel Spaß gemacht, keine Frage", freut sich Latvala. "Vor der Rallye hätte ich nicht erwartet, heute zu führen, denn unsere frühe Startposition war kein Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Am Morgen hatten wir kurz ein weiches Bremspedal, konnten es aber beheben und sind ohne Probleme durchgekommen. Unser Vorsprung ist erfreulich, aber es ist sonnenklar, dass unsere Teamkollegen morgen angreifen und alles versuchen werden, uns einzuholen. Daher müssen wir cool bleiben und mit dem gleichen Tempo und der gleichen Fahrweise weitermachen."

Etwas mehr Mühe hatte Weltmeister Ogier: "Der Auftakt war noch härter als erwartet: kein Grip, die Strecke war durch den losen Sand extrem rutschig. Julien und ich haben alles versucht, aber als erstes Auto auf der Strecke hat man bei diesen Bedingungen keine Chance auf eine Top-Zeit. Erwartungsgemäß lief es am Nachmittag im zweiten Durchgang besser und wir haben mit Gesamtrang zwei noch das Beste herausgeholt. Morgen werde ich natürlich weiter pushen und angreifen."

Mikkelsen hat nach dem Freitag noch alle Chancen auf einen Podestplatz: "Volkswagen hatte heute das Luxusproblem, als Erster, Zweiter und Dritter auf die Strecke zu gehen. Das ist bei dem vielen losen Schotter ein klarer Nachteil, und alle nach uns gestarteten hatten bessere Bedingungen als wir", betont der Norweger. "Doch das ist Teil des Sports und wir haben heute versucht, das Beste daraus zu machen."

"Ich denke, das ist uns geglückt und wir haben jetzt gute Ausgangspositionen für die kommenden Rallye-Tage. Es war heute außerdem mein erster voller Rallye-Tag mit Ola als Beifahrer an meiner Seite. Die Kommunikation lief von Anfang an perfekt und Ola hat einen perfekten Job gemacht. Dass die 'Amtssprache' bei uns nun wieder Norwegisch ist, ist super. Apropos Norwegen: Morgen wollen wir versuchen, das Norweger-Duell mit Östberg zu gewinnen."

Volkswagen Motorsport-Direktor Jost Capito sah wieder einen perfekten Tag seiner drei Mannschaften: "Ein großes Kompliment an unsere Volkswagen-Fahrer. Der Auftakt in die Rallye Italien war sehr turbulent und voller sportlicher Dramen. Sowohl M-Sport-Ford, Hyundai als auch Volkswagen haben heute die Rallye zwischenzeitlich angeführt. Es war besonders leicht, heute einen folgenschweren Fehler zu begehen und sich das Auto zu beschädigen."

"Besonders, wenn man als Erster, Zweiter und Dritter auf der Strecke die rutschigsten Bedingungen aller Teams vorfindet. Wir wollten nicht nur den Zeitverlust in Grenzen halten, sondern alle drei Polo R WRC heil ins Ziel bringen. Dass wir dabei auf den Plätzen eins, zwei und vier landen, hätten wir vorher nicht gedacht, da der Nachteil hier auf Sardinien besonders groß ist. Alle drei, Sebastien, Jari-Matti und Andreas, sind heute sehr clever gefahren."

Und da war dann noch Feuerwehrmann Ogier. Der Weltmeister war als Erster zur Stelle, als das World-Rally-Car des sportlichen Gegners Mikko Hirvonen (M-Sport-Ford) auf der Verbindungsetappe zwischen WP drei und vier Feuer fing. Ogier und sein Beifahrer Ingrassia stoppten sofort und versuchten gemeinsam mit Hirvonen sowie seinem Beifahrer Jarmo Lehtinen das Feuer mit dem Bordfeuerlöscher des Polo R WRC zu löschen. "Leider war nichts mehr auszurichten. Es tut einem in der Seele weh, ein World-Rally-Car ausbrennen zu sehen", so Ogier. Die beste Nachricht aber war: Hirvonen und Lehtinen kamen mit dem Schrecken davon.

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