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Sandro Cortese baute sein WM-Konto auf 55 Punkte aus © imago

Sandro Cortese überholt in der WM-Wertung Folger, der am Sachsenring wie Bradl stürzt. Zwei deutsche Wildcard-Fahrer punkten.

Hohenstein-Ernstthal - Jonas Folger standen die Tränen in den Augen, Stefan Bradl übte mit gesenktem Kopf Selbstkritik, nur Sandro Cortese war nach Platz sechs "irgendwie auch ein bisschen happy":

Bei den deutschen Motorrad-Assen herrschte beim Heimspiel auf dem Sachsenring mehr Katerstimmung als Partylaune.

Die Träume der drei deutschen Sieghoffnungen waren an einem chaotischen Wochenende in Sachsen mit zahlreichen Wolkenbrüchen, mehr als 50 Stürzen und einem Rennabbruch in der 250er-Klasse jäh geplatzt.

Gastarbeiter sorgen für Furore

Der 15 Jahre alte Shootingstar Folger (Schwindegg/Aprilia) und der letztjährige WM-Vierte Bradl (Zahling/Aprilia) schieden nach Stürzen aus.

Cortese konnte zumindest Schadensbegrenzung betreiben und führt das geschlossen zusammenliegende deutsche Trio in der Gesamtwertung der 125er-Klasse als Achter nun an.

Für überraschende Highlights sorgten die deutschen Gaststarter: Der vom fünfmaligen Weltmeister Toni Mang betreute Marcel Schrötter (Pflugdorf/Honda) holte nach seinem Husarenritt als Vierter im Qualifying durch Rang zwölf seine ersten vier WM-Punkte.

Wildcard-Pilot Daniel Kartheininger (Boos/Honda) fuhr bei seiner WM-Premiere als 15. ebenfalls einen Zähler ein. Toni Finsterbusch (Krostitz/Honda) belegte Rang 21.

Folger war mit stockender Stimme anschließend kaum in der Lage, sein Rennen zu analysieren. "Beim Abbremsen ist die Maschine mir einfach weggerutscht", sagte er. (Quali: Folger stürzt, Schrötter überrascht)

Bradls Material- und Selbstkritik

Stefan Bradl fand nach seinem Sturz dagegen deutliche Worte. "Ich habe erst angefangen, zu denken, als ich auf der Fresse lag", meinte der 19-Jährige, im Vorjahr noch umjubelter Zweiter.

"Ich war einfach enttäuscht über Platz sieben und wollte zu viel. Aber in der jetzigen Situation muss ich mit diesen Platzierungen wohl zufrieden sein. Das Motorrad und der Fahrer geben im Moment nicht mehr her", fügte Bradl an. Deshalb müsse man die Erwartungen für den Rest der Saison "wohl zurückschrauben".

Zukunftssorgen macht sich der Sohn des früheren Vize-Weltmeisters Helmut Bradl in der heißen Verhandlungsphase aber nicht: "Ich glaube schon, dass man mich nächstes Jahr in der WM sieht."

Bester Nicht-Spanier

Cortese zog trotz 21 Sekunden Rückstandes auf den überlegenen Sieger und WM-Spitzenreiter Julian Simon (Spanien/Aprilia) noch ein versöhnliches Fazit. "Natürlich hätte ich lieber auf dem Podest gestanden", sagte der 19-Jährige: "Aber es war ein schwieriges

Wochenende, deshalb bin ich irgendwie auch ein bisschen happy, bester Deutscher geworden zu sein."

Damit war er beim iberischen Fünffach-Erfolg in der Achtelliterklasse übrigens auch bester Nicht-Spanier.

Lukratives Rennwochenende

Obwohl die erhofften Erfolge der Lokalmatadoren ausblieben und das Wetter auf die Stimmung drückte, machten 214.711 Zuschauer an den drei Renntagen den WM-Lauf wieder zum bisher bestbesuchten deutschen Sportereignis des Jahres.

So fährt die Motorrad-WM im Gegensatz zu den deutschen Formel-1-Läufen auf dem Nürburgring und in Hockenheim auch Gewinne ein. "Wir sind in einer sehr guten Position im Moment", sagte ADAC-Motorsportpräsident Hermann Tomczyk: "Wir haben mit dem Vermarkter Dorna gemeinsam in die Zukunft investiert, und nun profitieren beide davon."

In der MotoGP wandelt Superstar Valentino Rossi weiter auf den Spuren des 15-maligen Weltmeisters Giacomo Agostini.

Mit seinem Sieg auf dem Sachsenring baute der Italiener seine Führung in der Gesamtwertung der MotoGP weiter aus und fuhr die 159. Podiumsplatzierung seiner Karriere ein. Diese Zahl hatte bisher nur Rossis Landsmann Agostini erreicht.

Simoncelli setzt Aufholjagd fort

Das 250er-Rennen gewann nach Abbruch und Neustart der Titelverteidiger Marco Simoncelli. Der Gilera-Pilot aus Italien siegte nach spannendem Fünfkampf vor dem Spanier Alex Debon (Aprilia). Der deutsche Wildcard-Fahrer Marcel Becker aus Chemnitz hatte im Qualifying das Zeitlimit überschritten und durfte beim Rennen nicht starten.

In der WM-Wertung führt der diesmal drittplatzierte Japaner Hiroshi Aoyama (Honda) mit 134 Punkten vor dem in Sachsen auf Rang vier platzierten Spanier Alvaro Bautista (Aprilia/124). Der zu Saisonbeginn verletzte Simoncelli ist mit 102 Zählern nun schon Dritter.

Nach einem Sturz des Ungarn Imre Toth, des Italieners Alex Baldolini und des Thailänders Ratthapark Wilairot in der ersten Kurve war das Rennen offiziell wegen der Wetterbedingungen neu gestartet worden.

Wilairot war wegen einer Verletzung am Bein beim Neustart nicht mehr dabei.

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