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Hiroshi Aoyama hat sich trotz aller Widrigkeiten an die Spitze der WM gesetzt © Honda

Hiroshi Aoyama setzte sich mit unterlegenem Material an die 250er-Spitze und hofft, bis zum Saisonfinale gegen die großen Favoriten kämpfen zu können

Zu Beginn der Saison gab es in der 250er-Weltmeisterschaft zwei klare Favoriten: Titelverteidiger Marco Simoncelli und sein Rivale Alvaro Bautista. Doch nun geht ein ganz anderer Pilot als Spitzenreiter in den Endspurt: Hiroshi Aoyama. Das Besondere daran: Anders als Simoncelli und Bautista fährt der Japaner nicht in einem voll ausgerüsteten Werksteam, sondern er ist im Scot-Honda-Team mit einem veralteten Bike und Minimalbudget unterwegs.

Das sind eigentlich nicht die Voraussetzungen, um als einer der Titelanwärter in die Saison zu starten. Doch Aoyama entwickelte sich zum Überraschungsmann. Und zu Beginn des Jahres, war er froh, überhaupt ein Team gefunden zu haben. Denn als sein bisheriger Arbeitgeber KTM aus der 250er-WM ausstieg, stand der Japaner erst einmal auf der Straße.

"Normalerweise weiß man am Ende einer Saison, was man im nächsten Jahr macht. Ich aber wusste gar nichts, weil es keinen verfügbaren Platz gab", blickt Aoyama im Interview mit 'motogpmatters.com' zurück. Es war eigentlich zu spät, sich nach einem neuen Arbeitgeber umzuschauen, da die meisten Teams ihre Personalplanungen schon abgeschlossen hatten. Doch Anfang 2009 kam er dann beim Privatteam Scot-Honda unter. Der Einsatz in der 250er-WM wurde allerdings mit heißer Nadel gestrickt.

"Die Zeit wurde knapp und deshalb konnten wir nur ein Mini-Team zusammenstellen", erinnert sich der Japaner. "Normalerweise hat man zwei Bikes, aber wir haben nur eins. Also hatten wir nur eine Maschine, ganz wenige Mechaniker und sehr wenig Zeit." Am Saisonbeginn sei auch noch gar nicht alles bereit gewesen. Es sei schon etwas anderes, als in einem Werksteam zu fahren, so Aoyama.

Deshalb habe auch niemand mit Topergebnissen gerechnet. "Auch das Bike ist alt, sie haben mit der Weiterentwicklung vor zwei oder drei Jahren aufgehört. Niemand hatte irgendwelche großen Erwartungen", berichtet er. Er selbst dachte, dass die Plätze fünf oder sechs schon gute Ergebnisse wären: "Aber irgendwie habe ich mich auf dem Bike gut gefühlt und alles hat gut funktioniert."

Kämpfen bis zum Schluss

Bei noch vier ausstehenden Rennen hat Aoyama 13 Punkte Vorsprung auf Bautista und 40 Punkte Vorsprung auf Simoncelli. Der Titelgewinn ist möglich, doch der Japaner gibt sich bescheiden: "Ein Fehler kann alles wieder ändern. Doch wir kämpfen um den Titel. Das hätte niemand erwartet und ich bin darüber sehr glücklich."

Aoyama fährt bereits seit sechs Jahren in der 250er-WM. Ob ihm die in dieser langen Zeit gesammelte Erfahrung so weit nach vorn gebracht hat, kann er jedoch nicht beurteilen. Tatsache ist jedoch, dass er clever fährt, Risiken abwägt und deshalb auch weniger Stürze hat als seine beiden jungen Rivalen.

"Vielleicht war es einfach nur Glück, dass ich bisher so selten gestürzt bin", erklärt er. "Ich war schon oft kurz davor, vielleicht passiert es mir auch demnächst, ich weiß es nicht." Aber er weiß: "Ich muss gegen die anderen kämpfen, und dieser Fight wird für uns einfacher, wenn sie zum Beispiel ihr Selbstvertrauen verlieren."

Nun hat das Japaner das große Ziel bereits vor Augen - vier Rennen lang muss er seinen Vorsprung noch verteidigen. Ob ihm das auch gelingen wird? "Um ehrlich zu sein, weiß ich es nicht, denn es kann alles passieren", sagt er. "Aber ich hoffe, dass wir bis zum letzten Moment mit um den Titel kämpfen können. Dann wäre ich glücklich. Und wenn wir ihn gewinnen können, dann wäre ich sehr, sehr glücklich."

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