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Auf der Rennstrecke soll es hart, aber fair zugehen, wünscht sich Vito Ippolito © Honda

Nachdem der Umgang in der WM immer rauer wird, ruft FIM-Präsident Vito Ippolito die Fahrer in einem offenen Brief zu fairem Verhalten auf

Mitunter geht es in der Motorrad-Weltmeisterschaft deftig zur Sache. Paradebeispiele für den "herzlichen" Umgang der Fahrer untereinander lieferten die Rennen in Misano. In der MotoGP erntete Gresini-Pilot Alex de Angelis heftige Beschimpfungen, nachdem in der zweiten Runde bei seinem Sturz Colin Edwards und Nicky Hayden mit ins Aus riss, die Maschine von Jorge Lorenzo berührte und Randy de Puniet durch den Kies schickte.

In Misano ging es auch im 125er-Rennen hoch her. Hauptdarsteller war Andrea Iannone, der zuerst den Führenden Pol Espargaro von der Piste rammte, ihm danach im Kiesbett einen Kopfstoß verpasste und schließlich vor den Reportern übel über seinen Kontrahenten schimpfte. Immer wieder kochen die Emotionen über und es hagelt Strafen. Beim Versuch, nach vorn zu kommen, werden die Ellbogen auf der Piste oft zu weit ausgefahren. Und inzwischen wird auch gern verbal nachgelegt.

FIM-Präsident Vito Ippolito beobachtet das mit Sorge und hat sich deshalb mit einem offenen Brief an die Grand-Prix-Piloten gerichtet. Er beginnt mit den Worten: "Aufgrund der vielen Zwischenfällen zwischen Fahrern, die sich seit Saisonbeginn ereignet haben und aufgrund von Kommentaren der Piloten, die in den Medien veröffentlicht wurden, möchte ich als FIM-Präsident Folgendes anmerken."

Und zwar: "Unser Sport hat das Privileg, dass er im Fernsehen von Millionen Zuschauern verfolgt wird und dass weltweit hunderte von Medien darüber berichten. Unsere Fans bewundern den Mut und das Talent der Fahrer. Das sind die zwei Hauptgründe, die uns zu einer der populärsten Sportarten der Welt machen", so Ippolito.

"Fahrer müssen auch hoch konzentriert sein, sehr gute Nerven haben und die richtigen Entscheidungen treffen, um eine erfolgreiche Karriere zu haben. Das geht natürlich physisch und mental an die Substanz und deshalb ist es möglich, dass Fehler gemacht werden", räumt der FIM-Präsident ein. "Aber dieser Zustand der 'agonistischen Trance' kann keine Entschuldigung sein für so unfaires Verhalten im Wettbewerb, wie wir es erlebt haben."

Und das sei genau der Grund, warum ein solches Verhalten hart bestraft werden müsse, so Ippolito weiter. Doch noch schlimmer sei es, wenn wie kürzlich geschehen, "der Mangel an Fairplay über den sportlichen Wettbewerb hinausgeht, mit vulgären und beleidigenden Äußerungen über den Gegner. Das ist noch unverzeihlicher."

"Wir müssen unseren vielen Zuschauern nicht nur zeigen, wie spektakulär unser Sport ist, sondern auch, wie wichtig uns das Fairplay ist", appelliert der FIM-Präsident. "Die meisten Fahrer respektieren die sportlichen, moralischen und ethischen Werte. Deshalb können wir niemanden erlauben, dass er unfair und unehrlich siegt oder sich so verhält."

"Ich hoffe wirklich, dass so etwas nicht wieder passiert und dass die Ritterlichkeit, die unsere Champions immer ausgezeichnet hat, sich durchsetzen kann", schreibt Ippolito, der mit einer deutlichen Drohung schließt: "Sollten sich solche Zwischenfälle künftig noch einmal ereignen, wird die FIM nicht zögern, einzugreifen und die nötigen disziplinarischen Schritte gegen die betroffenen Fahrer einzuleiten."

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