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Ein wenig schmutzige Wäsche wird bei jeder Trennung gewaschen. © Suzuki

Falsche Versprechungen führten dazu, dass Chris Vermeulen, laut eigener Aussage, seinen Vertrag im Vorjahr bei Suzuki verlängert hat

Rückblende: Vor einem Jahr gibt Chris Vermeulen bekannt, wie stolz er darauf sei, dass er seine Loyalität gegenüber seinem Arbeitgeber beweisen konnte und trotz der Zweifel bezüglich der Leistungsfähigkeit der Maschine und Angebote anderer Teams wie Gresini seinen Vertrag mit Suzuki verlängerte.

Ein Jahr später ist die Suzuki noch immer nicht dafür bekannt, den anderen um die Ohren fahren zu können, und Chris Vermeulen steht vor dem Abschied - nicht nur von Suzuki sondern gleich aus der gesamten Klasse: er wechselt mangels Angeboten in die Superbike-WM.

"Im Nachhinein bin ich vielleicht ein Jahr zu lange bei Suzuki geblieben", sagt der Australier vor seinem Heim-Grand-Prix. "Ich hatte die Möglichkeiten, innerhalb der MotoGP zu wechseln. Ich habe Suzuki vertraut und mich entschieden zu bleiben. Wenn ich diese Entscheidung noch einmal treffen könnte, würde ich mich anders entscheiden."

2009 verlief für Vermeulen enttäuschend. Nicht nur, dass er in steter Regelmäßigkeit von Teamkollegen Loris Capirossi in die Schranken gewiesen wurde, auch die Maschine machte nicht die erhofften Fortschritte. Frust machte sich breit. Als Suzuki auf ihn zukam, um über die Verlängerung seines Kontrakts zu sprechen, erklärte er, dass er sich woanders umschauen werde, falls sich das Paket nicht verbesserte.

Vermeulen verzockt sich

"Der Hauptgrund war die technische Seite", erklärt Vermeulen. "Sie konnten mir nicht den Nachweis liefern, dass die Entwicklung in die Richtung gehen würde, wie ich es für nötig erachtete. Ich habe daraufhin gesagt, dass ich nicht zu 100 Prozent interessiert bin. Damit begann alles."Nachdem Vermeulen die Entscheidung gefällt hatte, dass er Suzuki verlassen wollte, musste er plötzlich erkennen, dass, anders als ein Jahr zuvor, der Transfermarkt zum Stillstand gekommen war und alle Sitze für 2010 in der MotoGP bereits vergeben waren. So blieb einzig der Ausweg, zu den Superbikes zu wechseln.

"Ich bin schon aufgeregt, was meine Zukunft anbelangt. Ich habe schon mit vielen gesprochen, die gesagt haben, dass die Superbikes in einigen Ländern sogar populärer sind. Ich sehe das nicht als Abstieg oder Rückschritt, es ist eher ein Schritt zur Seite.", meint Vermeulen.

Vermeulen vierter Heim-Grand-Prix

Der Australien-Grand-Prix 2009 wird der vierte und vorerst letzte für Vermeulen in der Königsklasse des Motorradsports sein wird. "Wenn ich das Podium erreichen könnte, wäre das absolut fantastisch", sagt Vermeulen, der 2006 bereits in einem Regenrennen in Phillip Island auf den zweiten Rang fahren konnte.

"Dieses Jahr konnte ich noch nicht auf das Podium fahren. Das ist mir bisher noch in jedem Jahr gelungen, seitdem ich im Grand-Prix-Zirkus bin. Es war halt bisher nicht die einfachste Saison für mich", erklärt Vermeulen.

Abgesehen vom Positiv-Ausrutscher aus 2006 ist die Strecke auf Phillip Island auch nicht als Suzuki.-Strecke bekannt. Die langen schnellen Kurven kommen dem Set-Up der Maschine, im Gegensatz zum Beispiel zur Ducati, nicht entgegen. "Wir haben das Bike an den Stellen weiterentwickelt, bei denen es Probleme hatte", sagt Vermeulen. "Gott sei Dank sind wir ein wenig näher an der Spitze dran, aber wir haben immer noch nicht die PS, wie einige andere Maschinen."

Am Ende befällt Vermeulen dann doch so etwas wie Abschiedsschmerz. Er sagt, dass es schon ein wenig weh tut, dass er die Königsklasse verlassen muss, ohne sein Potenzial vollständig ausgeschöpft zu haben. "Es wäre schön, wenn ich mich mit einem oder zwei Podiumsplätzen verabschieden könnte", sagt Vermeulen. Dann würde wohl auch das Suzuki-Team in Abschiedsschmerz verfallen.

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