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Lorenzo wird in der kommenden Saison neue Gesichter in seiner Box begrüßen © Yamaha

Hinter den Kulissen der MotoGP tobt ein heftiger Kampf um die fähigsten Mechaniker und Angestellten der Motorradszene

Während der Transfermarkt für Fahrer in diesem Winter so gut wie geschlossen ist, geht es auf dem Markt für technische Angestellte zu wie auf dem orientalischen Basar. Bereits im Rahmen des Grand Prix von Phillip Island kam Bewegung in den Stellenmarkt, als bekannt gegeben wurde, dass Pete Benson, Crewchef von Andrea Dovizioso, und Daniele Romagnoli, Teammanager von Jorge Lorenzo, Ende diesen Jahres ihre Positionen aufgeben werden.

Das war allerdings erst der Anfang. Es scheint, als sei der Wunsch, sich beruflich zu verändern, in der MotoGP besonders ausgeprägt. Momentan sieht es danach aus, als gebe es schon einen großen Verlierer - Jorge Lorenzo, dessen Garage einem wahren Aderlass ausgesetzt ist.

Drei Mechaniker haben dem Mallorquiner bereits den Rücken gekehrt. An vorderster Front sind dabei Andrea Zugna, der Leiter der Yamaha-Motorenabteilung, und der Mechaniker Cristian Battaglia, zu nennen. Besonders schmerzlich ist für Lorenzo sicherlich, dass diese beiden bei der Konkurrenz angedockt haben und ab der kommenden Saison auf der Gehaltsliste des Honda-Werksteams stehen.

Zugna und Battaglia haben sich einen Namen gemacht, da sie bei der Entwicklung des besten Elektronikpakets in der MotoGP entscheidend mitgewirkt haben. Allerdings haben sie selber daran mitgewirkt, sich überflüssig zu machen und ihr Wissen den japanischen Mechanikern vermittelt, die nun für dieses Programm verantwortlich zeichnen. In dem Spezialisten für Telemetrie Carlo Luzzi verlässt eine dritte wichtige Person Lorenzo in Richtung Honda. Luzzi dockt in der Garage von Dovizioso an, wo er den Platz von Pete Benson einnehmen wird. Sein Nachfolger in der Yamaha-Box wird der ehemalige Telemetrie-Spezialist von Chris Vermeulen, David Marelli.

Die Verpflichtung des Trios aus der Lorenzo Box wird allenthalben als Zeichen dafür gesehen, dass es bei Honda einen Politikwechsel geben wird. Benutzt Honda im Bereich der Elektronik und des Motorenmanagements momentan noch eine Eigenproduktion aus der Formel-1-Abteilung, könnte Honda unter Zuhilfenahme des Expertenwissens von Zugna, Battaglia und Luzzi schon bald auf das Paket von Magneti Marelli zurückgreifen. Schon der Wechsel zur Aufhängung von Ohlins zeigte, dass bei Honda die strikte Politik, nur auf inhäusige Produktionen zurückzugreifen, aufgeweicht worden ist. Sollte Honda zu Magneti Marelli wechseln, wäre das Suzuki-Team die einzige Mannschaft, die nicht auf die italienische Elektronik setzt.

Durch den heftigen Kampf hinter den Kulissen um die schlauesten Köpfe setzt sich erneut ein Trend fort, der durch den Wechsel von Valentino Rossi von Honda zu Yamaha seinen Anfang gefunden hat. Galt es früher als ehernes Gesetz, dass die japanischen Motorradgiganten sich nicht gegenseitig das Personal abspenstig machen, gelten heutzutage die Gesetze des freien Marktes.

Ein weiterer Trend wird durch den Aderlass in Lorenzos Garage ebenfalls untermauert: die steigende Bedeutung der Mechaniker. Zwar gilt immer noch die alte Regel, wonach zwei Drittel der Leistung auf der Strecke von der Stärke des Piloten resultiert, allerdings liegt das Niveau der Spitzenfahrer derart eng zusammen, dass wiederum die Einstellung der Maschine über Sieg und Niederlage entscheidet. So kommt es, dass sich die großen Spieler in der MotoGP in einem Überbietungswettlauf um die besten Köpfe befinden. Und als bestes Argument hilft bekanntlich der Mammon. Deshalb ist davon auszugehen, dass - trotz der Bemühungen der Dorna, die Kosten in der WM via technischen Reglementierungen zu senken - es steigende Kosten geben könnte.

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