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Casey Stoner wurde 2007 auf der Ducati Weltmeister im MotoGP © getty

Nach einer lange nicht erkannten Lactose-Intoleranz kritisiert der Weltmeister von 2007 seine früheren Ärzte heftig.

Madonna di Campiglio - Gekränkt, gedemütigt und als "Spinner" abgetan hat der frühere Motorrad-Weltmeister Casey Stoner heftige Kritik an seinen Ärzten geübt.

"Alle haben geglaubt, ich sei nicht normal. Niemand hat mir geglaubt", sagte der Australier in Madonna di Campiglio: "Wenn man denkt, jemand sei verrückt, dann glaubt man ihm eben nicht, wenn er es abstreitet."

Monate vergingen, bis ein Arzt feststellte, dass der Weltmeister von 2007 an einer Lactose-Intoleranz (Milchzucker-Unverträglichkeit) leidet, die ihn letztlich sogar zu einer Pause von drei Rennen zwang.

"In den ersten Rennen habe ich noch gedacht, ich hätte Schnupfen und ein bisschen Fieber. Aber mir war schnell klar, dass es mehr ist. Nach zwei oder drei Runden war ich regelmäßig schweißgebadet", berichtete Stoner.

Psychisches Problem

Sein Gang zu zahlreichen Ärzten blieb zunächst ohne Ergebnis.

"Sie haben alles untersucht, aber meine Blutwerte waren gut. Deshalb blieb für sie nur noch die Erklärung, dass es sich um ein psychisches Problem handeln muss", sagte Stoner.

Er fühlt sich von diesen Diagnosen noch heute gekränkt: "Ich bin ein Siegertyp. Es ist ausgeschlossen, dass ich mitten in einer Saison mentale Probleme bekomme. Die Lösung ist manchmal ganz einfach, aber nur ein einziger Arzt hat sie schließlich gefunden."

Sensibilität wächst

Die Sensibilität für mentale Probleme im Sport ist in den letzten Monaten ständig gewachsen.

Nicht nur in Deutschland, wo der Selbstmord des an Depressionen leidenden Fußball-Nationaltorhüters Robert Enke am 10. November 2009 die Nation schockte.

Viele fühlen sich in der Leistungsgesellschaft allerdings nach wie vor bei der bloßen Erwägung psychischer Probleme gekränkt. Stoner gehört offenbar dazu. "Ich werde versuchen, diese Sache zu vergessen", sagte er.

Kampfansage an Rossi

Weil er seit Monaten keine Milchprodukte mehr zu sich nimmt, sieht er sich im Kampf gegen Dauerrivale Valentino Rossi um die WM-Krone in der Königsklasse MotoGP wieder in einer guten Position.

"Ich hatte in den letzten Jahren immer gesundheitliche Probleme, die mich meinen Urlaub im Winter gekostet haben. Dieses Jahr konnte ich die freie Zeit genießen und habe Kraft getankt", erzählte er.

Große Hoffnung

Die Hoffnung auf den zweiten Titel in der MotoGP nach 2007 ist daher groß: "Ich hatte in den letzten beiden Jahren schon alle Möglichkeiten zu gewinnen. Da ging es mir aber schlecht. Nun bin ich wieder gesund und will meine Chancen nutzen."

Lediglich Stoner und sein Ducati-Teamkollege Nicky Hayden (USA/2006) haben seit Einführung der MotoGP 2002 außer Rossi den Titel gewonnen.

"Dottore" das Maß aller Dinge

Den achtmaligen Weltmeister aus Italien sieht Stoner immer noch als das Maß der Dinge.

Der "Dottore" sei "zweifellos der Stärkste", fahrerisch wie mental. "Es fasziniert mich, wie er mit den Fans und den Medien umgeht", sagte der mit 24 Jahren sechs Jahre jüngere Australier: "Besonders faszinierend ist die Art und Weise, wie er unter Druck reagiert."

Doch an seiner eigenen mentalen Stärke lässt Stoner ja auch keinerlei Zweifel.

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