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Shoya Tomizawa gewann 2010 in Katar das Premieren-Rennen der Moto2 © getty

Beim Rennen in San Marino kommt es zu einem schweren Unfall. Der Japaner kollidiert bei Höchstgeschwindigkeit mit zwei Fahrern.

Misano - Die Motorrad-Welt steht unter Schock: Der japanische Pilot Shoya Tomizawa ist nach einem furchtbaren Unfall beim Großen Preis von San Marino in Misano gestorben.

Der 19-Jährige war im Moto2-Rennen bei rund 200 km/h schwer gestürzt und wurde von zwei folgenden Motorrädern überrollt. Er erlag wenig später im Krankenhaus seinen schweren inneren Verletzungen.

"Das ist, wie wenn ein Familienangehöriger stirbt", sagte der deutsche Suter-Pilot Stefan Bradl, der um 12.36 Uhr Sekunden nach dem Unfall an Tomizawas reglosem Körper vorbeigerast war, völlig schockiert.

Erst in der vergangenen Woche war der 13 Jahre alte US-Nachwuchsfahrer Peter Lenz im Rahmenprogramm des Großen Preises der USA in Indianapolis tödlich verunglückt.

Die beiden Todesfälle werden in den nächsten Tagen eine neue Sicherheitsdebatte auslösen. Das Rennen der Moto2 in Misano wurde nach dem schweren Unfall noch nicht einmal unterbrochen.

Herzstillstand bereits auf der Strecke

Nach dem ersten Sieg seiner Karriere beim Saisonauftakt in Katar hatte der Japaner selbst hervorgehoben, wie gefährlich der Motorrad-Sport ist: "In einem Rennen kann so viel passieren, man kann ganz schnell schwer stürzen."

Tomizawas Hinterrad war beim Anbremsen für eine Rechtskurve plötzlich ausgebrochen, was zum Sturz führte. Während er über den Asphalt rutschte, wurde er von Alex de Angelis und Scott Redding überfahren und blieb schließlich reglos liegen.

Tomizawa erlitt Frakturen am Oberkörper und einen Schädelbruch, zudem traten schwere innere Blutungen auf. Nach einem Herzstillstand wurde der Japaner an der Strecke zunächst wiederbelebt, doch die Ärzte konnten sein Leben nicht retten. Um 14.20 Uhr Ortszeit starb der Suter-Pilot im Krankenhaus von Riccione.

"Das war der schlimmste Sturz meiner Karriere"

Redding, der diverse Knochenbrüche erlitt, wurde im Streckenkrankenhaus behandelt. Auch Alex de Angelis, dessen Maschine Tomizawa ebenfalls erfasst hatte, war schockiert.

"Das war der schlimmste Sturz meiner Karriere. Ich habe alles versucht, um nur das Motorrad und nicht ihn zu erwischen", sagte der unverletzte frühere Vize-Weltmeister mit zitternder Stimme.

Es war der erste Todesfall in der Motorrad-WM seit dem 20. April 2003. Damals war der Japaner Daijiro Kato gestorben, der zwei Wochen zuvor in Suzuka schwer verunglückt war. Tomizawa fuhr seit 2006 in der Motorrad-WM, mit seinem Sieg in Katar beim Premierenrennen der Moto2-Klasse hatte er seinen Durchbruch geschafft.

Rossi hoffte vergeblich

Die deutschen Fahrer reagierten wie alle anderen Piloten mit großer Bestürzung.

"Mein fünfter Platz ist mir jetzt völlig egal. Schließlich habe ich ihn gekannt", sagte Bradl: "Schon nach dem Rennen war meine erste Frage, wie der Unfall ausgegangen ist. Jetzt fehlen mir fast die Worte."

Auch Superstar Valentino Rossi war tief betroffen.

"Wenn so etwas passiert, ist alles andere nicht mehr wichtig. Er war ein sympathischer Fahrer. Ich habe gehofft, es wären nur schwere Verletzungen", sagte der neunmalige Weltmeister aus Italien.

"Es ist schlimm und schrecklich"

Während Jorge Lorenzo, der Führende in der WM-Wertung der MotoGP, von einem "traurigen Tag" sprach, suchte San-Marino-Sieger Dani Pedrosa nach Worten: "Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Zwei Fahrer in einer Woche ..."

Bradl bezeichnete Tomizawa als einen "sehr lustigen und lebensfrohen Menschen. Ein gar nicht typischer Japaner, eher ein europäischer. Er hat immer viel Spaß gehabt und viel Spaß gemacht. Und er war ein sehr schneller Rennfahrer."

Im Alter von drei Jahren war Tomizawa bereits auf Mini-Bikes gefahren. Bereits im dritten Rennen der laufenden Saison war er in Le Mans gestürzt, der Crash verlief jedoch glimpflich.

Die beiden fünften Plätze von Stefan Bradl (Moto2) und Sandro Cortese in der 125-ccm-Klasse gerieten angesichts der Tragödie zur Nebensache.

"Es ist schlimm und schrecklich, ich habe den Unfall aus nächster Nähe gesehen. Tomizawa lag nach dem Sturz 20 Meter neben mir", berichtete Bradls Teamchef Stefan Kiefer.

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