Shoya Tomizawas Unfall-Tod von Misano wirft viele Fragen auf. Doch Schuld trägt keiner, und auch der Rennabbruch lag nicht nahe.

Der tödliche Unfall von Shoya Tomizawa beschäftigt die Moto-GP-Welt. Ein kleiner Fahrfehler mit fatalen Folgen wirft nun viele Fragen auf.

Tomizawa war Rennfahrer mit Fleisch und Blut. Der 19-jährige war für seinen spektakulären, ja fast schon furchtlosen Fahrstil bekannt und beliebt.

Mir persönlich wird er vor allem wegen einer Sache in Erinnerung bleiben. Shoya hatte das ehrlichste und breiteste Lächeln, das ich auf diesem Planeten zu Gesicht bekommen habe.

Genau dieses Grinsen fand der sympathische Japaner, weil er einen Traum hatte. Tomizawa lebte für seine große Leidenschaft, den Motorradrennsport.

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Ich selber habe diesen Traum auch gelebt und war mir bewusst, wie gefährlich unser Sport ist. Jeder Rennfahrer, ob auf zwei oder vier Rädern, weiß tief in sich drinnen, dass die Möglichkeit besteht, irgendwann nicht unbeschadet die Zielflagge zu sehen - und kann es doch nicht sein lassen.

Genau deswegen sind wir wahrscheinlich alle Rennfahrer geworden. Tennis oder Golf hätte diese Leidenschaft nicht entfachen können?

Wer war nun Schuld? Keiner. Tomizawa hatte im Kampf ums Podium diesen einen kleinen Fahrfehler Eingangs Kurve 11.

Er musste kurz seine Linie im Scheitelpunkt der Curvone nachjustieren und stürzte übers Vorderrad. Ohne Fremdeinwirkung hätte er sich wahrscheinlich nur einen heißen Hintern geholt und wäre davon gelaufen. Es war einfach nur Pech!

Weder Alex de Angelis oder Scott Redding hatten nur den Hauch einer Chance auszuweichen. Das war alles eine Sache von Millisekunden bei über 200 km/h. Sie haben beide keinerlei Schuld, werden aber diese schreckliche Sekunde in ihrem Leben nie wieder vergessen. Ich wünsche beiden auf jeden Fall viel, viel Kraft in den nächsten Tagen und Monaten ...

Hätte man das Rennen abbrechen sollen? Im Nachhinein ist es immer leicht, mit dem Finger auf die Rennleiter zu zeigen. Ich aber hätte nicht in ihrer Haut stecken mögen.

Nach jedem Rennsturz gibt es für die Zuständigen nur eine wichtige Frage: Sind die anderen Fahrer auf der Rennstrecke gefährdet?

Schafft man es die Unfallstelle bis zur nächsten Runde sicher zustellen, wird weitergefahren. Das ist eine Entscheidung von Sekunden. Bevor die erste Zeitlupe läuft, muss sie getroffen sein.

Kein Mensch kann anhand der ersten Bilder beurteilen, wie schwer die Verletzungen wohl sein werden.

Auch der arme Streckenposten hatte keine Schuld. Im Eifer der Rettung ist ihm kurz die Trage aus der Hand gerutscht. Bitter, aber gewiss nicht der Grund, warum Shoya Tomizawa nicht mehr unter uns weilt...

Die Rennstrecke war an dieser Stelle breit genug, die Auslaufzonen waren mehr als ausreichend. Tomizawa trug perfekte Schutzkleidung. Nichts hätte man an diesem Tag sicherer machen können. Shoya Tomizawa war schlichtweg zur falschen Zeit am falschen Ort.

In den letzten 20 Jahren gab es im Rahmen Motorradweltmeisterschaft zwei tödliche Unfälle. Fast unglaublich wenn man manchmal die spektakulären Bilder sieht. Betrachtet man das mal ganz nüchtern, bezweifle, ob jeder Einzelne im Straßenverkehr viel sicherer lebt.

Denn wir steigen alle zusammen mit Kind und Kegel wieder in den Ferienflieger, wohl wissend, dass jedes Jahr die eine oder andere Maschine nicht sicher landen wird.

Ruhe in Frieden Shoya Tomizawa?

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