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Valentino Rossi gewann vier seiner neun WM-Titel mit Yamaha © getty

Der Italiener laboriert noch an seiner Schulterverletzung. Schumacher traut er den großen Wurf in der Formel 1 nicht mehr zu.

Madonna di Campiglio - Der Körper streikt, das Motorrad zickt, doch der Superstar will die Krallen zeigen: Die italienische Traumehe zwischen Ducati und Valentino Rossi wird für den neunmaligen Weltmeister nach eigener Auskunft zur "größten Herausforderung meiner Karriere".

Grund für Rossis Skepsis sind die anhaltenden Probleme an der operierten Schulter. "Ich sage euch gleich: Es wird nicht möglich sein, vom ersten Rennen an Ergebnisse einzufahren", verkündete der Italiener bei seiner Vorstellung als neuer Fahrer des Traditionsteams am Dienstag: "Es wird sicher noch fünf oder sechs Monate dauern, bis ich wieder der Alte bin."

Kämpfer Rossi, der im Vorjahr sieben Monate mit der im April bei einem Moto-Cross-Training verletzten Schulter fuhr und nach einem später erlittenen Schienbeinbruch in Rekordgeschwindigkeit zurückkehrte, steht damit abseits der Strecke vor seinem größten Kampf.

WM-Titel 2011 unmöglich?

"Das wird ein schönes Duell zwischen mir und meiner Schulter", sagte er schmunzelnd: "Ich werde auch hier versuchen, schneller zu sein als alle anderen. Aber mein Körper entscheidet, ich wohne nur darin."

Seinen zehnten WM-Titel hält er 2011 aber praktisch für unmöglich, Rossis Favoriten in der MotoGP sind Titelverteidiger Jorge Lorenzo und der von Ducati zu Honda abgewanderte Casey Stoner. (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News)

Bis zur vollständigen Heilung könnte Rossi schon einen entscheidenden Rückstand im Titelrennen haben, zumal er nicht die Möglichkeit hat, sich bei Tests an die als störrisch geltende Ducati zu gewöhnen.

Rossi will "das Instrument" in seiner Tonart spielen

"Historisch gesehen ist die Desmosedici ein schlimmes, ein böses Motorrad", sagte Rossi: "Sie ist anders als alle anderen Maschinen, man muss sie mit den Krallen fahren." Sobald er fit ist, will er die Ducati zu seinen Gunsten entwickeln.

"Es ist unmöglich, sie völlig umzukrempeln, aber ich will dafür sorgen, dass ich das Instrument in meiner Tonart spielen kann, denn nur dann kann ich gewinnen", meinte Rossi.

Karriereende war nie ein Thema

Vorwürfe, er habe die Verletzung unterschätzt, ließ der "Dottore" nicht gelten. "Nicht einmal die Ärzte konnten absehen, dass diese Verletzung schlimmer ist als gedacht", sagte er.

Die Möglichkeit, die Schulter-OP zeitgleich mit dem Eingriff am Bein durchzuführen, bestand für den Italiener nicht: "Ich hatte solche Schmerzen am Schienbein, dass es unmöglich gewesen wäre, beides zu ertragen. Außerdem hätte ich dann wochenlang ruhig im Bett liegen müssen, und das ist bei mir absolut unmöglich."

Ein vorzeitiges Karriereende zog der 31-Jährige jedoch nie in Betracht. "Ich habe nie daran gedacht aufzuhören", versicherte er: "Ich bin sicher, ich habe noch einige gute Jahre vor mir. Und der Frust der letzten Monate hat meine Motivation nur noch gesteigert."

Fast ganz Italien atmet auf

Der Antrieb ist klar: Der Titel mit der unglaublich schnellen, aber auch schwierigen Ducati, die bis dato nur Stoner im Jahr 2007 zum Weltmeister machte, wäre für Rossi nach neun Titeln in vier verschiedenen Klassen und mit drei unterschiedlichen Fabrikaten die Krönung der Karriere.

Zumal mit seinem Wechsel von Yamaha für viele Fans in seiner motorradbegeisterten Heimat ein Traum in Erfüllung ging. 95 Prozent der Italiener hatten sich die Verbindung zwischen ihrem laut zahlreicher Umfragen beliebtesten Sportler und der Zweirad-Traditionsmarke gewünscht.

Rossis typischer Konter: "Ich werde versuchen, auch noch die anderen fünf Prozent zu überzeugen."

Rossi gibt nicht auf

Seine Lockerheit hat er trotz all der Schmerzen und Rückschläge nicht verloren. Ob er reifer und ruhiger geworden sei, fragte ihn ein Journalist nach der um 10 Uhr begonnenen Pressekonferenz.

"Nein, nein, keine Angst", antwortete Rossi mit seinem bekannt spitzbübischen Lachen: "Es ist einfach nur zu früh, vor 12 bin ich noch nicht auf der Höhe."

Das wird er auch zum Saisonstart nicht sein. Doch einer wie Valentino Rossi gibt niemals auf.

Rossi glaubt nicht an Schumacher

Eine Rückkehr von Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher zu alter Stärke hält Rossi für nahezu ausgeschlossen.

"Michael hat es sich sicher anders vorgestellt. Er hat wahrscheinlich gedacht, wieder gewinnen zu können, aber wenn man so lange weg war, ist es fast unmöglich zu siegen", sagte der neunmalige Zweirad-Weltmeister.

"Es wird sehr schwierig

Schumacher war im Vorjahr nach drei Jahren Abstinenz in die Formel 1 zurückgekehrt und als Mercedes-Pilot ohne Podestplatz nur Neunter im WM-Klassement geworden.

Die von Schumacher für 2011 anvisierte Rückkehr an die Spitze hält Rossi, der im Motorradzirkus einen ähnlichen Status hat wie Schumacher in der Formel 1 und bereits mehrfach Ferrari-Boliden testete, kaum für möglich.

"Michael will weitermachen und hofft, dass nun die Ergebnisse kommen. Aber wie gesagt, es wird sehr schwierig", sagte Rossi.

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