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Valentino Rossi (l.) ist neunmaliger Weltmeister in der MotoGP-Klasse © getty

Stoner hält Rossis "Sorry" für eine Alibi-Entschulidung, was dem Italiener nur ein müdes Lächeln abringt.

Von Christoph Gschoßmann

München - Es war die meistdiskutierte Szene nach dem Regenrennen in Jerez:

Valentino Rossi will in einer Rechtskurve innen an Casey Stoner vorbeiziehen - der Italiener bremst zu spät, verliert den Grip und räumt den Australier ab.

Der neunmalige Weltmeister Rossi kann weiter fahren und erreicht zum Schluss sogar noch Rang fünf, während der Champion von 2007 aus Down Under aufgeben muss.

Nach dem Rennen zeigte sich die lebende Motorrad-Legende reumütig und ging sofort und noch in voller Montur zu seinem Kontrahenten.

"Es war komplett mein Fehler und ich muss mich bei Casey entschuldigen. Ich weiß, dass er jetzt sehr sauer ist, denn ihm ist ja kein Fehler passiert. Ich bin direkt zu ihm gegangen", meinte Rossi bei SPORT1.

Stoner hält Rossis Entschuldigung für reine Show

Obwohl Stoner keine Bestrafung für Rossi fordert und die Szene als Unfall ohne böswillige Absicht abtut, konnte er sich bissige Bemerkungen in Richtung des Italieners nicht verkneifen. "Der Ehrgeiz hat das Talent ausgebremst. Kein Problem."

Stoner weiß genau, wie er die Entschuldigung Rossis einzuschätzen hat. Für ihn war das "Sorry" nach dem Rennen ein reiner Show-Act.

"Ich habe schon einmal gesagt, dass Valentino nichts macht, wenn nicht gerade eine Kamera drauf hält als Alibi. Er kommt nicht alleine, um sich im Stillen zu entschuldigen. Er kommt, um es vor allen zu machen", sagte er bei SPORT1.

Rossi: "Er weiß wohl nicht, wer ich bin"

Das wiederum erheitert den 105-fachen Grand-Prix-Sieger, der umgehend zurückschießt. "Vielleicht weiß er nicht genau, wer ich bin", zitiert "Autosport" Rossi.

Was Stoner allerdings noch mehr aufs Gemüt schlägt als der Fehler des Altmeisters, ist die Reaktion der Streckenposten.

Nach der Kollision rannten gleich zahlreiche Helfer zu dem Ducati-Fahrer, schoben ihn mit vereinten Kräften an und trugen so ihren Teil dazu bei, dass Rossi am Ende noch auf Rang 5 landete.

Streckenposten als Rossi-Fans

Stoner hingegen blieb die Unterstützung des eigentlich neutralen Personals hingegen verwehrt. " Wenn uns mehr Leute angeschoben hätten, hätten wir den Motor starten können. Als ich mich umgedreht habe, war da ein einziger Typ. Alle anderen sind zurück auf ihre Posten gegangen."

[kaltura id="0_a844ryia" class="full_size" title="Stoner sauer auf Rossi"]

Derartige Unsportlichkeiten stoßen dem Australier nicht zum ersten Mal übel auf.

"Fahrer, die gegen Valentino kämpfen, müssen lernen damit umzugehen. Es ist total unfair. Mir ist das bei Stürzen bereits in der Vergangenheit passiert. Da gab es Leute, die mein Motorrad von der Strecke geschoben haben, selbst wenn es perfekt intakt war. Ich musste schon mit Streckenposten streiten, damit sie mich anschieben."

Rückendeckeung von Lorenzo

Unterstützung erhält Stoner von Jerez-Sieger Jorge Lorenzo, dem das Verhalten der Marshalls ebenfalls ganz und gar nicht gefallen hat.

"Ich möchte, dass diese Dinge unparteiisch ablaufen und nicht so. Casey hat nichts falsch gemacht. Er ist gut gefahren und hat das nicht verdient", sagte Lorenzo bei "Motor Cycle News".

Keine Sonderstellung für den "Dottore"

Stoner will dafür sorgen, dass auf und neben der Strecke in Zukunft ein fairer Wettbewerb herrscht und der "Dottore" keine Sonderstellung inne hat - seiner Meinung nach ein weltweites Problem.

"Ich möchte, dass etwas dagegen getan wird. Nicht für mich, sondern für andere Fahrer. Es ist einfach total unfair. Das Verhalten der Streckenposten ist auf der ganzen Welt nicht konstant. Jeder muss gleich behandelt werden. Man darf das Rennen nicht wegen der Popularität zerstören."

Ende April werden sich beim GP in Estoril die portugiesischen Streckenposten beweisen müssen.

Dann können Stoner und Rossi ihre Differenzen auch endlich wieder nicht nur mit Worten, sondern auf der Strecke austragen.

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