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Für Stefan Bradl (l., hier mit Vater Helmut) war es der zweite Sieg auf der Rennstrecke in Estoril © imago

Der Estoril-Sieger fährt abgeklärt wie noch nie - und zieht mit seinem berühmten Vater gleich. Der spricht schon vom WM-Titel.

Estoril - Als der Sohnemann dem zu Hause gebliebenen Papa im Fernsehen bei SPORT1 Grüße übermittelte, hatte Helmut Bradl das Schlimmste schon überstanden.

"Es war nervenaufreibend", sagte der ehemalige Motorrad-Vizeweltmeister am Montag auf dem Weg zum Flughafen.

Erleichtert, aber vor allem mächtig stolz, war Bradl kurz vor dem Wiedersehen mit dem Filius, der am Sonntag beim Großen Preis von Portugal seinen Vorjahreserfolg wiederholt hatte.

Doch der 21-Jährige landete in Estoril nicht nur den zweiten Coup der noch jungen Saison.

Gleichstand mit Vater

Mit dem fünften Grand-Prix-Sieg seiner Karriere zog Bradl auch noch mit dem berühmten Vater gleich.

"Mir wäre es lieber gewesen, wenn es schon sehr viel früher passiert wäre. Aber die Motorrad-WM ist kein Wunschkonzert", sagt der 49-Jährige aus Erfahrung und freut sich schon jetzt darüber, dass er zu Hause bald nur noch die Nummer zwei ist.

Bradl weiß, Stefans nächster Sieg ist nur eine Frage der Zeit - im internen Familienduell hat er das Handtuch geworfen.

"Ziehe vor ihm den Hut"

"Das hat er grandios gemacht. Ich kann vor ihm nur den Hut ziehen", sagt Bradl senior zum Triumph vom Sonntag.

Sein Sohn sicherte sich in der Moto2 einmal mehr mit einer konzentrierten und fehlerfreien Vorstellung den Sieg und holte sich die Führung im WM-Klassement.

Sechs Wochen nach seinem überlegenen Start-Ziel-Sieg beim Auftaktrennen in Katar hatte der Kalex-Pilot auf dem Weg zum zweiten Saisonerfolg zwar deutlich mehr Mühe und profitierte auch von den Fehlern der Konkurrenz.

Bradl ist die Ruhe selbst

Das änderte aber nichts an seiner erneut starken Leistung. Bradl lässt sich in dieser Saison von nichts aus der Ruhe bringen.

Während der Schweizer Thomas Lüthi und der bisherige WM-Spitzenreiter Andrea Iannone aus Italien jeweils in Führung liegend stürzten, spulte der Zahlinger grundsolide sein Programm ab.

Den Spitzenplatz verteidigte er in der Schlussphase kämpferisch bis ins Ziel.

[kaltura id="0_1h06e0wc" class="full_size" title=" Wenn es drauf ankommt bin ich cooler "]

"Er macht alles richtig"

Dass er tags zuvor beim dritten Rennen des Jahres zum dritten Mal die Pole Position erobert hatte, unterstrich zusätzlich seine Klasse.

"Zurzeit macht er alles richtig und hat ein sehr starkes Selbstbewusstsein", lobt deshalb Helmut Bradl, der vor 20 Jahren als WM-Zweiter in der 250-ccm-Klasse den größten Erfolg seiner Karriere gefeiert hatte.

Dem Nachfolger aus dem eigenen Haus traut er sogar den ganz großen Wurf zu.

Bradl hat Zeug zum Weltmeister

"Er kann es packen. Er hat die Form, das richtige Team und die richtigen Mechaniker", sagt Helmut Bradl: "Aber die Saison hat noch 13 Rennen."

Sollte es am Ende tatsächlich mit dem Titel klappen und 18 Jahre nach Dirk Raudies wieder ein Motorrad-Weltmeister aus Deutschland kommen, würde für den größten Bradl-Fan mehr als nur ein Traum in Erfüllung gehen.

"Ich möchte den kennenlernen, der sich das mehr wünscht als ich", sagt der Senior.

Viele Stunden voller Anspannung

Bis es so weit ist, muss Bradl allerdings noch viele schwere Stunden voller Anspannung hinter sich bringen.

So wie am Sonntag, als er in der Heimat während des packenden Rennens mitfieberte: "Ich habe es live im Internet verfolgt und später die Aufzeichnung im Fernsehen."

Genießen konnte Bradl senior den Triumph allerdings erst so richtig, als er vor dem TV Platz genommen hatte: "Da war es einfacher, weil ich schon wusste, dass er gewonnen hat."

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